Fliegende Boote gibt es schon länger. Zuletzt wurden sie 2017 beim Segelwettbewerb Americas Cup vor Bermuda gesichtet: Fliegende Rennmaschinen, die vor der britischen Kronkolonie über die Wellenkämme flogen. Für Auftrieb sorgten die Foils genannten Schwerter der Katamarane. Per Knopfdruck hoben sie mit ihrem aerodynamisch ausgefeilten Profil den Bootsrumpf aus dem Wasser. Befreit vom Wasserdruck und Reibungswiderstand erreichten die Hightech-Boote Geschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometer in der Stunde.

Ganz so schnell ist die Candela Seven nicht. Bei Testfahrten auf dem Rhein zwischen Köln und Düsseldorf kam das knapp acht Meter lange Boot auf etwa 30 Knoten – in einem Auto wären das etwas mehr als 55 km/h. Aber ähnlich wie die Rennyachten vor Bermuda nutzt auch das kleine „Bowrider“ -Sportboot die so genannte Hydrofoil-Technologie: Kurz nach dem Ablegen hebt sich der aus Carbon gefertigte Bootsrumpf mit Hilfe von Tragflächen aus dem Wasser und fliegt über die Wellen. Und ähnlich wie beim Americas Cup der Rennsegler geschieht das nahezu lautlos: Angetrieben wird die Candela 7 von einem Außenborder des Typs Torqeedo Deep Blue mit 55 Kilowatt (75 PS) Leistung. Die Antriebsenergie liefert ein Lithium-Ionen-Akku mit einer Speicherkapazität von 40 Kilowattstunden. Es ist die gleiche Batterie, wie sie BMW im Elektroauto i3 verwendet.

Ausgeklügelte Sensorik sorgt für Stabilität

Fünf Jahre Entwicklungsarbeit stecken in den elektrischen Tragflächenboot aus Schweden. Entwickelt wurde es von dem Maschinenbauingenieur Gustav Hasselskog zusammen mit einem Team aus Spezialisten aus 12 Ländern – Experten in Elektrotechnik, Spezialisten für Leichtbau und Steuerungselektronik. Denn ist alles andere als leicht, ein Boot zum Fliegen zu bringen – und in dem Zustand stabil zu halten. Trotz Wellen und auch bei schnellen Fahrmanövern.

Flüsterleiser Rheinflitzer
Elektronisch gesteuerte „Foils“ unter dem Bootsrumpf heben die Candela Seven aus dem Wasser. Dadurch steigt die Fahrgeschwindigkeit und sinkt der Energiebedarf . Foto: Candela

Gesteuert werden die Foils, die Flügel unter dem Bootsrumpf und am Bootsheck kurz vor dem Propeller, elektronisch. Das Candela-Team hat dafür eine komplexe Sensorik entwickelt, mit deren Hilfe ein Computer alle Wasserbewegungen blitzschnell berechnet und mit der aktuellen Lage des Bootsrumpfs auf dem Wasser abgleicht. Unter anderem messen Ultraschallsensoren am Bug die Höhe der Wellen, Gyrosensoren die Krängung. auch Geschwindigkeit und Höhenunterschiede fließen in die Berechnungen, die hundertmal in der Sekunde stattfinden. Das Ergebnis ist eine riesige Datenflut, die von einer eigens entwickelten Software analysiert wird – und ein Boot, das sich auch angeblich nicht durch meterhohe Wellen aus der Ruhe bringen lässt.

Tesla lässt grüßen

Klingt kompliziert, ist es auch. Trotzdem erfordert die Bedienung des 245.000 Euro teuren Boots kein Ingenieursstudium. Gesteuert wird das elektrische Tragflächenboot ganz konventionell über Steuerrad, Schubhebel – und ein i-Pad-ähnliches Großdisplay. Tesla lässt grüßen.

EDISON war bei den Testfahrten auf dem Rhein dabei und hatte anschließend Gelegenheit, mit dem Unternehmensgründer Gustav Hasselskog zu sprechen. Über seine Motivation, die technische Entwicklung – und die weiteren Pläne von Candela. Unter anderem für eine Elektro-Fähre in Stockholm. Das Interview lesen Sie hier und auf der nächsten Seite.

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