Die Langstrecken-Weltmeisterschaft für Solarautos – offizieller Name: Bridgestone World Solar Challenge – hat inzwischen drei sonnenreiche wie spannende Tage gesehen. Derzeit ist Down Under der vierte und vorletzte Tag der Veranstaltung angebrochen. Von den 35 Fahrzeugen, die Studententeams aus aller Welt am Sonntag (24. August) in Darwin auf den Weg nach Adelaide geschickt hatten, sind nach 2800 Kilometern nur noch 22 im Rennen, 13 Prototypen in der sogenannten Toyota Challenger-Klasse und 9 weitere in der Challenger Klasse. Die übrigen mussten aus den unterschiedlichsten Gründen die Fahne streichen. Darunter auch das Team TU Fast Eco der Technischen Universität München. Für die Bayern, die zum ersten Mal an dem renommierten Wettbewerb teilnahmen und von Anfang an mit technischen Problemen zu kämpfen hatten, platzten alle Träume von einem Podiumsplatz schon am zweiten Tag.
Deutlich besser läuft es für den zweiten deutschen Teilnehmer, das Team Sonnenwagen der RWTH Aachen und „Aethon“, den nach dem Pferd des antiken griechischen Sonnenkönigs benannten dreirädrigen Solar-Jet. Am Sonntag waren dieser von der Pole Position ins Rennen gegangen. Doch aufgrund eines Computerfehlers mussten das Team schon nach kurzer Zeit eine Reparaturpause einlegen, in der sie weit zurückfielen. Inzwischen haben sie sich auf Platz vier zurück gekämpft.

Das Team TUFast Eco der Technischen Universität München kam trotz finanzieller Unterstützung durch Audi bei seiner ersten Teilnahme an der Weltmeisterschaft für Solarautos nicht ans Ziel. Schon am zweiten Tag fiel das Auto mit technischen Problemen aus.
An der Spitze liegt aktuell das Brunel Solar Team aus Sittard in den Niederlanden vor dem Solar-Team Innoptus aus dem belgischen Leuven und dem Solarauto der niederländischen Universität Twente. Die Niederländer, die bereits über zum zwölften Mal an der Wettbewerb teilnimmt, galten schon beim Start in Darwin als Favoriten: Gerüchteweise standen ihnen für den Bau der Fahrzeuge und die Vorbereitungen auf das Rennen dank der Unterstützung unter anderem der Fluggesellschaft KLM Millionenbudgets zur Verfügung. Das Team Sonnenwagen kann da trotz einer Partnerschaft mit Mercedes-Benz nicht mithalten. Trotzdem ist die Stimmung in der 45-köpfigen Truppe aus Aachen gut, zeigt der Bericht von Olivia Wahle.
Performance stark vom Wetter abhängig
Nach dem etwas stressigen ersten Tag verlief der zweite Renntag eher ruhig. Um auf keinen Fall zu spät auf den Highway zu fahren, stand das ganze Team bereits um 5:30 Uhr auf, baute die Zelte ab, frühstückte und bereitete die Wraps vor. Natürlich durfte auch unsere morgendliche Tanzrunde nicht fehlen, diesmal sogar mit unserem Observer.
So konnten wir pünktlich „Covestro Aethon“ aus dem Hänger holen und den Deckel anstellen, um die ersten Sonnenstrahlen des Tages einzusammeln. Da wir gestern bis 17:05 Uhr gefahren sind, um noch den letzten Kontrollstopp zu verlassen, durften wir erst um 08:05 Uhr wieder starten. Nachdem unser Observer die Batterie und die Zusatzgewichte geprüft hatte, ging es mit Viktoria (Hoffmann) als Fahrerin auf die Straße.

Mit sechs Quadratmeter Hochleistungs-Solarzellen ist die Oberfläche des dreirädrigen Straßen-Katamarans belegt, mit dem das Team Brunel aus dem niederländischen Sittard aktuell das Feld anführt. Die verstellbare Finne soll zusätzlich die Kraft des Windes nutzen.
Erneut war das Wetter optimal: Wenig Wolken am Himmel, strahlende Sonne und nur leichte Winde ohne Böen – ein Traum für jedes Team. Besonders durch die verkleinerte Batterie ist der Verlauf der Bridgestone World Solar Challenge dieses Jahr stark vom Wetter abhängig. Dementsprechend hoch waren heute auch die Geschwindigkeiten: Zeitweise erreichten Teams über 110 km/h, und auch wir fuhren mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 90 km/h 740 Kilometer weiter Richtung Süden.
2687 Kilometer in vier Tagen
Ein langweiliges Solarrennen ist ein gutes Rennen. Nachdem wir genügend Abstand zu Darwin aufgebaut hatten, wurde der Verkehr deutlich ruhiger und das Feld der Solarautos zog sich auseinander. Den Vorsprung auf die Teams hinter uns konnten wir am Morgen etwas ausbauen und über den restlichen Tag halten. Die drei führenden Teams gaben jedoch ebenfalls nicht nach und fuhren fast ein eigenes Rennen an der Spitze.
Aktuell liegen wir etwa 70 Kilometer hinter Twente und werden von Michigan verfolgt, die rund 21 Minuten hinter uns liegen. Für den dritten Renntag ist leider ein Wetterwechsel angesagt, verbunden mit starken Winden und Bewölkung. Unser Ziel für den Tag bleibt trotzdem weiter zu den führenden Teams aufschließen und kurz vor Coober Pedy unseren Nachtstopp einrichten.

Startfahrer Moritz Mitzel vom Team Sonnenwagen braucht jetzt erst einmal eine Stärkung. Foto: Team Sonnenwagen
Inzwischen ist der vierte und somit vorletzte Tag geschafft. Wir sind heute insgesamt bis Kilometer 2.687 gefahren und somit 25 Kilometer vor Port Augusta. Wie in den letzten Tagen halten wir die vierte Position und freuen uns auf den letzten Tag des Rennens. Die ersten drei Teams liegen 100 Kilometer vor uns.
Technisch gab es keine Probleme mit Æthon, was uns sehr freut. Die einzige Komplikation betrifft nicht unser Auto, sondern unseren Supportconvoy: Unser Anhänger im Support-Convoi hatte einen Platten und der Ersatzreifen hatte keine passende Felge. Nachdem sich drei Autos wieder auf den Weg gemacht haben, um dem 120 Kilometer entfernten Hänger zu helfen, hat sich das ungarische Team Neumann auf den Weg gemacht, um den Reifen auf die Felge zu ziehen. Jetzt sind sie auf dem Weg zu uns, und dann können wir endlich das Camp aufbauen. Da wir keine Zeit zum Kochen haben, holen wir heute ausnahmsweise Pizza in Port Augusta, was die Stimmung bei allen eindeutig hebt. Wir lassen uns nicht unterkriegen!
Wie das Rennen ausgeht, erfahrt ihr morgen hier auf unserer Website. Bleibt dran!