Ein paar kleine Autos werfen derzeit große Schatten voraus . Denn nachdem der VW-Konzern endlich auf den Trichter gekommen ist, dass Elektroautos bezahlbar sein müssen, wenn sie Erfolg haben sollen, trommeln Wolfsburg und seine Töchter seit Monaten für ihre neuen Einstiegsmodelle. Vor alle natürlich die Mutter, die den Erfolg erstens am nötigsten hat und zweitens gleich zwei Autos ins Rennen schickt, säbelt für ID.Polo und ID.Cross eine Scheibe nach der anderen von der PS-Salami. Und die freche Seat-Schwester Cupra macht für den Raval munter mit.

Nur Skoda hat die Füße verdächtig still gehalten – bis jetzt zumindest. Doch ein Vierteljahr vor der großen Premiere ihres kleinen Elektroautos ringen jetzt auch die Tschechen um Aufmerksamkeit und bitten deshalb zur ersten Ausfahrt im Epiq nach Portugal. 

Stromern ohne Platzangst 
Dank eines Radstands von 2,60 Metern finden die Insassen im 4,17 Meter langen Škoda Epiq ausreichend Kniefreiheit vor. Zum Vergleich: Der heckgetriebene Elroq ist über 30 Zentimeter länger und 16 Zentimeter mehr Radstand. Fotos:  Škoda
Stromern ohne Platzangst
Dank eines Radstands von 2,60 Metern finden die Insassen im 4,17 Meter langen Škoda Epiq ausreichend Kniefreiheit vor. Zum Vergleich: Der heckgetriebene Elroq ist über 30 Zentimeter länger und 16 Zentimeter mehr Radstand. Fotos: Škoda

Technisch birgt der Epiq keine Überraschung, schließlich greift auch Škoda in den modernisierten MEB+, der für den Zwergenaufstand auf Frontantrieb umgerüstet wird, weil das Platz bringt und Geld spart. Es gibt also auch beim Epiq eine Lithium-Eisen-Phosphat (LFP)-Batterie mit 37 kWh für die Einstiegsversionen oder hochwertige NMC (Nickel-Mangan-Cobalt) -Zellen von der VW-Tochter PowerCo aus Salzgitter mit einer Nettokapazität von 51,7 kWh am oberen Ende der Palette. Weil alle Varianten auf eine Normverbrauch von etwa 13 kWh kommen, reicht der Stromvorrat beim kleinen Akku für 315 und beim großen für etwa 430 Kilometer Fahrstrecke. 

Basismodell lädt Strom mit müden 50 kW

Dass der Konzern gerade schwer aufs Geld schaut, merkt man spätestens danach beim Laden des Akkus. Das gelingt am DC-Anschluss beim 115 PS starken Basismodell mit gerade mal 50 kW und ist damit langsamer als bei manchem Plug-in-Hybrid. Die 135 PS- Version lädt dann immerhin schon mit 90 kW. Und beim Top-Modell mit 211 PS sind es einigermaßen konkurrenzfähige 125 kW.

Dann dauert der Hub von 10 auf 80 Prozent auch plötzlich nur noch 23 statt 27 Minuten. Wer daheim lädt, kann immer mit maximal 11 kW kalkulieren. Und wer das richtige Kreuzchen auf dem Bestellzettel macht und ein paar Euro mehr in der Tasche hat, bekommt den Strom über den Stecker auch wieder raus aus dem Auto. Um beispielsweise nach dem Bad im Meer einen Fön zur Hand zu haben. Oder sich einen Kaffee aufzugießen. Vehicle to Load heißt diese Funktion.

Viel Platz auf 4,17 Metern

Auch beim Fahren folgt der Škoda Epiq der Volkswagen-Familie: Er schafft ja nach Motorisierung 150 oder 160 Sachen, schleicht (mit dem Basismodell) in eher zähen 11,0 Sekunden auf Tempo 100 – oder schafft es (in der Topversion) in flotten 7,4 Sekunden. Und zum ersten Mal gibt es im B-Mode nicht nur zwei feine Abstufungen fürs Rekuperieren, sondern der Epiq erlaubt nun auch das One-Pedal-Fahren und bremst dann bis zum Stillstand, wenn man den rechten Fuß lupft. Dabei geben sich schon die Prototypen erfreulich gelassen und gediegen, rollen entspannt ab und treten kräftig an. Dazu noch die Laufruhe der Stromer – und man wähnt sich in einem deutlich größeren Auto, in dem auch längere Strecken wenig Schrecken haben. 

Ganz entspannt 
Der Epiq ist mit einer Reichweite von 300 Kilometern das perfekte Stadtauto, stellte unser Autor bei der Fahrt durch Lissabon fest.
Ganz entspannt
Der Epiq ist mit einer Reichweite von 300 Kilometern das perfekte Stadtauto, stellte unser Autor bei der Fahrt durch Lissabon fest.

Soweit, so gut kennt man das von den andern Einstiegsmodellen der beiden Schwestermarken. Genau wie dem guten Platzangebot vorne wie hinten, der beim Škoda auf einer Gesamtlänge von 4,17 Metern und einem Radstand von 2,60 Metern fußt. Doch neu sind die Nehmerqualitäten. Mit 475 Liter Stauvolumen im tiefen Kofferraum fasst der Epiq nicht nur mehr als der ähnlich geschnittene ID.Cross und der Cupra Raval (430 Liter), sondern vor allem 20 Prozent mehr als der Škoda Kamiq aus der untergehenden Verbrenner-Welt. 

Und das ist der kleine Frunk über dem Motor vorne im Bug noch nicht mitgerechnet. Trotzdem haben die Tschechen – simply clever liegt ihnen in den Genen – noch eine praktische Tasche entwickelt, in der man das Ladekabel sauber verstauen und an die Isofix-Haken der Rückbank hängen kann. Und natürlich wäre der Epiq kein Škoda, wenn er nicht einen kleinen Regenschirm in der Türe versteckt hätte. 

Kleines Klavier unter dem Touchscreen

Dazu gibt es ein eigenständiges Design, das bei unserer Testfahrt zwar noch unter einer kunterbunten Folie versteckt ist. Doch auch der Smartie-Druck kann die neue Sprache „Modern Solid“ nicht kaschieren, der zum Beispiel die markanten Lufteinlässe in der Frontschüre oder die rustikalen Muster im hinteren Stoßfänger zu verdanken sind. 

Klicken und Touchen 
Um die Bedienerfreundlichkeit zu erhöhen, holen die Autohersteller analoge Schalter ins Auto zurück. Auch Skoda: Unter dem Touchscreen gibt es ein kleines "Klavier" mit acht Tasten, über die sich wichtige Funktionen direkt ansteuern lassen.
Klicken und Touchen
Um die Bedienerfreundlichkeit zu erhöhen, holen die Autohersteller analoge Schalter ins Auto zurück. Auch Skoda: Unter dem Touchscreen gibt es ein kleines „Klavier“ mit acht Tasten, über die sich wichtige Funktionen direkt ansteuern lassen.

Auch drinnen gibt sich der Epiq erfreulich klassisch und konventionell. Natürlich prangt über der Mittelkonsole ein 14 Zoll großer Bildschirm, sind die Instrumente sind digital und das Klima steuert man über den Touchscreen oder die Radio-Lautstärke über einen Slider. Doch unter dem Display haben sie für die wichtigsten Funktionen ein kleines Klavier mit ehrlichen Tasten installiert und im Skoda-eigenen Lenkrad warten zwischen den konventionellen Knöpfen die aus dem Octavia bekannten Walzen. 

Preisgleich mit dem Kamiq

Die größte Überraschung dürfte allerdings der Blick auf die Preisliste bergen, wenn die zur Weltpremiere im Mai dann mal veröffentlicht ist. Denn wie schon beim Elroq versprechen die Tschechen Preisparität mit dem konventionellen Kamiq und werden deshalb wohl bei 25.980 Euro starten. Damit kostet der Škoda Epiq kaum mehr als der kleinere und weniger geräumige ID.Polo (ab 25.000 Euro), wird aber wohl einen Tick günstiger als der Cupra Raval (um die 26.000 Euro) und erst recht der VW ID.Cross, der voraussichtlich bei 29.000 Euro startet. Man muss deshalb wohl kein Hellseher sein, wenn man dem Skoda im Konzern-Kindergarten schon mal vorsichtig die Bestseller-Krone aufsetzt. Im Herbst beginnt das Rennen.

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