Er läuft und läuft und läuft. Jetzt schon über 40 Kilometer – und der Bordcomputer sagt: Da geht noch was. Vollelektrisch, ohne Brummen und ganz emissionsfrei. Erst als wir acht Kilometer von der Landstraße auf die Autobahn abbiegen und mal kurz etwas fester aufs Fahrpedal drücken, ist es mit der Ruhe vorbei, erwacht der Benziner unter der Motorhaube unseres kristallgrauen DS 4 E-Tense 225 zum Leben. Erst, um den Elektroantrieb zu unterstützen, dann, um komplett den Vortrieb zu übernehmen. Denn der Akku ist nun leer. Und nun?

Ich könnte jetzt mit ein paar Tastenbefehlen dafür sorgen, dass der 181 PS (133 kW) starke Vierzylinder einen Teil seiner Kraft dafür aufwendet, um den 12,4 kWh-Akku im Fahrzeugboden wieder auflädt, damit wir am Ziel der Reise wieder stromern können. Das wäre natürlich völliger Blödsinn, weil dann der Energieverbrauch massiv in die Höhe schießen und dem Klima eher schaden als nützen würde. Das lassen wir lieber.

Deutschland fährt auf Plug-ins ab

Besser wäre es, jetzt die nächste Ladestation anzusteuern und den Akku mit Grünstrom aus dem Netz zu füttern. Aber der DS4 verfügt über keinen Schnellladeanschluss. Und an einem Wechselstromlader nimmt er den Strom mit maximal 7,4 kW auf – unter 90 Minuten kämen wir da nicht wieder weg. Das lassen wir dann lieber auch – und fahren die restlichen 20 Kilometer allein mit der Kraft der Verbrennungskraftmaschine.

Modern Art
Der DS4 E-Tense fällt auf, wo immer er erscheint. Erst durch sein expressives Design, dann mit dem lautlosen Antrieb.

Plug-in-Hybride (PHEVs) sind in Deutschland gerade ausgesprochen populär: 325.449 Personenwagen mit diesem Antriebskonzept wurden im abgelaufenen Jahr auf die Straße gebracht – fast so viele wie reine Elektroautos (355.961 Neuzulassungen), vermeldete das Kraftfahrt-Bundesamt dieser Tage. Elektro-Pkw (BEV). Steuerliche Vorteile sowie Kaufprämien von bis zu 6.750 Euro ließen die Nachfrage nach den Teilzeitstromern um über 60 Prozent steigen. Wie die PHEVs genutzt werden und ob die Akkus dieser „Elektroautos“ regelmäßig geladen werden, ist derzeit noch allein den Fahrern überlassen.

60 Kilometer elektrisch – mit Ach, aber ohne Krach

Der nagelneue DS 4 E-Tense 225 aus dem Stellantis-Imperium macht da keine Ausnahme. Der Fahrer bekommt hier jede Menge Assistenzsysteme an die Seite gestellt, erst recht in der gehobenen Ausstattung „Rivoli“ unseres 56.850 Euro teuren Testwagens. Aber keines davon fordert den Fahrer auf, eine Ladesäule aufzusuchen, wenn der Akku leer ist. Und auch das Navigationssystem sieht keinen Grund, dann einen Zwischenstopp an einer Steckdose nahezulegen.

Mal schauen, wie lange dies der Gesetzgeber noch durchgehen lässt. Beschlossen hat er bereits, nur noch solche Fahrzeuge zu fördern, die eine elektrische Reichweite von wenigstens 80 Kilometern aufweisen können. Geplant ist zudem, ein Monitoring-System einzuführen: Steuererleichterungen und Kaufprämien gibt es dann nur noch, wenn der Fahrzeughalter dokumentieren kann, dass er den PHEV überwiegend elektrisch bewegt hat.

Ganz easy
Auch der DS4 kommt nicht ohne Touchscreen daher. Für die wichtigsten Funktionen gibt es allerdings ordentliche Tasten.

Zu Jahresbeginn hat die Politik bereits die Schraube ein wenig angezogen: Seit 1. Januar 2022 gilt eine elektrische Mindestreichweite von 60 Kilometern. Der neue DS 4 E-Tense wäre demnach beinahe nicht mehr förderfähig gewesen: Komplett emissionsfrei fuhr der Kompaktwagen nach der gesetzlichen WLTP-Verbrauchsnorm noch im Dezember lediglich 55 Kilometer weit. Inzwischen wird die elektrische Reichweite mit „bis zu 60 Kilometer“ angegeben. Für die Vergrößerung der Reichweite sorgte allerdings nicht ein größerer Akku, sondern ein kleiner Trick, wie DS-Produktmanager Tijl Verhelst schon beim Start zur Testfahrt verraten hatte: Das Modell wurde neu homologiert. Nicht im Paket mit anderen baugleichen Fahrzeugen aus dem Stellantis-Konzern, sondern einzeln. Danach standen die 60 Kilometer.

Unterm Strich günstiger als ein Benziner

Der neue, weitgehend baugleiche Opel Astra verspricht sogar eine Reichweite von 70 bis 78 Kilometer mit dem gleichen Akkupaket – wenn der Wagen rein im Stadtverkehr bewegt wird. Das sollte also auch mit dem DS4 E-Tense gelingen: Auf unserer Testfahrt kamen wir auf einen Durchschnittsverbrauch von 13,1 Kilowattstunden Strom und 2,5 Litern Benzin. In Summe kämen wir damit auf Betriebskosten von etwa 9,50 Euro auf 100 Kilometer. Gegenüber einem rein benzingetriebenen DS 4 225 (Durchschnittsverbrauch: 7 Liter) hätten wir damit immerhin gut drei Euro gespart.

Mit dem feinen Unterschied, dass der teilelektrische E-Tense nach Abzug von Umweltbonus und Innovationsprämie 4.250 Euro günstiger ist als ein DS4-Benziner in gleicher Ausstattung. Der Teilzeitstromer rechnet sich also in jedem Fall. Umso mehr, je öfter man den Akku lädt.

Feinschliff
Wie viele Rhomben finden sich auf und in einem DS4? An der Heckleuchte kann mit dem Zählen schon mal begonnen werden.

43 Prozent aller Fahrzeuge, die die junge Marke DS in Deutschland absetzt, sind bereits Teilzeitstromer, beim großen SUV DS7 beträgt der Anteil sogar über 50 Prozent. Und Produktmanager Verhelst ist sicher, dass die 33 DS-Händler in Deutschland vom neuen Modell noch mehr in der Ausführung E-Tense verkaufen werden: „Die Menschen haben entdeckt, welche Vorteile der elektrische Antrieb bietet“. Und nicht nur finanzieller, sondern psychologischer Art: Es reist sich wesentlich entspannter.

Luxus in der Kompaktklasse

Und der DS4, der wie sein Schwestermodell Opel Astra in Rüsselsheim produziert wird, bringt dafür gute Voraussetzungen mit. Nicht nur jede Menge Assistenzsysteme, sondern in der Ausführung „Rivoli“ eine Akustikverglasung ringsum, trotz etwas kurzer Beinauflage herrlich komfortable Sitze – beim Testwagen sogar mit Heizung und Massagefunktion – und ein Fahrwerk, das zwar keine Luftfederung mehr besitzt wie in der legendären DS aus den 1960 er Jahren, das aber dank der Informationen eines Kamerasystems sich automatisch auf Querfugen und andere Unebenheiten in der Fahrbahn einstellt.

Zusätzlich punktet der DS mit feinen Materialien im Innenraum und zahlreichen Hand- und Augenschmeichlern. Es gibt noch echtes Leder zu fühlen und zu riechen, wo andere Hersteller längst auf Kunstleder und recycelte Plastikabfälle setzen. Außen wie innen ist der DS4 mit viel Liebe zum Detail gestaltet – nicht nur frankophile Ästheten kommen hier voll auf ihre Kosten. Vielleicht ist das ein Grund, warum unter den Neukunden von DS laut Verhelst „auffällig viele“ Menschen sind, die früher einen Mercedes-Benz bewegten: Statt auf digitales „Gedöns“ und neumodische, oft nur schwer zu bedienende und mit allerlei Funktionen überfrachtete Infotainment-Systeme mit riesigen Monitoren setzen die Produktmanager der französischen Marke auf Luxus-Attribute der klassischen Art. Wobei: Eine Möglichkeit, das Smartphone induktiv zu laden, gibt es im DS4 ebenso wie einen zehn Zoll großen Touchscreen. Und ab der Ausführung „Trocadero“ werden die wichtigsten Fahrinformationen sogar in die Windschutzscheibe projiziert – so viel Technik muss inzwischen auch in der Kompaktklasse sein.

Vollelektrisch ab 2024

Und natürlich ein elektrischer Antrieb – alles andere wird in Europa bald nicht mehr zu verkaufen sein. In zwei Jahren wird es den DS4 deshalb auch als Vollstromer geben, mit einer Hochleistungsbatterie mit einer Kapazität von 104 kWh für eine Reichweite bis zu 700 Kilometer Reichweite. „Wir warten nur noch auf eine neue Batterie“, sagt Verhelst.

Wir auch – sie wird das Auto nochmals deutlich aufwerten.

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