Sieht so tatsächlich die automobile Zukunft aus? Statt daheim verbringen wir künftig immer mehr Zeit im Fahrzeug, das sich selbständig einen Weg durch die Staus in der Megacity sucht. Die Insassen fläzen sich derweil in Liegesesseln, schauen auf dem Bildschirmen allerlei Filmchen oder gehen im rollenden Büro ihrer Arbeit nach. Diese Vision hatten jedenfalls die Designer von Audi vor Augen, als sie für die Automesse in Peking das Konzeptauto Urbansphere entwickelten: Ein vollelektrischer, viersitziger und allradgetriebener Luxus-Van mit den Abmessungen eines Kleinbusses und der Antriebskraft eines Sportwagen, ausgestattet mit allerlei elektronischen Raffinessen und einem mehr als opulenten Mobiliar. Die chinesischen Messebesucher wären sicher hellauf begeistert gewesen – hätte die „Auto China“ wegen einer neuen Corona-Welle nicht abgesagt werden müssen.

Elektro-Van von 5,51 Meter Länge

Das Konzeptauto lässt jedenfalls keine Wünsche offen. Der Besitzer hat die Wahl kann den Van entweder selbst durchs Großstadtgewühl steuern oder die hoch automatisierte Elektronik übernimmt das Steuer – so oder so lässt sich die Zeit im Stau effizienter denn je nutzen. Optisch zeigt das Urbansphere Concept speziell an Front und Heck mit Singleframe-Elementen und LED-Einheiten deutliche Gemeinsamkeiten zu den anderen beiden jüngsten Audi-Studien des Zukunfts-Triumvirats, Skysphere und Grandsphere.

Traumlandschaft
Die beiden Fernsehsessel im Fond versprechen höchsten Reisekomfort. Die Kopfstützen schützen gleichzeitig vor Blickkontakten.

Um die Aufenthaltsqualität so angenehm wie möglich zu machen, haben die Audi-Designer statt einer Luxuslimousine mit langem Radstand einen Luxusvan mit einer stattlichen Länge von 5,51 Metern und einer Höhe von 1,78 Metern entworfen. Zum Vergleich: Der aktuelle Audi A8, die Luxuslimousine der Jetztzeit, kommt auf eine Länge von 5,20 Metern und ist nur 1,47 Meter hoch. Im Innern bietet der elektrisch angetriebene Urbansphere dank seiner Breite von 2,01 Metern (Audi A8: 1,94 Meter) eine mobile Wohlfühllounge, in der es sich gut aushalten lässt, wenn es aufgrund von Großstaus in Shanghai, Mumbai oder New York wieder einmal etwas länger dauern sollte, um ans Ziel zu gelangen.

Türen öffnen sich gegenläufig

Hierzu bietet der Luxus-Audi mit seinem gigantischen Radstand von 3,40 Metern üppige Platzverhältnisse für vier Insassen, die jeweils in elektrischen Luxussesseln Platz nehmen können. In den Reisemodi für Entspannung oder Unterhaltung lassen sich die Rückenlehnen um bis zu 60 Grad nach hinten neigen. Für das leichte Ein- und Aussteigen drehen sich die Fondsitze beim Öffnen der gegenläufigen Türen um bis zu 25 Grad nach außen.

Ein Schiff wird kommen
Mit einer Länge von 5,51 Meter und einer Höhe von 1,78 Metern ist der Audi Urbansphere ein echtes Dickschiff im Stadtverkehr.

Die Audi-Studie geht nach den sich elektrisch öffnenden Türen auf seine Insassen ein und erkennt durch Gesichtsscan sowie Stimmenanalyse den aktuellen Stressfaktor. Wenn gewünscht, gibt es für den Reisenden anschließend ein Wohlfühlprogramm mit Meditationselementen, um den Stress durch Bildschirmprojektionen und Musik möglichst schnell wieder abbauen zu können. Optisch beeinflusst von einem Eames Lounge Chair wird der Kopf dabei von einer breiten, gewölbten Kopfstütze umgeben, die sich so einstellen lässt, dass etwaige Sitznachbarn zumindest optisch nicht stören können.

120 kWh-Akku für 750 Kilometer Reichweite

Die einzelnen Funktionen werden über Sprache, Geste oder Touchflächen in den Armauflagen bedient. Für die gemeinsame Nutzung des Infotainments schwenkt ein großformatiger OLED-Bildschirm aus dem Dach vertikal in den Bereich zwischen den beiden Sitzreihen. Hier können nicht nur Filme geschaut und Musikfunktionen bedient werden, sondern es lässt sich auch in Videokonferenzen einwählen.

Lenken oder Lassen
Der Audi Urbansphere ist für das vollautomatische Fahren vorbereitet, kann aber noch per Hand und Fuß gesteuert werden – wenn dies der Verkehr in der Megacity denn zulässt. 295 kW Antriebsleistung sorgen für gute Sprintqualitäten. Bilder: Audi

Der Antrieb des Audi Urbansphere steht deutlich mehr im Hintergrund als das Innenraumkonzept – hier bietet das Konzeptauto wenig an Neuigkeiten. Zeitgemäß wird der Luxusvan auf der neuen PPE-Plattform von Audi und Porsche elektrisch über Motoren an Vorder- und Hinterachse angetrieben. Diese leisten vergleichsweise 295 kW (400 PS) und ein maximales Drehmoment von 690 Nm – das sollte für den Stadtverkehr locker reichen. Dank der 800-Volt-Ladetechnik lässt sich das 120-kWh-Akkupaket im Unterboden des elektrischen Straßenkreuzers mit bis zu 270 Kilowatt zügig wieder aufladen, wenn die Energievorräte nach etwa 750 Kilometern zu Ende gehen.

Für maximalen Komfort der Insassen sorgen eine variable Luftfederung an Vorder- und Hinterachse, während die mitlenkende Hinterachse trotz der stattlichen Abmessungen für ein leichtes Rangieren auch in Innenstädten mit einspurigen Straßen sorgen soll.

Wenn das Urbansphere-Konzept bei den Kunden gut ankommt, dürfte eine Realisierung des Showcars speziell für den asiatischen Markt nur eine Frage der Zeit sein, heißt es bei Audi. Warten wir mal ab, was die Zukunft noch so bringt.

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1 Kommentar

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    Die sog. Oberklasse der deutschen Autobauer, ihre Entwickler und Designer mögen fachlich gut sein, Klugheit und realistische Einsicht gehen ihnen m.E. in erschreckendem Maß ab. Was sollen solche Saurier eigentlich noch im modernen verkehr? Schade um die intellektuellen und technischen Ressourcen, die da verschwendet werden – für Träumereien von gestern.

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