In immer mehr amerikanischen Großstädten sind Anbieter wie Waymo oder Tesla mit autonomen Taxis unterwegs. Im nächsten Jahr will Tesla seine fahrerlosen Dienste ausweiten und Waymo, betrieben von Alphabet und Google, stellt in Städten wie San Franciso, Phoenix, Austin oder Los Angeles seine Fahrzeuge von den betagten Jaguar i-Pace auf neue Hyundai Ioniq 5 um. Während es sich bei dem Elektroauto von Hyundai um ein umgebautes Serienfahrzeug handelt, setzt Amazon mit seinem neuen Ride Share-Dienst Zoox auf einen abgerundeten Ziegelstein im modernen Techlook. Im Praxistest zeigt der autonome People Mover ohne Sicherheitsfahrer deutliche Vorteile gegenüber anderen Diensten.

Zoox – 2014 vom australische Designer und Unternehmer Tim Kentley-Klay und dem US-amerikanischen Software-Ingenieur Jesse Levinson gegründet und 2020 von Amazon für angeblich 1,3 Milliarden US-Dollar übernommen – hat jenes fahrerlose Taxi an den Start gebracht, das bei Unternehmen wie ZF oder Holon kaum über Konzeptstudien oder einen Prototypen hinausgekommen ist.

Rollender Ziegelstein 
Trotz einer Länge von 3,43 Metern bietet dasZoox-Shuttle den vier Passagieren viel Platz. Der 133 kWh große Akku im Boden ermöglicht eine Laufzeit von bis zu 16 Stunden. Die Antriebsleistung hält Zoox geheim, aber das Robotaxi soll bis zu 120 km/h schnell sein.
Rollender Ziegelstein
Trotz einer Länge von 3,43 Metern bietet dasZoox-Shuttle den vier Passagieren viel Platz. Der 133 kWh große Akku im Boden ermöglicht eine Laufzeit von bis zu 16 Stunden. Die Antriebsleistung hält Zoox geheim, aber das Robotaxi soll bis zu 120 km/h schnell sein.

Und im Unterschied zu den Fahrzeugen anderer Anbieter sind die People Mover gar nicht erst nicht mit einem Führerstand, Lenkrad oder einer Pedalerie ausgestattet. Rein elektrisch und wie von Geisterhand rollen sie inzwischen in Las Vegas über den Strip Strip. Noch im Testbetrieb und daher kostenlos. Doch in den kommenden Monaten soll der Betrieb offiziell aufgenommen und auch auf andere Städte ausgerollt werden.

Rollende Hightech-Kisten

Wer in den Abendstunden noch ein paar Schritte entlang der Touristenmeile Las Vegas Strip macht, dem fallen im fließenden Verkehr eine Reihe von autonomen Fahrzeugen ins Auge. Der Anbieter Vay bietet seit längerem führerlose Mietwagen an, die man per App minutenweise mieten kann. Ein fast normales Taxi ohne Fahrer in Echtzeit bestellt – in Form eines elektrischen Kia Niro. Start- und Zielpunkt der Fahrt legt allein der Nutzer fest. Eine kurze Fahrt von 10 Minuten kostet einige Dollar und selbst bei längeren Fahrten, sind die Modelle zumeist günstiger die Fahrdienste von Uber oder Lyft – und weitaus preiswerter als normale Taxis.

Bei Großveranstaltungen wie der Consumer Electronic Show CES jeweils im Januar rollen deutlich mehr führerlose Shuttles durch Las Vegas. Unabhängig von Veranstaltungen will in der Millionenmetropole zukünftig auch Waymo seinen Fahrdienst anbieten, der bereits seit längerem in San Francisco, Los Angeles, Phoenix, Austin und Atlanta angeboten wird. Viele weitere Städte sollen zeitnah starten.

So sieht Zukunft aus
Die vier Passagiere sitzen sich im geräumigen Innenraum paarweise gegenüber – wie früher in Postkutschen. Da Front und Heck identisch sind, kann das Elektrofahrzeug ohne Wendemanöver in beide Richtungen fahren.

Darauf können sich auch die Besucher von San Francisco, Miami, Austin, Dallas oder eben Las Vegas bei Zoox freuen, denn die Fahrt in einem der rollenden Hightech-Kisten ist allemal ein Erlebnis. Per App oder an einem der Counter wie an der Resort World geordert, dauert es aktuell zumeist 10 bis 20 Minuten, ehe der People Mover geräuschlos anrollt und seine Doppeltüren öffnet. Im Innern der modernen Kabine bietet das Zoox-Mobil vier gegenüber positionierte Sitzplätze mit USB-Ports, induktiven Ladeschalen und Touchdisplays. Über diese können nicht allein die Türen bedient, sondern auch die Klimatisierung eingestellt sowie Lautstärke und Titelwahl der Musik eingestellt werden. Wer allein oder zu zweit unterwegs ist, kann selbst große Koffer problemlos im Inneren des Elektromobils unterbringen. Die niedrige Einstiegskante hilft.

Zoox fährt sicher und rücksichtsvoll

Nach einem kurzen Hinweis fährt das Zoox-Taxi am Hotel Resort World flott an und biegt kurz darauf sicher auf den Las Vegas Strip. Trotz einer Außentemperatur von 43 Grad Celsius im Schatten ist es im Innern angenehm kühl und die Musik leise genug, um sich auf der 30-Minuten-Fahrt entspannen zu können, während das Smartphone induktiv auflädt. Auf den in den Seitentafeln platzierten Displays wird nicht allein die Geschwindigkeit angezeigt, sondern – etwas überflüssig – auch der nächste Abbiegevorgang. Hotels wie MGM Grand, Aria, Paris oder das Bellagio ziehen an uns nur so vorbei, während das Elektromobil immer wieder an Ampeln bremsen und wieder anfahren muss.

Hell und smart
Die helle Farbgebung im Innenraum soll „visuelle Ablenkungen“ reduzieren und es den Fahrgästen erleichtern, vergessene Gegenstände wie Smartphone oder Schlüssel zu entdecken. Displays an den Seitenwänden informieren über die Entfernung zum Ziel.
Hell und smart
Die helle Farbgebung im Innenraum soll „visuelle Ablenkungen“ reduzieren und es den Fahrgästen erleichtern, vergessene Gegenstände wie Smartphone oder Schlüssel zu entdecken. Displays an den Seitenwänden informieren über die Entfernung zum Ziel.

All das macht der Zoox jedoch flott und ohne jedes Zögern – kein Unterschied zu einem menschlichen Fahrer, wobei er an großen Kreuzungen und dank aktiver Dämpfung vor den allgegenwärtigen Temposchwellen an den Fußgängerüberwegen eher kommoder fährt, als man dies von vielen echten Fahrer kennt. Damit die Fahrt sicher und ohne Zwischenfälle abläuft, ist das Fahrzeug mit zahlreichen Kameras und Sensoren gespickt. Anfahren, Abbremsen, Abbiegen und Ausweichen vor plötzlich hereinziehenden Autos – all das erledigt der Zoox überaus souverän.

„Future of Ride Hailing“

Einen nennenswerten Unterschied zu den Angeboten von Waymo oder Way macht dabei das Fahrzeug aus. Denn bei Zoox hat der Passagier das Gefühl, wirklich in der Mobilität der Zukunft angekommen zu sein. Der Slogan der Amazon-Tochter „Meet the future of ride hailing“ wird hier voll und ganz erfüllt. Die Digitalanzeige auf dem Display zählt mit jeder gefahrenen Meile herunter und kündigt schließlich das Erreichen des Ziels an. Die beiden Türen öffnen automatisch und mit zwei Schritten geht es hinaus auf den Bürgersteig. Die nächsten Fahrgäste warten hier bereits und steigen ein. Kurz darauf setzt der People Mover seine Blinker – und verschwindet im Verkehrsgewühl der Zockerstadt.

(Mit Ergänzungen von Franz Rother)

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