Roland Schüren zählt zu den Pionieren der Elektromobilität in Deutschland. Der tiefgrüne und umweltbewegte Bäcker aus Hilden bei Düsseldorf fährt nicht nur seine Backwaren mit Elektro-Transportern aus und beheizt seine Backstube unter anderem mit Solarstrom. Der 54-jährige Diplom-Betriebswirt betreibt mit „Seed & Greet“ im Nordpark von Hilden auch einen der größten Ladeparks in Deutschland. Und selbstverständlich fährt er auch selbst seit vielen Jahren Elektroautos. Vorzugsweise Modelle der Marke Tesla, deren Gründer Elon Musk er seit langem sehr bewundert.

Trotzdem wird Schüren Tesla in Kürze zumindest zu einem Teil untreu werden. Denn sein Model S wird er gegen ein Exemplar des niederländischen Solarautos Lightyear One eintauschen, wie er am Samstag bei einem Gespräch mit uns in der Classic Remise Düsseldorf verriet. In dem ehemaligen Straßenbahndepot und heutigen Oldtimer-Center präsentierte das niederländische Startup Lightyear den Prototypen des Solarautos „Lightyear One“, der im Sommer dieses Jahres mit ein paar Veränderungen in Produktion geht. Von den ersten 250 Fahrzeuge der sogenannten „Pioneer Edition“ hat sich Schüren ein Exemplar gesichert – als erster Käufer aus Deutschland und einer von 160 Menschen in den Niederlanden und dem restlichen Westeuropa, die das Elektroauto bereits bestellt haben.

Verkaufspreis stieg um 100.000 Euro

Sie alle sparten auf diese Weise eine hübsche Summe: Die Lightyear-One-Pioniere zahlten für das Solar-Elektroauto nur 150.000 Euro – wer erst jetzt bestellt, muss 100.000 Euro mehr überweisen. Immerhin handelt es sich um ein Fahrzeugproduktion, die auf 946 Exemplare beschränkt ist – also je ein Auto für die Milliarden Kilometer, die das Licht im Laufe eines Jahres zurücklegt.

Unendliche Möglichkeiten 
Der Prototyp hat noch nicht den Reifegrad des Serienmodells. Aber das Cockpitdesign ist bereits fix. Und auch die Monitore der Außenkameras werden wohl in den Seitentüren bleiben - obwohl die Positionierung hier wie im Audi e-tron nicht ideal ist.
Unendliche Möglichkeiten
Der Prototyp hat noch nicht den Reifegrad des Serienmodells. Aber das Cockpitdesign ist bereits fix. Und auch die Monitore der Außenkameras werden wohl in den Seitentüren bleiben – obwohl die Positionierung hier wie im Audi e-tron nicht ideal ist.

„Die Effizienz des Antriebs hat mich sofort erzeugt“, erklärte Schüren im Gespräch mit EDISON seinen Kauf. Auf 100 Kilometern soll der 5,03 Meter lange Stromer lediglich 8,3 Kilowattstunden Strom verbrauchen – „das ist nur halb so viel wie eine Renault Zoe und auch deutlich weniger noch als mein Tesla Model S.“ Eine aerodynamisch ausgefeilte Formgebung sowie eine Vielzahl von Solarzellen, die sich auf insgesamt fünf Quadratmetern Fläche von der Fronthaube über das Dach hin hin zum Heck erstrecken, machen es möglich. Energie für bis zu 70 Kilometern sollen allein mithilfe der Solarzelle (an sonnigen Tagen) eingefangen werden können.

60 kWh-Akku muss genügen

Entsprechend klein hat Lightyear den Lithium-Ionen-Akku im Fahrzeugboden gehalten: Er fasst lediglich 60 kWh – deutlich weniger als in dem Tesla Model S, das Schüren derzeit bewegt. Trotzdem kommt der vierrädrige Silberfisch mit einer Akkuladung bis zu 725 Kilometer weit. „Mein Traum ist es, mit der Familie von Hilden nach Sylt zu fahren, das Auto dort zwei Wochen lang stehen zu lassen – und dann ohne extern aufladen zu müssen wieder nach Hause zurückzufahren“, umschreibt Schüren seine Pläne mit dem Auto.

Auf Eins folgt Zwei
Für Lightyear-Gründer Lex Hoefsloot (im Vordergrund) ist der One nur der erste Schritt. 2025 soll ein Familienauto folgen.
Auf Eins folgt Zwei
Für Lightyear-Gründer Lex Hoefsloot (im Vordergrund) ist der One nur der erste Schritt. 2025 soll ein Familienauto folgen.

Lex Hoefsloot, der Co-Gründer und CEO von Lightyear, bewegen derzeit ganz andere Dinge. Erst einmal muss die Produktion der ersten Fahrzeuge der Pioneer-Edition am Stammsitz in Eindhoven sowie der restlichen von insgesamt 946 Fahrzeugen des Modells bei Valmet in Finnland in Gang gebracht werden. Auch ist noch etwas Arbeit am Fahrzeug selbst zu leisten. So wird die Serienversion noch richtige Türgriffe erhalten – die Knöpfe, die beim Prototypen noch als Türöffner dienen, sind bei den Wintertests gerne eingefroren. Und auch die vier Radnabenmotoren – wie die Solarzellen eine Eigenentwicklung – brauchen noch etwas Feintuning, wie Hoefsloot einräumt.

Solarzellen liefern Strom für 7000 Kilometer im Jahr

Aber bei der maximalen Ladeleistung am Wechselstromlader von 50 kW und dem relativ kleinen Akku wird es ebenso bleiben wie bei den beiden Kameras, die ähnlich wie beim Audi e-tron als Außenspiegel dienen. „Effizienz hat für uns den höchsten Stellenwert“, erklärte dazu der Unternehmensgründer. Eine höhere Speicherkapazität würde ebenso wie die Technik für höhere Ladeleistungen nur das Fahrzeuggewicht treiben. Und die Sonnenenergie, die der Lightyear One mithilfe der Solarzellen im Laufe eines Tages einfange, decke den durchschnittlichen Bedarf der meisten Berufspendler vollkommen.

Strom für über 7000 Kilometer komme selbst in den Niederladen im Laufe eines Jahres zusammen. Vorausgesetzt natürlich, das Auto verschwindet untertags nicht in einer Tiefgarage, sondern parke im Freien. Hoefsloot: „Eine größere Batterie macht da keinen Sinn.“

Mit der Kraft der Sonne
Der Lightyear One will jedes Jahr allein bis zu 7000 Kilometer allein mit Solarstrom zurücklegen. Wer das Auto im Frauen parkt, kann auf eine Wallbox fast schon verzichten - und kommt mit der nur 60 kWh großen Batterie auch im Alltagsverkehr zurecht.
Mit der Kraft der Sonne
Der Lightyear One will jedes Jahr allein bis zu 7000 Kilometer allein mit Solarstrom zurücklegen. Wer das Auto im Frauen parkt, kann auf eine Wallbox fast schon verzichten – und kommt mit der nur 60 kWh großen Batterie auch im Alltagsverkehr zurecht.

Und das Team von Lightyear arbeitet emsig daran, das Antriebssystem noch weiter zu verfeinern. Denn beim Lightyear One soll es nicht bleiben: Für Ende 2024/Anfang 2025 ist der Produktionsstart für ein kompaktes, fünfsitziges Solarauto für Jedermann geplant – eine Art Model Y, nur nach niederländischem Rezept. Angepeilter Verkaufspreis: 30.000 Euro. Ob es wieder eine Limousine wird oder ein SUV, soll in den nächsten Wochen entschieden werden. „Die Aerodynamik ist hier eine größere Herausforderung als bei einem Auto von über fünf Metern Länge.“ Zudem habe ein Kompaktwagen weniger Fläche, auf denen Solarzellen günstig platziert werden können. „Da haben wir noch einiges zu tun.“

Hoefsloot kann sich durchaus vorstellen, an den Entwicklungsarbeiten auch neue Partner zu beteiligen, Technologieunternehmen oder auch andere Automobilhersteller. „Die gemeinsame Nutzung von Komponenten oder Plattformen könnte interessante Skaleneffekte bringen.“

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