Eigentlich ist noch keine Outdoor-Saison, höchstens für hartgesottene Winter-Camper. Aber das hält ja nicht davon ab, vom nächsten Microadventures zu träumen. Einer Tour – ganz klimafreundlich – ins Umland. Eifel statt Elba. Travemünde statt Türkei. Allgäu statt Algarve. Nach Möhren aus der Region, nun Reisen in die Region. Gilt als angesagter Reisetrend in Zeiten der Flugscham.

Das richtige Reisegefährt gibt es jetzt auch dafür. Garantiert ungeeignet für jede eilige Fernreise. Aber dafür um so uriger. Noch kompakter als ein Tiny House. Es nennt sich Elektrofrosch, ist aber dunkelrot. Auf die Pritsche seines dreirädrigen Mini-Transporter hat Göran Eger, der Gründer von Elektro-Frosch Berlin, ein Camping-Modul montieren lassen, im Prinzip ein aufklappbares Zelt. Dazu gibt es ein großes Sonnensegel sowie eine Kücheneinheit mit Gaskocher und Klapphockern. Eger ist selber begeisterter Camper, erzählt er, und hat lange mit seinem Kollegen Matthias Stache nach einem passendem Modul gesucht und sie auch zuvor auf Fahrten in Mecklenburg-Vorpommern ausprobiert.

Dann passte für ihn alles – fertig war das mobile Heim. Zelt und Fahrerkabine bieten Platz für zwei Personen, die sich mögen sollten – was bei einem gemeinsamen Urlaub gewöhnlich hilfreich ist. Denn die simple Sitzbank hinter dem Motorradlenker ist schmal, Romantiker sagen kuschelig. Immerhin gibt es ein digitales Bordinstrument, das aber nicht viel zu melden hat. Der Tacho zeigt die maximal möglichen 40 Kilometer pro Stunde an. Dazu den Kilometerstand und die Ladung der Batterie, viel mehr Informationen sind es nicht.

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Wohnzimmer im Grünen

Das große Sonnensegel bietet Schutz und macht das Abendessen heimeliger. Foto: Elektro-Frosch

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Hochbett im Freien

Ein bisschen Klettern ist nötig, um ins Zelt zu gelangen. Foto: Elektro-Frosch

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Kuschelig, aber nicht sonderlich komfortabel

Theoretisch dürfen zwei Personen in der Kabine ihren Platz suchen. Das Lasten-Dreirad macht keinen Hehl daraus, ursprünglich ein Nutzfahrzeug zu sein. Foto: Elektro-Frosch

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Vom Motorrad geerbt

Das Fahrzeug wird mit einem Motorradlenker gesteuert. Schließlich hat der italiensche Hersteller Piaggio die Dreiräder nach dem Zweiten Weltkrieg aus seinen Vespas entwickelt. Foto: Elektro-Frosch

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Alles da fürs Abendmahl

In der Transportbox sind Küchenutensilien und Geschirr verstaut. Quelle: Elektro-Frosch

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Kaffee oder Tee?

Ein Kocher in die Küchenbox integriert. Foto: Elektro-Frosch

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Kein Firlefanz

Die Handbremse zeigt, wie sie funktioniert. Quelle: Elektro-Frosch

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Mitten in der Natur

Das Dreirad gibt es auch mit offener Kabine – für noch mehr Motorrad-Feeling. Die Transportbox auf der kippbaren Ladefläche kostet extra. Quelle: Elektro-Frosch

Schon 16jährige dürfen den Frosch steuern

Der Akku arbeitet mit traditioneller Blei-Gel,-Technik nicht mit Lithiumionen. Seine Kapazität von 60 Amperestunden soll für 60 Kilometer reichen. Nach sechs bis acht Stunden an der Haushaltssteckdose ist er wieder voll. Der Motor leistet 2,5 Kilowatt, was für ein Leergewicht von 240 Kilogramm und einer stolzen Zuladung von 525 Kilogramm nicht viel ist. Kurzfristig soll er sogar 7,5 kW liefern, um voll beladen auch steile Steigungen zu schaffen.

Ein Vorteil etwa gegenüber dem Urahn der dreirädrigen Transporter, der Ape des italienischen Herstellers Piaggo. Die nimmt mit einem knatternden Zweitakter von 50 Kubikzentimetern Hubraum vorlieb und kommt nur auf 1,9 kW. Vorteil beider Fahrzeuge: Sie gelten nicht als Auto, ein Rollerführerschein der Klasse AM genügt. Den bekommen schon 16jährige.  

Importiert aus der Türkei

Familie Ouboter Nach monatelangem Streit haben sich die Schweizer Micro Mobility Systems und die westfälische Artega auf einen Kompromiss geeinigt. Beide dürfen ihre elektrischen Gefährte im Retrolook auf den Markt bringen. Bei den Eidgenossen dauert es aber mit dem neuem Produktionspartner bis 2021. Die Deutschen legen sofort los. Elektroauto

Das urige Urlaubsgefährt kostet in der Ausführung Pro mit geschlossener Kabine 4999 Euro samt abnehmbarer Camping-Ausstattung, Elektroheizlüfter und sogar Scheibenwischer. Die Lieferzeit beträgt laut Homepage 14 bis 16 Wochen. Bisher haben die Berliner rund 300 Fahrzeuge des kleinen Elektrolasters verkauft, den es auch in einer günstigeren Variante mit offener Kabine gibt.

Weder Gurt noch Airbag trüben das ursprüngliche Fahrgefühl des in der Türkei bei Volta gefertigten Gefährts. Aber vermutlich ist der Eigner des Elektrofrosch angesichts seines gemütlichen Tempos eh eher auf verkehrsarmen Nebenstrecken unterwegs. Wahrscheinlich immer auf der Suche nach einem idyllischen Plätzchen fürs Campieren. Nach Slowfood nun Slowtravel.

Immerhin – so viel Zugeständnis an den Zeitgeist muss sein – besitzt der Elektrofrosch eine USB-Ladebuchse. Damit auf keinem Fall dem Smartphone der Saft ausgeht. Und der nächste Instagram-Post die Daheimgebliebenen neidisch machen kann.  

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