Kaum war die Garantiezeit abgelaufen, da machte der Brose-Antrieb zum ersten Mal schlapp. Wie sich in der Werkstatt bei der Öffnung des aus Magnesium gefertigten Gehäuses herausstellte, war der Antriebsriemen gerissen. „Das haben wir schon öfter gesehen“, meinte der Werkstattleiter, der für 100 Euro schnell einen Reparatursatz organisierte. Zwei Jahre später machte der Motor erst merkwürdige Geräusche, dann drehte am Berg die Kurbel völlig durch: Das Kurbelwellenlager hatte es zerbröselt. Wieder wurde der Motor geöffnet – und gleich wieder zugemacht: „Da ist nichts mehr zu retten“, so das Urteil des Experten nach dem Blick auf das ölverschmierte und teilweise korrodierte Innenleben des Drive S Mag.

E-Bike im Stadtverkehr Moderne E-Bikes sind populär - und viel besser als ihr der Ruf, den sie noch unter traditionellen "Bio-Bikern" genießen. E-Bikes

Der E-Bike-Motor von Brose hat viele Stärken. Er ist kompakt, läuft dank Riemenantrieb besonders geräuscharm, unterstützt den Fahrradfahrer mit bis zu 410 Prozent und bis zu 90 Newtonmeter überaus kraftvoll. Dank des komplett aus Magnesium gefertigten Gehäuses wiegt die Kraftmaschine nur 2,9 Kilogramm. Insbesondere für viele Mountainbiker waren das vor fünf Jahren gute Argumente für den Kauf eines E-Bikes mit dem Brose-Antrieb.

Anfangsschwächen im Alltag

Doch der 2018 eingeführte Mittelmotor hatte anfangs auch einige Schwächen, die sich erst später im Alltagsbetrieb: Zahnriemen, die mit der Kraft des Antriebs überfordert waren und minderwertige Getriebelager. Hinzu kamen Undichtigkeiten, die dazu führen konnten, dass das Innenleben des Motors infolge Wassereintritts langsam korrodierte.

Nicht mehr zu retten 
Fünf Jahre alter Brose-Antrieb des Autors mit Lager- und Korrosionsschäden. Eine Reparatur ist hier nicht mehr möglich.
Nicht mehr zu retten
Fünf Jahre alter Brose-Antrieb des Autors mit Lager- und Korrosionsschäden. Eine Reparatur ist hier nicht mehr möglich, ein neuer Motor muss her. Foto: Rother

Brose hat in den vergangenen Jahren schon mehrfach nachgebessert, um die Zuverlässigkeit des Antriebs zu verbessern und seine Lebensdauer zu verlängern. Durch neue Dichtungen, Software-Updaten, auch den Einsatz eines verstärkten Riemens. Zu Jahresbeginn legt das Berliner Unternehmen nun noch einmal nach. Verfrühte Motorausfälle sollen damit nun endgültig der Vergangenheit angehören.

Reifeprozess über die Bauzeit

„Anfänglich waren wir mit der Performance unserer Magnesium-Antriebe, insbesondere des S Mag sehr unzufrieden“, räumt Lukas Zwanziger ein, der bei Brose E-Bike für die Qualitätssicherung verantwortlich ist. In enger Zusammenarbeit mit internen und externen Partnern habe man aber intensiv an den einzelnen Schwachstellen gearbeitet und die Motoren kontinuierlich verbessert. „Das Ergebnis ist der ’neue‘ S Mag, auf den man sich in jeder Situation verlassen kann.“

Komplett neu aufbereitet 
Kurz vor Produktionsende hat Brose seinen kraftvollen E-Bike-Antrieb S Mag noch einmal überarbeitet, um die Zuverlässigkeit zu erhöhen. Viele Bauteile wurden dabei durch modernere ersetzt. Fotos: Brose
Komplett neu aufbereitet
Kurz vor Produktionsende hat Brose seinen kraftvollen E-Bike-Antrieb S Mag noch einmal überarbeitet, um die Zuverlässigkeit zu erhöhen. Viele Bauteile wurden dabei durch modernere ersetzt. Fotos: Brose

Durch die jüngste Modifizierung wurden die Antriebe widerstandsfähiger gegen das Eindringen von Wasser. Auch wurden Elektronik und Software komplett neu aufbereitet, um die Zuverlässigkeit zu verbessern und die Fahrkomfort zu erhöhen. „Das Ziel unserer Maßnahmen war klar: Wir wollten, dass E-Bike-Fans das natürliche Fahrerlebnis und die beeindruckende Power des S Mag unbeschwert und dauerhaft genießen können“, sagt Zwanziger. Dauerlauftests im Harz über 50.000 Kilometer und eine Million Höhenmeter hätten bewiesen, dass die Maßnahmen den gewünschten Effekt erzielen.

Austauschmotoren als Ersatz

Besitzern älterer E-Bikes mit einem Brose-Motor der Vorgängergeneration hilft die Erkenntnis allerdings wenig: Eine Nachrüstung ist nicht möglich, eine Überholung des Antriebs bietet Brose nicht an. Bei einem Defekt, der über einen Riemenriss hinausgeht, bleibt ihnen meist nur der Austausch des kompletten Motors zum Neupreis von rund 900 Euro. Immerhin gibt es bald auch preiswertere Austauschmotoren. Bei den sogenannten „Reman-Drives“ handelt es sich um ehemals defekte Antriebe, die im Berliner Werk von Brose-Spezialisten gereinigt und generalüberholt wurden – also quasi neuwertig sind. Angeboten werden die Antriebe über den Brose-Partner Ra-Co Radsport Components aus Erfurt.

Zahnriemen ade 
Im Brose S Mag wird die Kraft des Antriebs mithilfe eines Gates-Riemens auf die Tretkurbel übertragen. Der Riemen war anfangs allerdings der Kraft des Motors nicht gewachsen, was zu Rissen führen konnte. Ein verstärkter Riemen sowie ein Software-Updaten lösten das Problem. Bei der neuen Motorengeneration Drive³ Peak wechselt Brose auf Zahnräder.
Zahnriemen ade
Im Brose S Mag wird die Kraft des Antriebs mithilfe eines Gates-Riemens auf die Tretkurbel übertragen. Der Riemen war anfangs allerdings der Kraft des Motors nicht gewachsen, was zu Rissen führen konnte. Ein verstärkter Riemen sowie ein Software-Updaten lösten das Problem. Bei der neuen Motorengeneration Drive³ Peak wechselt Brose auf Zahnräder.

Die Tage des Mag S-Antriebs sind allerdings ohnehin gezählt: Auf der Fahrradmesse Eurobike stellte Brose mit dem Drive³ Peak bereits den Nachfolger vor. Dieser wird bei ähnlichem Gewicht über bis zu 95 Newtonmeter Drehmoment verfügen. Und ein Riss des Riemens ist hier nicht mehr zu befürchten: Wie bei Antrieben andere Hersteller auch werden die Kräfte über Zahnräder an die Tretkurbel übertragen. Die ersten E-Bikes mit dem komplett neuen Antrieb sollen dieses Jahr auf den Markt kommen.

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2 Kommentare

  1. Helmut Knabe

    Hallo Herr Rother,
    können Sie mir mitteilen wann Brose die Verbesserungen des Drive S-Mag (speziell den verstärkten Riemen) eingeführt hat. Wegen Fehlfunktionen hat Specialized mir nach langem Kampf einen ’neuen‘ Motor auf Garantie spendiert, der jedoch laut Serien-Nr. 1/2 Jahr älter ist wie der beanstandete Motor.
    Vielen Dank für Ihre Rückmeldung

    Antworten
    • Franz W. Rother

      Hier die Antwort von Brose auf die Frage, die ich im Februar auch schon gestellt hatte: „Die in der Pressemitteilung beschriebenen Optimierungen laufen seit Jahren. Die einzelnen Maßnahmen gingen bzw. gehen nahtlos ineinander über und überschneiden sich teilweise. Die Schritte waren zeitlich nicht fest abgesteckt und zudem handelt es sich um einen fortlaufenden Prozess, bei dem die Antriebe immer weiter verbessert werden. Daher ist es extrem aufwändig, detailliert herauszufinden, welche Seriennummer auf welchem technischen Stand ist.“
      Die Meldung über die Überarbeitung des Mag S-Antriebs ging allerdings am 11. Januar raus. Ich gehe daher davon aus, dass die Drive Units, die seit Jahresbeginn 2024 produziert wurden, über das Upgrade verfügen.

      Antworten

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