An die Leistungswerte kW, kW/h oder Watt hat sich ja inzwischen wohl fast jeder Autofahrer von modernen Autos gewöhnt. Aber He Xiaopeng würde gern noch einen weiteren Wert als Zeichen des Fortschritts etablieren: TOPS. Das steht für Billionen Rechenoperationen pro Sekunde. Und der Gründer des Autoherstellers Xpeng ist mächtig stolz darauf, dass sein neues Mittelklasse-SUV L03 davon gleich bis zu 750 Billionen per Wimpernschlag kalkulieren kann. Ein Mensch bräuchte dafür einige Millionen Jahre. „Den Chip dazu haben wir selbst entwickelt“, strahlt Xiaopeng.

Aber warum soll so etwas im Mittelpunkt einer Produktpremiere steht? Weil die Chinesen ihre Top-TOPS-Leistungen für weltweit führend halten – und ihren Kunden damit bessere Assistenzsysteme, effizientes Fahren oder höheren Komfort versprechen. Xpeng setzt damit auf ein bekanntes Muster der Tech-Branche: Hardware soll Vertrauen schaffen, Software den Unterschied machen.

Lademeister
Trotz einer 400-Volt-Plattform lädt der 4,65 Meter lange Elektro-Crossover Gleichstrom am Schnelllader mit bis zu 238 kW.

Ende 2026 soll der L03 im modischen SUV-Coupé-Format nach Deutschland kommen – und ab 35.600 Euro mit einem attraktiven Preis gegen Tesla Model Y, VW ID.4 oder Hyundai IONIQ 5 antreten. Das neue Auto, das wie schon der G6 und der G9 sowie der neue P7plus bei Magna Steyr in Österreich produziert wird, verbindet eine flache Fastback-Linie mit großen Batterien, bis zu 520 Kilometern Elektro-Reichweite und Ladeleistungen von maximal 236 kW.

KI hilft beim Überholen

Die TOPS snd ja erst mal unsichtbar. Ein 8,9-Zoll-Display vor dem Lenkrad, ein 15,6-Zoll-Touchscreen in der Mitte und ein 26,8-Zoll-Head-up-Display lassen aber schon mal optisch Hightech-Gefühle aufkommen, auch wenn die Leistungen auf den Bildschirmen noch nicht im Fahrbetrieb ihre Schnelligkeit bei Navigationsdaten, Fahrinformationen oder Unterhaltungsfunktionen beweisen durften. Doch Xpeng verspricht, dass seine „Physical AI“, also künstliche Intelligenz, ein Auto im Verkehr besonders clever wahrnimmt und bei bestimmten Fahraufgaben unterstützt – inklusive teilautonomen Fahren und Überholen.

China-Style
Der Innenraum des Xpeng L03 bietet reichlich Platz, aber keine Originalität: Zwei Diskplays, zwei Ladeschalen – und gut ist.

„In Europe, for Europe“ hat Xpeng den Auftritt vor fast 2000 Gästen in Münchens Showpalast überschrieben. Die äußeren Werte des L03 jedenfalls passen gut in den hiesigen Markt. Mit 4,65 Metern Länge, 1,92 Metern Breite und 2,85 Metern Radstand liegt das Modell in der Klasse von Tesla Model Y, VW ID.4 und Hyundai IONIQ 5. Die glatte Karosserie erreicht nach Herstellerangaben einen cw-Wert von 0,228. Zusammen mit der serienmäßigen Wärmepumpe soll das den Normverbrauch je nach Version auf 15,3 bis 18,4 kWh je 100 Kilometer drücken. Ein guter Wert im Wettbewerb – wenn er sich denn im Fahrtest bestätigt.

Preise beginnen bei 35.600 Euro

Für die 35.600 Euro liefert Xpeng den L03 als RWD Standard Range mit Hinterradantrieb, 180 kW oder 245 PS und einer Batterie mit 58,3 kWh Kapazität. Der Sprint von null auf 100 km/h dauert 7,5 Sekunden, die WLTP-Reichweite beträgt bis zu 445 Kilometer. Die Höchstgeschwindigkeit liegt – wie bei allen L03-Versionen – bei 180 km/h.  Für 3.000 Euro mehr gibt es den RWD Long Range mit gleichem Motor, die Batterie wächst jedoch auf 71,2 kWh. Die Beschleunigungszeit sinkt auf 6,6 Sekunden, während die Reichweite nach WLTP bis zu 520 Kilometer erreicht. Diese Version dürfte für viele Käufer den Kern der Baureihe bilden.  

Fusionsküche
Die Front des Xpeng L03 scheint von Polestar inspiriert, Dachlinie und Heck von Genesis. Das Ergebnis dürfte in Europa gut ankommen.

Allrad gibt´s ab AWD Performance für 41.600 Euro. Zwei Elektromotoren liefern zusammen 285 kW beziehungsweise 388 PS und treiben alle vier Räder an. Das SUV-Coupé beschleunigt damit in 4,5 Sekunden auf 100 km/h, erreicht aber nur noch bis zu 440 Kilometer. Die Variante AWD Performance Ultra kostet ab 46.600 Euro, übernimmt Batterie, Leistung, Allradantrieb und Fahrwerte der Performance-Ausführung – und trägt zusätzlich die umfangreichste KI-Hardware. 

Strom laden mit bis zu 236 kW

Und auch Xpeng hat wie andere chinesische Anbieter nun eine hybride Variante mit Range-Extender im Angebot. Der REEV, ab 38.600 Euro, kombiniert dazu eine 37,25-kWh-Batterie mit einem 1,5-Liter-Benzinmotor, der als Stromgenerator arbeitet. Die Räder treiben dabei weiterhin Elektromotoren an. Eine Gesamtreichweite von bis zu 1.000 Kilometern bietet für Langstreckenfahrer und in Regionen mit lückenhafter Ladeinfrastruktur eine Alternative. Und wer meist nur bis zu 100 Kilometer pendelt, kann auch emissionsfrei fahren.

Technisch basiert der L03 auf einer 400-Volt-Architektur. Xpeng nennt eine maximale Gleichstrom-Ladeleistung von bis zu 236 kW. Unter passenden Bedingungen soll der Akku so in 18 Minuten von 20 auf 80 Prozent laden; von 10 auf 80 Prozent sollen 20 Minuten vergehen. In der Praxis wird die Ladekurve zu beobachten sein: Sie zeigt, wie lange das Auto eine hohe Leistung tatsächlich hält. 

Ganz praktisch 
Im Kofferraum des L03 haben die XPeng-Designer eine Platte montiert, an der sich mit Haken allerlei Werkzeuge und andere Hilfsmittel befestigen lassen. Für Ordnung ist damit auch im Heckabteil gesorgt.
Ganz praktisch
Im Kofferraum des L03 haben die XPeng-Designer eine Platte montiert, an der sich mit Haken allerlei Werkzeuge und andere Hilfsmittel befestigen lassen. Für Ordnung ist damit auch im Heckabteil gesorgt.

Den Elektrogrill oder die Heckenschere kann der L03 stets aus der eigenen Batterie mit Strom versorgen. Alle Modelle bringen die Vehicle-to-Load-Funktion mit bis zu sechs kW. Auch eine induktive, belüftete Ladeschale für Smartphones gehört zum Standard. Und wer in smogbelasteten Gegenden unterwegs ist, wird angesichts des Luftreinigungssystem Xfree Breath aufatmen, die die Luft im Innenraum bis zu den kleinsten Partikeln filtert. 

Reichlich Platz – auch im Kofferraum

Wie bei den großen Modell-Brüdern verspricht auch der L03 im fließenden Design sportliche Dynamik. Im Inneren ist die Alltagstauglichkeit Trumpf. Der lange Radstand von 2,85 Metern schafft viel Bein- und Kopffreiheit; auch im Fond, trotzdem die Dachlinie früh zum Heck abfällt. Im Innenraum verarbeitet Xpeng Soft-Touch-Oberflächen, nur sehr wenige echte Tasten und einen Velours-Dachhimmel im China-typischen Stil; Hellgrau und Dunkelgrau stehen als Farbrichtungen zur Wahl. Das Panoramadach misst 1,30 Quadratmeter und soll 99,9 Prozent der UV-Strahlung abhalten. 

Der Kofferraum fasst 367 Liter. Kein Raumwunder, insbesondere durch die abfallende Dachlinie. Aber durchaus ausreichend. Insbesondere, weil die Macher mit Rat und Tat aus dem Münchener Entwicklungs-Dependance versorgt für reichlich Zusatz-Stauraum gesorgt haben. Besonders geräumig ist der zusätzliche Frunk: Die Hinterradmodelle bieten üppige 89 Liter, die Allradvarianten wegen des zweiten Motors immerhin noch 44 Liter. Und eine Schublade unter den Rücksitzen ergänzt weitere zehn Liter.

Große Klappe
Die große elektrische Heckklappe öffnet den Zugang zum Gepäckabteil, das bis zu 539 Liter fasst. Zusätzlich gibt es vorne einen Frank.
Große Klappe
Die große elektrische Heckklappe öffnet den Zugang zum Gepäckabteil, das bis zu 539 Liter fasst. Zusätzlich gibt es vorne einen Frank.

Viel Sonderwünsche der Kunden erwartet Xpeng nicht – muss ja auch nicht sein: Schon das Basismodell erhält elektrisch einstellbare, beheizbare und belüftete Vordersitze mit Memory-Funktion. In der Ultra-Version ergänzt Xpeng eine Massagefunktion. Beim Soundsystem setzt die Marke schon in der Basis auf ein System mit neun Lautsprecher inklusive zwei Schallwandlern im Fahrersitz, das Ultra-Modell erhält 18 hochwertige Lautsprecher und eine aktive Geräuschunterdrückung.

Sieben Jahre Garantie aufs Auto, acht Jahre auf den Akku

Der L03 zielt laut Xpeng auf fünf Sterne im Euro-NCAP-Test. Serienmäßig sollen sieben Airbags und das Assistenzpaket XPILOT an Bord sein – mit mehr als einem Dutzend Funktionen von obligatorischen Notbrems- und Totwinkelassistenten bis zu 360-Grad-Kamera mit „transparentem Chassis“, die den Bereich unmittelbar vor und unter dem Fahrzeug auf dem Bildschirm sichtbar machen soll. 

Die Garantie soll eine weitere Schwelle senken, die viele europäische Kundinnen und Kunden gegenüber jungen Marken aus China noch spüren. Xpeng verspricht sieben Jahre oder 160.000 Kilometer Fahrzeuggarantie. Für die Hochvoltbatterie nennt die Marke acht Jahre Garantie. TOPS ist eben nicht alles beim Autokauf.

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