Jetzt steht bei Cupra, dieser selbst ernannten spanischen Performance-Marke, der wilde Raval in den Startlöchern. Und die verantwortlichen Menschen im Marketing überschlagen sich geradezu mit Euphorismen bei der Beschreibung des Kleinwagens. Sie verkünden uns „ein rebellisches E-Stadtauto, das Konventionen infrage stellt“. Sie schwärmen von der radikalen Interpretation eines urbanen Vollstromers. „Für Menschen, die mehr von jeder Fahrt erwarten“. Mindestens.

Völlig übertrieben? Die Spanier haben, was dieses extrovertierte Design mit dem ausgeprägt Muskulösen betrifft, in den letzten Jahren mit diversen Modellen ja schon fein geübt. Mit Born, Terramar oder Tavascan – um nur einige davon zu nennen. Die Autos mit dem diabolischen Cupra-Logo, das einem indianischen Stammeszeichen angelehnt sein soll, haben uns auf dröhnender Bühne ja alle ziemlich aufgeregt. 

Stromer mit gewollt heftigem Abgang
Die Autos von Cupra zeichnen sich durch ein gewollt expressives Design aus. Der neue vollelektrische Raval bleibt dieser Linie treu,

Klar, die technischen Ingredienzen finden sich auch im deutschen VW ID. Polo oder in SUV-Gestalt im tschechischen Skoda Epiq in fast identischer Form. Die Hardware (genau, diese Baukastierung der Autotechnik) ist also vorgegeben, aber zu den ernsthaften Stromer-Details kommen wir ja noch. Aber diese Konzern-Ableger wirken eben nur halb so krass und speedy wie der Spanier. Wie dieser Fronttriebler mit seiner bissigen Haifischnase, den scharfen Matrix-LED-Scheinwerfern, den beleuchteten Cupra-Logos, den bündig eingelassenen Türgriffen und dem gewollt heftigen Abgang.

Mehr als nur ein Stromer für die Stadt

Gern erzählen sie uns bei Cupra auch gleich von diesen sieben passenden Autofarben, die sie hier diesmal offerieren. Besonders gern von dieser changierend-schillernden „Plasma“-Tönung, die je nach Lichteinfall zwischen Cyan, Blau und Indigo bis hin zu Rosarot (!) wechseln kann. Und wer Böses auch außen mag, der darf für den krassen Kurzen sogar Mattlack wählen, zum Beispiel dieses Manganese Green oder dieses ganz schön spezielle Centure Bronze.

Und logisch, dass schon der Name des gerade mal 4,05 Meter langen, 1,78 Meter breiten und immerhin 1,51 Meter hohen Flitzers in die jugendlich wilde Richtung weist. Genau, siehe Reiseführer oder Dr. Google. Raval, das ist eben dieser angesagte Szene-Stadtbezirk Barcelonas, wo nicht nur nachts so richtig die Post abgeht.

Dynamiker schon im Stand
Platz genug gibt es in der ersten Reihe. Hinten jedoch passt es maximal für die Kids, aber der Cupra Raval ist ja auch kein Familien-Van. Schalensitze mit bunten Bezügen im 3-D-Strick und aus recycelten Mikrofasern sorgen für Sportwagen-Feeling.

Fahren im Raval war bei der Berliner Weltpremiere leider nicht erlaubt, mal schnell Platz nehmen aber schon. Eingebettet bis zu den Schultern sitzen wir hier, wenn beim Interieur ab Feel-Version die elektrisch verstellbaren Schalensitze (klar, mit Memory-Funktion) aus hübschen veganen Leder gewählt sind. Aber auch diese Dinamica-Bezüge (Immersive-Ausstattung), zu gut 70 Prozent aus recycelten Mikrofasern hergestellt, machen nett was her. Danke, alles sehr angenehm.

Ausreichend Platz für Mensch und Gepäck

Dito diese stimmungsvolle Innenbeleuchtung, die sich unterwegs  nahtlos an die jeweilige Fahrsituation und an unsere Stimmung anpassen soll. Inklusive Kaskadeneffekte. Da sind wir ja mal sehr gespannt. „Beleuchtung als intuitive Kommunikationsschnittstelle zwischen dem Fahrzeug und der Person am Steuer“, erklären uns aufgedreht die Typen vom Marketing. Okay, wir werden sehen. Das Klangerlebnis mit dem optionalen Sennheiser-Soundsystem können wir indes sofort testen. Zwölf Lautsprecher und 475 Watt, das haut im kleinen Raval schon relativ fett rein. 

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Platz genug gibt es jedenfalls in der ersten Reihe, selbst für unsereins mit 1,94 Meter Körpergröße. Hinten jedoch passt es dann maximal für die Kids, aber das ist hier ja schließlich kein Familien-Van. Wobei es über das ordentliche Volumen des Laderaums, bei Cupra nennen sie 441 Liter, keine Beschwerden geben dürfte. Bei umgelegten Rücksitzlehnen werden es sogar bis zu 1243 Liter. Und nein, so eine praktische Ladehöhle von Frunk unter der Motorhaube gibt es hier nicht, dafür hat der Platz nicht gereicht. 

Zwei Akkugrößen und viele Assistenten

Die Sicherheits-Features? Sind selbstredend vollumfänglich an Bord, mit der langatmigen Aufzählung wollen wir Sie aber nicht langweilen. Jedenfalls alles da: Spurhalter, Totwinkelerkennung, adaptive Sicherheitsgurte, Travel Assist (kommt auch auf Straßen ohne Markierung klar), Rückwärtsfahren-Aufpasser, Notfall-Helfer, 360-Grad-Kamera, Einparkautomatik (auf Wunsch auch per Smartphone von außerhalb) und so weiter und so weiter.

Vor uns das digitale Kombinstrument im 10,25-Zoll-Format und das knackige Lenkrad mit den physischen Bedienungstasten. Gestochen scharf. Mittig der knapp 13 Zoll große Touchscreen des Infotainmentsystems. Neues Android-Betriebssystem, Sprachasssistent, diverse Apps, inklusive YouTube und Spotify. Alles nahtlos Smartphone-kompatibel. Vieles per My Cupra-App auch aus der Ferne bedienbar, zum Beispiel die verschiedenen Voreinstellungen der Klimaautomatik.

Es lebe der Sport
Der Cupra Raval hat in der Einstiegsversion eine Spitzenleistung von 85 kW. Richtig Spaß macht er sicher aber als VZ mit 166 kW Leistung. Ein Sperrdifferenzial an der Vorderachse verhindert, dass vor lauter Kraft permanent die Vorderräder durchdrehen.

Ab zur Antriebstechnik. Richtig, prinzipiell basiert auch dieser Raval auf dem MEB+-Baukasten des VW-Konzerns mit dem neuen APP290-Elektromotor und der PowerCo-Einheitszellenbatterie. Und  grundsätzlich gibt es dieses Elektroauto in vier Ausführungen. Als Raval mit 85 kW (116 PS) und Raval Plus 99 kW (135 PS), jeweils mit einer 37 kWh-Batterie (Lithium-Eisenphosphat), die für laut WLTP-Norm für eine Reichweite von rund 300 Kilometern taugen soll.

Spitzenmodell mit 166 kW

Darüber dann die flotteren Versionen Endurance mit 155 kW (211 PS) und VZ mit 166 kW (226 PS), die auf eine Lithium-Nickel-Mangan-Cobalt-Batterie mit 52 kWh setzen. Gut, bei diesen Werten fällt heutzutage niemand mehr ins Schock-Koma, aber sie sind doch ganz ordentlich. Die dazugehörigen Reichweiten: Endurance etwa 450 Kilometer, VZ rund 400 Kilometer. Der Ladespeed so? Mit dem kleineren Akku soll es mit 90 kW an der DC-Säule von 10 auf 80 Prozent etwa 27 Minuten dauern, während der große Akku dasselbe mit 130 kW in 23 Minuten schaffen soll. Guter Durchschnitt also.

Und das Fahrwerk? Sportlicher, nämlich 15 Millimeter tiefer, als die Wolfsburger Grundarchitektur. Dazu eine um 10 Millimeter vergrößerte Spurweite. Auf Wunsch sogar mit dynamischer Fahrwerksregelung bis hin zum besonders straffen, quasi rennsporttauglichen Cupra-Modus. Grundsätzlich versprechen die Techniker des Hauses eine „überdurchschnittliche Traktion und Kurvenstabilität“. Dazu dieser Spielkram der „e-Launch-Funktion“, die uns hier mit spezieller Beleuchtung, Cockpit-Animation und einem besonderen Soundeffekt einheizen soll. Richtig, da freuen wir uns auf die ersten Testkilometer. 

Preise zwischen 25.925 und 46.525 Euro

Die angesagten Sprintwerte? Gar nicht übel, So soll die extrem sportliche VZ-Version (DCC-Sportfahrwerk, 19-Zoll-Räder, 235er Reifen, ESC-off-Modus, elektronisch geregeltes Sperrdifferential) die gängige Beschleunigung auf Tempo Hundert in knapp unter sieben Sekunden schaffen. Sie haben nachgesehen und selbstverständlich recht: exakt a la VW ID. Polo GTI. Tja, da dürfen die Spanier dummerweise mit dem Raval nicht vorlaut vorpreschen. 

Topspeed? Ja, jetzt wird es bisschen kitzlig, denn bei dieser Übung ist der Fronttriebler kein Überflieger. Die einfacheren Versionen dürfen maximal Tempo 160 laufen, nur für den obersportlichen VZ ist eine Spitze von 175 km/h vorgesehen. Was ja nicht so der Hammer ist, wenn wir das mal mit den Verbrennern des Seat-Kollegen Ibiza vergleichen. Da rennt so eine halbwegs sportliche FR-Variante auf der Autobahn bis zu 198 km/h (85 kW, ab 26.850 Euro) oder 216 km/h (110 kW, ab 30.100 Euro). Klar, den Riegel schiebt hier der dramatisch explodierende Stromverbrauch eines Stromers bei höheren Geschwindigkeiten vor. 

Von wegen günstig
Die Topversion des Cupra Raval namens VZ Extreme steht mit 45.525 Euro in der Preisliste. „Manganese Green“ kostet noch Aufpreis.

Jetzt müssen wir noch übers Geld reden. Den Basis-Raval soll es erst im September geben – zum Einstiegspreis von schlanken 25.925 Euro. Detaillierte Infos zu sämtlichen Preisen und Ausstattungen finden sich bereits im Konfigurator der Marke. Und die zum Anfüttern besonders nett ausgestatteten und deshalb teueren Launch-Editionen zur deutschen Markteinführung heißen Dynamic (155 kW, 37.250 Euro), Dynamic Plus (155 kW, 41.605 Euro) und VZ Extreme (166 kW, 46.525 Euro). Eine im Winter stromsparende Wärmepumpe ist aber selbst hier im Unterschied zum baugleichen ID.Polo nicht im Angebot. 

“Auto kommt zum richtigen Zeitpunkt“

Fest steht: Der Cupra-Klientel sitzt das Geld relativ locker. Da haben die Spanier in den letzten Jahren stets den richtigen Riecher gehabt. Die schnell gefundene Zielgruppe der Marke ist mit einem Durchschnittsalter von 40 bis 45 Jahren klar jünger als die von Seat und VW. Und offenbar auch finanzkräftiger, die teueren Einstiegspreise dieser krassen Marke scheinen ihr jedenfalls nichts auszumachen. 

Und so ist Deutschlandchef Alexander Buk denn auch ziemlich optimistisch, was die Verkaufschancen des Raval betrifft: „Das Auto kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, ich sehe für dieses Modell ein riesiges Potenzial“. Schließlich demokratisiere Cupra mit dem Raval preislich die Elektromobilität, „ohne den rebellischen Auftritt zu vernachlässigen.“ 

SUV-Variante könnte folgen

Und dass es sogar noch radikaler als beim Raval geht, das habe Cupra ja kürzlich mit der Studie Tindaya gezeigt. Genau, mit diesem 4,72 Meter langen SUV-Coupé, nach dem sich selbst Superheld Batman umdrehen würde. „Damit werfen wir schon mal real einen heißen Blick in höhere Regionen“, kommentiert Buk.

Bleibt noch eine letzte Frage: Kommt da wie bei den Schwester-Modellen von VW und Skoda womöglich noch eine SUV-artige Version des Raval? Ohne so einen Hochsitzer bekommst ja heute selbst eine sportliche Marke keinen Fuß mehr auf den Boden. Das wissen sie natürlich auch bei Cupra, und deshalb soll schon im Herbst 2027 mit dem Raval „Gravel“ eine crossige Variante des kleinen Spaniers starten. Mit einem höhergelegten Fahrwerk, spezieller Dachreling, diversen rustikalen Anbauteilen und ähnlichen Zutaten. Eben mehr so ein kastiger Boxy-Typ wie der VW ID. Cross. Das ist noch ziemlich geheim, aber schon fest in der Planung, erfahren wir am Rande der Raval-Präsentation.

Artikel teilen

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert