Der Knoten scheint geplatzt zu sein: Eine Analyse des europäischen Interessenverbands Transport & Environment (T&E) zeigt, dass der durchschnittliche Preis für Elektroautos in der EU im Jahr 2025 erstmals seit fünf Jahren wieder gesunken ist. Käufer zahlen im Schnitt 42.700 Euro und damit 1.800 Euro (oder rund 4 Prozent) weniger als noch im Vorjahr.
Verantwortlich für diesen erfreulichen Preisrutsch sind vor allem neue, bezahlbare Kleinwagen im sogenannten B-Segment. Modelle wie der vollelektrische Renault 5 (ab 28.000 Euro) oder der Citroen E-C3 (ab 20.140 Euro) drückten die Durchschnittskosten in dieser stark nachgefragten Fahrzeugklasse um satte 13 Prozent. In den größeren und teureren Segmenten (D und E) wurde die Preisparität zu vergleichbaren Verbrennern sogar schon im Jahr 2024 erreicht.
Die treibende Kraft: Strenge EU-Ziele wirken
Dieser Trend kommt nicht von ungefähr. T&E führt den Preisrückgang direkt auf die verschärften CO2-Flottengrenzwerte der Europäischen Union zurück. Noch zwischen 2020 und 2024 hatten die Autobauer, trotz weltweit fallender Batteriepreise, vor allem auf margenstarke, große Elektro-SUVs gesetzt, was die Durchschnittspreise auf dem Markt um rund 5.000 Euro in die Höhe trieb.

Um die aktuellen CO2-Flottenziele der EU zu erreichen, müssen sich Mercedes und der Volkswagen-Konzern in diesem Jahr mächtig anstrengen – durch neue Kleinwagen oder den Kauf von Emissionsrechten von Volvo/Polestar. BMW ist bereits im „grünen“ Bereich.
Die neuen, strengeren CO2-Ziele für die Jahre 2025 bis 2027 zwingen die Hersteller nun zum Umdenken: Um Strafzahlungen zu vermeiden, müssen massentaugliche und erschwinglichere E-Autos auf den Markt gebracht werden. Die Strategie geht auf: Autokonzerne, die zusammen die Hälfte des Marktes repräsentieren, haben ihre Vorgaben bereits im ersten Halbjahr 2025 erfüllt. Lediglich Volkswagen und Renault hinken aktuell als Einzelkonzerne noch etwas hinterher, dürften die Ziele laut den Prognosen aber bis Ende 2027 ebenfalls fristgerecht erreichen.
Fünf Forderungen an die Politik
Damit Europa im globalen E-Auto-Rennen nicht den Anschluss verliert und die Fahrzeuge für die breite Masse erschwinglich werden, fordert T&E im Rahmen der anstehenden Überprüfung der CO2-Grenzwerte („Car CO2 review“) einen klaren Kurs von der Politik. Die zentralen Empfehlungen der Experten:
- Ehrliche Verbrauchsangaben: Das Auto-Labeling muss künftig echte Alltagsverbräuche (Real-World Information) statt nur Laborwerte (WLTP) ausweisen und den gesamten CO2-Fußabdruck des Fahrzeugs transparent machen.Für die volumenstarken kleineren Segmente (A bis C) erwartet T&E den endgültigen preislichen Gleichstand mit Verbrenner-Fahrzeugen bis zum Jahr 2030. Doch dieses Szenario wackelt, falls die Politik dem Druck der Autoindustrie nachgibt und die EU ihre CO2-Vorgaben für 2030 abschwächt, warnen die Umwelt-Lobbyisten.
- Keine Rechentricks bei den Fristen: Der dreijährige Durchschnittszeitraum für die Flottenziele 2030 soll gestrichen werden, um den Druck aufrechtzuerhalten.
- Fokus auf echte Kleinwagen: Sogenannte „Super-Credits“ (Mehrfachanrechnungen von E-Autos auf die Flottenziele) sollen streng limitiert und nur noch für kompakte Fahrzeuge unter 4,1 Metern Länge gewährt werden.
- Klares Bekenntnis zur Elektromobilität: Ab 2035 sollen Schlupflöcher für Biokraftstoffe geschlossen und keine entsprechenden „Fuel Credits“ mehr vergeben werden.
- Nachhaltigkeit in der Produktion: Gutschriften für die Nutzung von emissionsarmem Stahl sollen ausschließlich für „Made-in-EU“-Stahl gelten, der ohne fossile Brennstoffe hergestellt wurde.
Bleiben die Rahmenbedingungen streng, erwartet T&E für die volumenstarken kleineren Segmente (A bis C) den endgültigen preislichen Gleichstand mit Verbrenner-Fahrzeugen bis zum Jahr 2030. Doch dieses Szenario wackelt enorm. Würde beispielsweise die von Teilen der Industrie geforderte fünfjährige Mittelung der Emissionsziele eingeführt, könnte der E-Auto-Marktanteil im Jahr 2030 von anvisierten 47 Prozent auf nur noch 32 Prozent abstürzen. Zudem würden die Hersteller in einem solchen Fall voraussichtlich wieder ihre Margen über die Verkaufszahlen stellen: Ein durchschnittliches E-Auto wäre laut der Studie im Jahr 2030 dann um 2.300 Euro teurer, als es unter Beibehaltung der aktuellen Klima-Ziele der Fall wäre.
„E-Autos bald billiger als Verbrenner“
Sebastian Bock, Deutschlandchef von T&E, warnt eindringlich davor, die vom EU-Parlament beschlossenen Standards aufzuweichen. Eine Absenkung würde die europäische Industrie „nicht nachhaltig schützen“, sondern lediglich den anstehenden Preisrutsch verzögern und nur kurzfristig die Margen und Dividenden der Konzerne absichern. Die internationale Konkurrenz schläft derweil nicht: Chinesische Hersteller drängen massiv nach Europa und liegen bei den Neuzulassungen von Plug-in-Hybriden inzwischen sogar vor den traditionsreichen deutschen Premiummarken.
Bocks Fazit zur aktuellen Marktlage fällt daher unmissverständlich aus: „Dank der CO2-Ziele gibt es in Europa nun endlich günstigere Elektroautos. Wenn wir jetzt Kurs halten und die Ziele für 2030 nicht verwässern, sind neue E-Autos bald billiger als Verbrenner.“