Der Volkswagen-Konzern setzt voll auf die Elektromobilität. Das bekommen die einzelnen Marken auf ganz eigene Arten zu spüren. Besonders hart trifft es Seat. Denn der spanische Traditionshersteller, seit 1982 ein Teil des Konzerns, wurde längst vom einst sportlichen Cupra-Ableger überholt. Bleibt die Frage, ob es Seat langfristig überhaupt noch geben wird – oder mittelfristig allein Cupra den spanischen Eroberer mimen soll.

Am besten kann man es noch beim ersten Elektromodell sehen: Der kompakte Born war ursprünglich als Seat-Modell geplant. Doch wenn der deutlich schickere Zwilling des VW ID.3 über die Fahrbahn rollt, dann ziert heute das Cupra-Signet Kühlergrill und andere Designelemente. Cupra kannten einst nur eingefleischte Autofans, denn jene Fahrzeuge waren nicht weniger als Sportversionen der sonst so zahmen Nordspanier. Dagegen machten Kurvenjäger wie Seat Leon Cupra oder Seat Ibiza Cupra im Alltag gute Laune und hatten dafür jede Menge Dampf.

Cupra-Range
Drei unter Strom
Mit dem Elektro-Kleinwagen „Urban Rebel“, dem Plug-in Hybrid Terramar und dem Vollstromer Tavascan (v.r.n.l.) bringt die einstige Submarke von Seat in den kommenden drei Jahren die spannendsten Modellneuheiten aus Spanien auf den Markt. Fotos: Seat

Mittlerweile ist das nordspanische GTI-Pendant mit Wohlwollen der Wolfsburger Konzernleitung zur eigenständigen Elektromarke aufgestiegen. Wenn ein Seat einen Stecker verliehen bekommt, gibt es gleich noch das neue Logo, das an die Nike-Sportkollektion von Tennisstar Rafael Nadal erinnert. Doch der spanische Seriensieger ist seit Jahren nicht bei Seat, sondern bei dem koreanischen Wettbewerber Kia unter Vertrag.

Cupra bringt höhere Renditen als Seat

Doch daran liegt es sicher nicht, dass Seat im Volkswagen Konzern schon längere Zeit im steifen Wind steht. Gerne hätte die Konzernführung unter Herbert Diess Seat bereits vor Jahren veräußert. Doch da schmackhafte Angebote aus dem Ausland fehlten und insbesondere aus China keine lohnenswerten Anfragen kamen, musste man sich mit unbefriedigenden Zahlen herumschlagen. Seitdem unter dem ehemaligen Seat-CEO und heutigen Renault-Chef Luca de Meo die Kunstmarke Cupra erschaffen wurde, geht es für den spanischen Traditionshersteller, der offiziell unter Seat S.A. firmiert, um nicht weniger als das nackte Überleben.

„Die nachhaltige Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens hängt sehr eng mit dem Wachstum von Cupra zusammen“, macht Wayne Griffiths, Vorstandsvorsitzender der SEAT S.A. und CEO von Cupra aus seiner Präferenz keinen Hehl, „wir sehen unsere neue Marke als Hebel zur Steigerung der Profitabilität, und wir müssen dabei alle unsere Fähigkeiten einsetzen, damit sie weiterwächst.“

Die Zwei von der Ladestation
Der vollelektrische Born sollte ursprünglich als Seat auf den Markt kommen, wurde dann aber von Cupra adoptiert - und kämpft nach Start- nun auch mit Lieferproblemen: Wer heute bestellt, kann Stand heute erst in einem Jahr losfahren.
Die Zwei von der Ladestation
Der vollelektrische Born sollte ursprünglich als Seat auf den Markt kommen, wurde dann aber von Cupra adoptiert – und kämpft nach Start- nun auch mit Lieferproblemen: Wer heute bestellt, kann Stand heute erst in einem Jahr losfahren.

Das abgelaufene Jahr 2021 lief dabei im Vergleich zu vielen Wettbewerbern schwierig. Seat S.A. verkaufte beeinflusst von anhaltender Pandemie und Halbleiterkrise weltweit 470.500 Fahrzeuge – immerhin ein Anstieg von 10,3 Prozent gegenüber 2020. Zudem vervierfachten sich im vergangenen Jahr sich die Verkaufszahlen von Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen von 14.700 auf 60.600 Autos. Cupra konnte seine Verkäufe sogar verdreifachen und erreichte insbesondere dank des Formentor ein Volumen von 79.300 Fahrzeugen. Mehr als 40 Prozent der Cupra-Verkäufe waren elektrifizierte Fahrzeuge, allerdings kaum Elektromodelle, weil sich der Start des einstigen Seat El Born mehrfach verzögerte.

„Terramar“ nur als Teilzeitstromer

Der Halbleitermangel führte zu einem massiven Volumenrückgang in der Produktion und wirkte sich sowohl negativ auf den Absatz als auch auf das Betriebsergebnis aus und so gab es nach einem Minus von 418 Millionen Euro in 2020 ein erneutes Minus von 371 Millionen Euro. „2021 war nicht das Jahr, das wir uns erhofft hatten“, blickt Griffiths zurück, „nachdem wir hartnäckig gegen die Auswirkungen der Covid-19-Krise angekämpft hatten, wurde unsere Arbeit durch den Halbleitermangel stark beeinträchtigt. Die Nachfrage nach Seat- und Cupra-Produkten ist auf das Vor-Pandemie-Niveau zurückgekehrt, deshalb führt die Knappheit an Halbleitern bei unseren Kunden aufgrund der langen Lieferzeiten zu Frustration.“

Konzeptauto Cupra Tavascan 
Der Elektro-Crossover auf Basis des Modularen Elektro-Baukastens geht 2024 an den Start. Mit einer Systemleistung von 225 kW.
Konzeptauto Cupra Tavascan
Der Elektro-Crossover auf Basis des Modularen Elektro-Baukastens geht 2024 an den Start. Mit einer Systemleistung von 225 kW.

Und es dauert noch, bis 2024 mit dem Terramar ein neues Cupra-Modell auf den Markt kommen wird: ein elektrifizierter 4,50-Meter-SUV mit Mild- und Plug-in-Hybridantrieb, der im ungarischen Györ produziert werden soll. Mit einer elektrischen Reichweite von 100 Kilometern soll er Lust machen auf Plug-in-Hybridfahrzeuge – wenn es bis dahin aufgrund gestrichener Subventionen nicht zu spät ist. Der Crossover ist eines von vier neuen Modellen, die das Cupra-Portfolio volumen- und ertragsstark ausbauen sollen. Spannend dürfte Ende 2024 auch der Tavascan als dynamischer Zwilling des VW ID.4 / ID.5 werden.

„Urban Rebel“ für die City

Ein elektrisches Citymodel mit der Bezeichnung Urban Rebel soll 2025 folgen – wiederum als 4,03 Meter langer Cupra und auf der neuen Elektroplattform mit Vorderradantrieb. Die Sportversion leistet 166 kW (226 PS) und dürfte erst bei 180 km/h abgeregelt werden. Die elektrische Reichweite liegt je nach Batteriepaket zwischen 320 und 440 Kilometern.

Citystromer mit Frontantrieb 
2025 soll in Martorell die Produktion des vollelektrischen Kompakt-SUV starten - des sportlichen Schwestermodells des VW ID.2
Citystromer mit Frontantrieb
2025 soll in Martorell die Produktion des vollelektrischen Kompakt-SUV starten – des sportlichen Schwestermodells des VW ID.2

In diesem Jahr will Cupra sowohl seinen Absatz, sein Vertriebsnetz als auch seinen Umsatz auf fünf Milliarden Euro verdoppeln. Doch anders als Seat, die seit Jahren die meisten ihrer Fahrzeuge in Deutschland, Spanien und dem ehemalige Euro-Staat Großbritannien vertreiben, hat der Cupra-Ableger größeres im Sinn – unter anderem eine Expansion nach Australien.

Modellneuheiten nur mit Cupra-Logo

„Australien ist ein junger Markt zu dem eine junge Marke wie Cupra hervorragend passt. Die Kunden in Australien sind auf der Suche nach neuen Marken und das verfügbare Einkommen der Mittelschicht ist relativ hoch. Wir sind überzeugt, dass Cupra hier erfolgreich sein kann“, gibt sich Griffiths hoffnungsvoll. Vor Jahren war ein kurzfristiger Marktstart in China von Seat trotz hoffnungsvoller Prognosen zu einem Rohrkrepierer geworden. Seither konzentrieren sich die Spanier auf Europa – inklusiv England. Im Stammwerk Martorell wird neben Modellen von Seat und Cupra aktuell auch der Audi A1 gefertigt – der keinen Nachfolger bekommen wird. Doch der Halbleitermangel drückte auch hier mächtig auf die Zahlen und so war die Produktion 2021 nur zu rund 70 Prozent ausgelastet.

Grün ist die Hoffnung 
Blick in den Innenraum des Konzeptautos "Urban Rebel". Jede Menge Kupfer-Elemente sollen für Cupra-Feeling sorgen.
Grün ist die Hoffnung
Blick in den Innenraum des Konzeptautos „Urban Rebel“. Jede Menge Kupfer-Elemente sollen für Cupra-Feeling sorgen.

Neue Modelle, die große Volumen und entsprechende Erträge versprechen, sucht man erst einmal vergebens – alle wichtigen Neustarts tragen das Cupra-Signet. Noch wichtiger: Nicht nur Wayne Griffith, sondern auch der spaniengeneigte Konzern-CEO Herbert Diess gibt Cupra ohne alle Umschweife den Vorzug. In Mexiko ist man bereits unterwegs, Australien soll folgen und auch für Regionen in Asien oder Süd- und Nordamerika kann man sich eine junge, freche Marke mit viel Energie und einem Stromstrecker zum Ende des Jahrzehnts bestens vorstellen.

Neue Batteriezellfabrik in Valencia

Neben neuen Fahrzeugen soll es bei der spanischen VW-Konzernmarke jedoch auch um elektrische Mobilität der Zukunft gehen. Geplant ist nahe Valencia eine Batteriezellenfabrik, die ihresgleichen sucht. „Dieses Projekt ist von größter Bedeutung – für Volkswagen, für Spanien und für ganz Europa. Es ist unser Ziel, Spanien zu elektrifizieren, und wir sind bereit, zusammen mit externen Zulieferern mehr als sieben Milliarden Euro in die Elektrifizierung unserer Werke in Martorell und Pamplona und in die Ansiedlung der Wertschöpfungskette der Elektrobatterieproduktion in Valencia zu investieren“, erklärte Thomas Schmall, Konzernvorstand Technik sowie Vorsitzender des Aufsichtsrats der Seat S.A..

Hier strebt der Volkswagen Konzern eine Produktionskapazität von 40 GWh pro Jahr an und will mehr als 3.000 Menschen in Valencia beschäftigen. 2026 soll es losgehen. „In Valencia werden wir nichts weniger als eine Zellproduktion der nächsten Generation aufbauen: eine standardisierte Fabrik, in der die hochmoderne Volkswagen Einheitszelle vom Band laufen soll“, legt Schmall nach. Gleichzeitig soll die Fabrik mit erneuerbarer Energie versorgt werden, um eine nachhaltige Batterieproduktion zu ermöglichen. Mit einem Finanzvolumen von sieben Milliarden Euro ist das die größte Industrie-Einzelinvestition in der Geschichte Spaniens.

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