Die Zeiten, in denen der Ladestrom in müder Geschwindigkeit, Elektron für Elektron, ins Batteriepaket zuckelte, sind bald vorbei. Nachdem immer mehr Elektroautos mit mehr als 300 Kilowatt nachladen können, wollen die Hypercharger nicht zurückstehen und liefern mitunter Ladeleistungen von 400 kW und mehr. Da muss auch die Infrastruktur mitspielen. Daher werden europaweit in immer mehr Ladeparks Schnelllader der neusten Generation aufgebaut.

Der Alpitronic HYC 400 zum Beispiel wird aktuell bei den großen Netzbetreibern wie EnBW, Ionity, Fasnet oder Aral Pulse in Dienst gestellt. Wie die Bezeichnung verrät, können Elektroautos – vorausgesetzt, die rechte Elektronik nebst 800- oder 900-Volt-Netz ist an Bord – mit bis zu 400 Kilowatt nachladen. So können Elektroautos in fünf Minuten für mehr als 200 Kilometer erstarken. BMW iX3, Mercedes GLC EQ, Hyundai Ioniq 9, Porsche Cayenne Electric, Lucid Gravity, Xpeng P7 oder Audi A6 e-tron erstarken an einer entsprechenden Säule in Windeseile. Wer auf Reichweitenjagd geht, kann mit 270 bis 400 Kilowatt sein Batteriepaket befüllen.

Laden mit bis zu 600 kW 
Ionity ist der erste Ladedienstleister in Europa, der die neue Schnellladesäule HYC 1000 von Alpitronic einsetzen wird. Fotos: Ionity
Laden mit bis zu 600 kW
Ionity ist der erste Ladedienstleister in Europa, der die neue Schnellladesäule HYC 1000 von Alpitronic einsetzen wird. Fotos: Ionity

Bisher werden in den meisten europäischen Ladeparks Schnelllader vom in Bozen beheimateten Hersteller Alpitronic mit Geschwindigkeiten zwischen 150 und 300 Kilowatt aufgebaut. Doch die neuen Elektromodelle machen Druck auf die Hersteller der Ladesäulen. Elektroautos von Xpeng beispielsweise können mit mehr als 500 kW nachladen und auch der neue BMW iX3 schafft mit leerem Batteriepaket ein Maximaltempo von 400 kW.

Alpitonic HYC 400 mit hohem Wirkungsgrad

Der Alpitronic HYC 400 soll einen Wirkungsgrad von 97 Prozent bieten; insbesondere, weil die Wärmeverluste deutlich geringer sind als bei herkömmlichen Ladesäulen zwischen 150 und 350 kW. Die meisten der Anlagen werden mit Ökostrom betrieben und verfügen über Photovoltaik-Module auf dem Dach der Ladeparks. In Chemnitz und am Kamener Kreuz an den Autobahnen A1 / A2 befinden sich zwei der größten Ladeparks in Deutschland – betrieben von EnBW mit bis zu 400 Kilowatt.

Laden mit bis zu 600 kW 
Der Nio ET9 aus China ist das erste Serienauto, das seinen 100 kWh großen Akku am Schnelllader mit bis zu 600 kW befüllen - oder in wenigen Minuten gegen einen zu 100 Prozent gefüllten austauschen kann. Foto: Jürgen Zöllter
Laden mit bis zu 600 kW
Der Nio ET9 aus China ist das erste Serienauto, das seinen 100 kWh großen Akku am Schnelllader mit bis zu 600 kW befüllen – oder in wenigen Minuten gegen einen zu 100 Prozent gefüllten austauschen kann. Foto: Jürgen Zöllter

Ionity sind diese 400 Kilowatt jedoch nicht genug. Nicht allein mit Blick auf Lastwagen, die noch mehr Energieflüsse vertragen, plant der Netzanbieter zeitnah Hypercharger installieren, die Ladegeschwindigkeiten von bis zu 600 Kilowatt realisieren können. Diese will Nio mit seinem neuen Luxusmodell ET9 anbieten, der mit maximal 600 kW nachtanken kann. Im (geheimen) Testzentrum von Ionity in Unterschleißheim bei München sind die neuen Hypercharger bereits installiert und werden aktuell mit verschiedenen Elektroautos unterschiedlicher Hersteller aktuell Belastungstests unterzogen.

Erste 600 kW-Charger bei Ionity im Testbetrieb

„Grundsätzlich ist es schon mal positiv zu sehen, wie sich das Laden weiterentwickelt“, sagt Fastned-Deutschland-CEO Linda Boll. „600-kW-Ladesäulen gibt es bislang in Deutschland mit dem CCS-Anschluss noch nicht. Das geht dann schon in den Hochspannungsbereich, also das Megawatt-Laden wie bei den Lkws. Der Anschluss dieser Stationen ist mittlerweile standardisiert. Also wird es auch da eine Lade-Infrastruktur geben. Der Markt entwickelt sich.“

"Der Markt entwickelt sich" 
An den markenten Schnellladeparks des niederländischen Anbieters Fastned wird der Strom derzeit mit bis zu 400 kW angeboten.
„Der Markt entwickelt sich“
An den markenten Schnellladeparks des niederländischen Anbieters Fastned wird der Strom derzeit mit bis zu 400 kW angeboten.

Die Ladesäule der nahen Zukunft wird ebenfalls vom norditalienischen Anbieter Alpitronic, 2009 gegründet gefertigt und trägt den Namen HYC 1000. Die Megawatt-Ladesysteme verteilen ihren Strom über ein zentrales Power Cabinet auf bis zu vier Säulen mit je zwei Ladepunkten. Dies ermöglicht das gleichzeitige Laden von bis zu acht Elektrofahrzeugen mit dynamischer Leistungsverteilung auf die einzelnen Ladepunkte – oder das Laden eines einzelnen Fahrzeugs mit bis zu 600 kW. Entsprechend ausgerüstete Elektrofahrzeuge können so in weniger als acht Minuten eine Reichweite von bis zu 300 Kilometer aufladen.

Philipp Senoner, CEO von Alpitronic: „Unsere HYC-1000-Ladesysteme kombinieren Leistung auf Megawatt-Niveau mit intelligenter Energieverteilung. Damit läuten wir eine neue Ära des skalierbaren und ultraschnellen Ladens ein. Wir sind stolz darauf, Autofahrern in ganz Europa gemeinsam mit Ionity eine noch bessere Ladeleistung bieten zu können.“

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