Sie sind noch gar nicht richtig da und schwingen sich schon zum Angstgegner auf. Denn nachdem Xiaomi mit dem SU7 den Porsche Taycan in die Schranken gewiesen hat, nimmt der chinesische Elektronik-Gigant jetzt auch die Flotte der elektrischen SUV-Elite ins Visier: Fahrzeuge wie den Porsche Macan Electric und seinen Ingolstädter Vetter Audi Q6, den nagelneuen BMW iX3 oder den Mercedes GLC EQ. Nicht zu vergessen das Model Y – sie alle sehen gegen den YU7 von Xiaomi plötzlich ganz schön alt aus.
Das beginnt beim Design des fünf Meter langen und ungewöhnlich flachen SUV. Die Modellbezeichnung YU7 übersetzen die Chinesen nicht umsonst mit „Landwagen, der auf dem Wind reitet“. Denn weil es dem mittlerweile drittgrößten Handyhersteller der Welt fürs Auto noch an einer eigenen Designsprache fehlt, hat er sich von den Europäern inspirieren lassen und dabei nicht die schlechtesten Vorbilder gewählt: Von vorne erinnert der YU7 an Porsche, die Silhouette zitiert den Ferrari Purosangue und von hinten schimmert der Aston Martin DBX durch. Da kann man durchaus schon mal ins Schwärmen geraten.

Die Designer von Xiaomi – die früher für BMW tätig waren – haben sich von europäischen Luxus-Stromern inspirieren lassen. Anleihen nahmen sie unter anderem bei Porsche, Ferrari und dem britischen Nobelhersteller Aston Martin.
Innen dagegen orientiert er sich vor allem an Tesla und kommt entsprechend nackt und nüchtern daher. Er hat genauso wenig Schalter und zwingt einen selbst zur Einstellung von Spiegel & Co auf den Touchscreen, der fast im A3-Format vor der Mittelkonsole schwebt. Der Clou allerdings ist die zweite Bildschirmebene unter dem Fuß der Frontscheibe. Denn was uns BMW mit seinem „Panoramic iDrive“-Display gerade als Highlight der Neuen Klasse verkaufen will, hat Xiaomi schon seit diesem Sommer auf der Straße. Und selbst wenn sie dafür noch ein paar einzelne Screens unter einer Blende zusammen gesetzt haben und die Grafiken womöglich nicht ganz so frei konfigurierbar sind, macht das jedenfalls mächtig was her und sollte die Bayern zurück auf den Boden der Tatsachen holen.
Basismodell mit 96,3 kWh-Akku
Dazu gibt es reichlich Platz auf allen Plätzen, was bei glatten drei Metern Radstand keine Überraschung ist. Und ein formatfüllendes Panoramadach sorgt für ein betont luftiges Raumerlebnis. Außerdem haben die Chinesen nicht nur 678 Liter Platz für Koffer und Taschen geschaffen, sondern unter der Fronthaube noch einmal 141 Liter Stauraum vorgesehen.

Das Bedienkonzept des YU7 ähnelt mit der Fokussierung auf das Zentraldisplay einerseits stark dem von Tesla. Mit der zweiten Info-Ebene unterhalb der Frontscheibe nehmen sie anderseits ein Feature auf, mit dem die Neue Klasse von BMW zu glänzen versucht.
Beim Antrieb hat Xiaomi im Vergleich zum SU7 beim YU7 nochmal kräftig nachgelegt. Schon das Basismodell fährt jetzt mit einem 235 kW oder 320 PS starken Elektromotor an der Hinterachse, beschleunigt in 5,9 Sekunden auf Tempo 100 und bekommt Auslauf bis 240 km/h. Sein Akku hat eine Speicherkapazität von 96,3 kWh und reicht für rekordverdächtige 835 Kilometer – wenn auch nur in der etwas laxeren China-Norm. Der YU7 in der sogenannten Pro-Version verfügt über zwei Motoren und dann 365 kW oder 496 PS, so dass der Sprint auf Tempo 100 nur noch 4,3 Sekunden dauert. Dafür schmilzt aber die Reichweite auf 770 Kilometer.
620 Kilometer Reichweite in 15 Minuten
Und im Flaggschiff YU7 „Max“ kommen die beiden Magnetläufer auf solide 508 kW oder 690 PS. Dann wird die Tempo-Anzeige schon nach 3,2 Sekunden dreistellig und die Elektronik stoppt erst bei 253 km/h den Vorwärtsdrang. Zu den stärkeren Motoren gibt’s auch einen anderen Akku mit NCM- statt LFP-Zellen. Der ist zwar mit 101,7 kWh kaum größer und ermöglicht deshalb auch nur 760 Norm-Kilometer, verkürzt aber die Ladezeiten nochmal dramatisch.

Auf die Leistungsdaten des Topmodells YU7 Max sind sie bei Xiaomi mächtig stolz. Die Insassen haben sie permanent vor Augen.
Dabei ist das ohnehin eine Stärke des YU7, der die europäische Konkurrenz mit Ladeleistungen von über 500 kW locker aussticht: Der, nun ja, kleine Akku schafft den Sprung von 10 auf 80 Prozent deshalb in nur 21 und der große sogar in spektakulären 12 Minuten. Oder anders formuliert: 15 Minuten Nachladen reichen dann für 620 Kilometer Reichweite. Wer das mit einem Verbrenner toppen will, braucht schon einen ganz schön flotten Tankwart.
Wahlweise im Sport- und Schon-Programm
Zwar ist das YU7 stärker als der SU7, hat aber den sanfteren Charakter. Während der Gran Turismo betont stramm ist und nicht nur bei der Fahrdynamik, sondern auch beim Handling einem Porsche nacheifert, lässt es das SUV sehr viel entspannter angehen: Das Fahrwerk mit der von Porsche inspirierten Doppelkammer-Luftfederung waltet mit Milde und Nachsicht und die Lenkung ist weniger scharf programmiert.
Im sportlichsten Fahrprofil geht es trotzdem zackig um die Ecken, ohne dass man dem SUV sein Schwergewicht von 2,8 Tonnen anmerken würde. Und wer mit dem roten Knopf im Lenkrad für 20 Sekunden die volle Leistung freischaltet, dem fährt wenn beim Kickdown unbarmherzig eine eiserne Faust in den Magen.

Unser Autor am Xiaomi YU7, der in China bereits ein Bestseller ist und ab 2027 auch in Europa angeboten werden soll.
Doch weil ein SUV per se eher Familienkutsche ist als Fahrerauto, übt der YU7 auf Bodenwellen und in engen Radien höfliche Nachsicht. Er federt weicher, lenkt sanfter – und leistet sich sogar ein eigenes Schon-Programm für besonders empfindliche Passagiere. Dann rekuperiert er noch behutsamer, beschleunigt verhaltener, gleicht Wankbewegungen besser aus, reduziert Vibrationen und schlechte Schwingungen. Die Insassen fühlen sich dann wie auf Wolken gebettet und in Watte gepackt.
Xiaomi YU 7 startet in China bei umgerechnet 31.000 Euro
Und wer sich auch am Steuer lieber fahren lässt, als selbst das Geschehen zu bestimmen, der vertraut auf eine schlauen Autopiloten, für den Lidar & Co an Bord sind. Zwar zwingt der Autopilot weiterhin die Hände ans Lenkrad. Aber bis ins Stadtzentrum macht der mit assistierten Spur- und Richtungswechseln und automatisiertem Einparken einen soliden Job – selbst im Verkehrschaos von Peking oder Shanghai.

Der dank einer großen Heckklappe leicht zu beladende Kofferraum bietet mit einem Volumen von 678 Litern jede Menge Platz für Koffer und Taschen. Obendrein gibt es vorne noch einen Frunk mit einem Fassungsvolumen von 141 Litern.
Er sieht also besser aus als die allermeisten anderen SUV in dieser Klasse, ist moderner eingerichtet und sticht die Wettbewerber beim Antrieb und spätestens beim Laden locker aus. Schon das macht den YU7 zu einem echten Angstgegner für Tesla und die europäische Elite der Genration E. Und als wäre das nicht schon Herausforderung genug, ist der YU7 nicht nur das bessere, sondern auch noch das günstigere Auto. Denn los geht es bereits bei 253.500 Yuan oder umgerechnet knapp 31.000 Euro. Zum Vergleich: Das Tesla Model Y startet in China erst bei etwa 38 000. Und für den Macan Electric ruft Porsche umgerechnet wenigstens rund 70 000 Euro auf.
Kein Wunder, dass es zur Markteinführung im Frühjahr einen wahren Run auf den YU7 gab: Allein in den ersten drei Minuten gingen 200.000 Vorbestellungen für das Modell ein. Und nicht einmal ein halbes Jahr später ist das SUV selbst in Städten aus der zweiten oder der dritten Liga im Straßenbild schon sehr präsent. Und das ist nur ein Vorgeschmack. Denn auch im Rest der Welt können sich die etablierten Hersteller womöglich warm anziehen: Ab 2027, so hat es Xiaomi-Chef Lei Jun angekündigt, will er den Weg in dem Westen antreten und seine Modelle auch in Europa anbieten.