BYD schwimmt derzeit auf einer Erfolgswelle, zumindest in Europa und auch bei uns. Unlängst verkündete der chinesische Autobauer, dass man im Mai in Deutschland die Marktführerschaft bei den Zulassungen der Plug-in-Hybrid-Modelle erreicht habe. In absoluten Zahlen sind das 4.290 Autos oder eben ein Marktanteil von 15,35 Prozent. Eine Momentaufnahme, sicher. Aber Trommeln gehört zum Handwerk. Zumal die Ziele unverändert ambitioniert sind. Nicht umsonst hat man James-Bond-Darsteller Daniel Craig als Markenbotschafter engagiert.

Klar ist: BYD will sich in Deutschland nicht mit der Statistenrolle zufriedengeben. Deswegen attackiert man die heimischen Platzhirsche gleich auf zwei Ebenen. BYD als Volumenmarke – und Denza im Premiumsegment. Das ergibt Sinn, denn wenn man in der Topklasse erfolgreich ist, strahlt das auf alle anderen Fahrzeuge ab. Allerdings steigt man da gegen Porsche, Audi, BMW und Mercedes in den Ring. Daran sind schon andere gescheitert. Fragen Sie mal bei der französischen Edelmarke DS nach.

Angriff auf Porsche 
Mit dem 850 kW starken und bis zu 270 km/h schnellen Denza Z9GT nimmt die BYD-Tochter die europäische Luxusklasse ins Visier.
Angriff auf Porsche
Mit dem 850 kW starken und bis zu 270 km/h schnellen Denza Z9GT nimmt die BYD-Tochter die europäische Luxusklasse ins Visier.

Nichtsdestotrotz will BYD bis Ende 2027 insgesamt acht neue Denza-Modelle auf den Markt bringen. Darunter das schnittige Cabrio Z1, den Van D9 und den Geländewagen Bao 5 (B5). Den Anfang macht ab August der Denza Z9GT, der gegen den Porsche Taycan Turbo S Sport Turismo (700 kW / 952 PS), den Audi RS e-tron GT performance und bald auch das Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé antritt. Manche bezeichnen das als Hybris, wir sagen: Respekt und Mut.

In 2,7 Sekunden auf Tempo 100

Optisch gelingt der automobile Tigersprung schon mal. Der 5,18 Meter lange Shooting Brake macht auf alle Fälle was her. Auch die Leistung stimmt: Mit bis zu 850 kW / 1.156 PS, einer Sprintzeit von 2,7 Sekunden auf Tempo 100 und einer Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h kann man zumindest auf dem Papier mit dem sportlichen Duo aus dem Volkswagen-Konzern mithalten.

Länge läuft 
5,18 Meter misst der Shooting Brake, der Radstand beträgt 3,12 Meter. Trotzdem ist der Denza dank Hinterradlenkung ausgesprochen wendig. Er kann sogar im Krebsgang quer einparken und auf der Stelle wenden. Was allerdings auch den Reifgenverschleiß fördert.
Länge läuft
5,18 Meter misst der Shooting Brake, der Radstand beträgt 3,12 Meter. Trotzdem ist der Denza dank Hinterradlenkung ausgesprochen wendig. Er kann sogar im Krebsgang quer einparken und auf der Stelle wenden. Was allerdings auch den Reifgenverschleiß fördert.

Wie so oft aber steckt der Teufel im Detail. Im Eifern nach Sportlichkeit haben es die asiatischen Ingenieure etwas übertrieben. Die Lenkung spricht aus der Mittellage sehr direkt an, was das Fahrverhalten gerade bei hohen Geschwindigkeiten nervös wirken lässt. Keinesfalls gefährlich. Aber man braucht eine Zeit, ehe man sich daran gewöhnt hat. Zudem sind im Sport-Modus die Rückstellkräfte ziemlich stramm. Wir hätten uns etwas weniger davon und stattdessen mehr Rückmeldung gewünscht.

Drei Elektromotoren für 850 kW Leistung

Leichtgänger lässt sich das Volant im Eco- und Normal-Fahrmodus bedienen. Allerdings fehlt ein individuell einstellbares Fahrprogramm. Schnell genug ist man mit dem Denza Z9GT so oder so. Auch in den Kurven. BYD hat bei den deutschen Konkurrenten genau hingeschaut und für den Allradantrieb ein Elektro-Motor-Dreieck installiert: Zwei E-Maschinen an der Hinterachse mit jeweils 310 kW / 422 PS verteilen die Kraft radselektiv. Vorne kommt eine weitere mit 230 kW / 313 PS zum Einsatz, und das Torque Vectoring geschieht mit Bremseingriffen.

Im Stil der Zeit
Bei der Gestaltung des Innenraums hingegen gibt sich Denza keine Blöße. Die Materialien fühlen sich wertig an und die Verarbeitung ist gut. Statt analoger Außenspiegel gibt es eine digitale Außenkamera, die wie bei Audi ihre Bilder auf Extra-Monitore in den Türen spielt.
Im Stil der Zeit
Bei der Gestaltung des Innenraums hingegen gibt sich Denza keine Blöße. Die Materialien fühlen sich wertig an und die Verarbeitung ist gut. Statt analoger Außenspiegel gibt es eine digitale Außenkamera, die wie bei Audi ihre Bilder auf Extra-Monitore in den Türen spielt.

Dazu kommt noch eine Hinterachslenkung, die die Räder im normalen Fahrbetrieb um bis zu 10 Grad einschlagen lässt. Das verhilft dem Denza trotz eines Radstandes von 3,12 Metern zu einer Agilität, die auf Landstraßen Spaß macht. Zumindest wenn man den Bestzeiten-Ehrgeiz etwas zügelt. Ganz wegkaschieren lassen sich aber die rund 2,9 Tonnen Lebendgewicht nicht. Der Denza agiert gutmütig, erreicht aber nicht die auf Querdynamik getrimmte Leichtfüßigkeit eines Porsche Taycan.

Einparken mit querstehenden Rädern

Beim vollelektrischen Denza haben die Ingenieure in das oberste Technikregal des Konzerns gegriffen. Das bedeutet, dass die moderne e³-Plattform beim Denza zum Einsatz kommt. Das Karosseriesteuerungssystem „DiSus Intelligent Body Control“ ist Teil der Dynamik-Ausstattung und das Fahrwerk setzt sich aus einer Doppelquerlenker-Vorderachse, einer Mehrlenker-Hinterachse sowie einer Zweikammer-Luftfeder zusammen. Top-Technik. Aber das Menü ist doch eher asiatisch gewürzt. Also ist das Fahrwerk trotz der europäischen Anpassungen – zum Beispiel senkt sich die Karosserie ab 120 km/h ab – auf Komfort getrimmt.

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Der europäische Denza Z9GT scheint aber noch nicht ganz zu Ende entwickelt zu sein. Das zieht sich wie ein roter Faden durch das Auto. Bei der Rekuperation hat man die Wahl zwischen zwei Einstellungen. Ein One-Pedal-Fahren ist nicht möglich.

„Das wird von den chinesischen Kunden nicht gewünscht“, heißt es dazu bei Denza. Das ist bei so manchem deutschen Autofahrer anders. Um im Herzen Europas und nicht nur dort erfolgreich zu sein, sollte man auf die Wünsche und Vorlieben der Kunden eingehen. Den Geschmack des Heimatlandes einfach über die anderen Länder zu stülpen, funktioniert selten. Feinheiten wie die Panzerwende oder das Einparken mit querstehenden Rädern mögen in China gut ankommen. In Deutschland ist das eine nette Spielerei, aber nur wenige dürften Lust haben, alle zwei Wochen beim Reifenhändler vorstellig werden zu müssen.

Assistenten schwächeln noch

Auch bei den Fahrassistenten fehlt der letzte Schliff. Der ICC (Intelligent Cruise Control / intelligenter Tempomat), der den Fahrer im Kolonnenverkehr unterstützt, agiert unharmonisch. Das ist umso erstaunlicher, wenn man sich vor Augen führt, wie gut BYDs Fahrassistenzsystem God’s Eye in der Basisversion in China funktioniert. Und da ist kein LiDAR-Sensor an Bord. Auch die Verkehrszeichenerkennung offenbart Probleme. So zeigte sie in einer Tempo-50-Zone unbeirrt 10 km/h an. Auf der Autobahn waren es dann 70 km/h.

Nein, das ist kein Taycan 
BYD-Chefdesigner Wolfgang Egger hat bei der Entwicklung des Denza Z9GT auf seinen Erfahrungsschatz zurückgegriffen und dem Shooting Brake eine Außenhaut gegeben, das sich an europäischen Spitzenprodukten orientiert - und dem Vollstromer aus Stuttgart.
Nein, das ist kein Taycan
BYD-Chefdesigner Wolfgang Egger hat bei der Entwicklung des Denza Z9GT auf seinen Erfahrungsschatz zurückgegriffen und dem Shooting Brake eine Außenhaut gegeben, das sich an europäischen Spitzenprodukten orientiert – und dem Vollstromer aus Stuttgart.

Fairerweise muss gesagt werden, dass dieses System auch bei anderen Herstellern nicht fehlerfrei funktioniert. Kleinigkeiten wie die fehlenden DAB-Radiosender oder dass die Navigationsanzeigen nicht im Head-up-Display angezeigt werden, komplettieren das Bild. Denza setzt auf die Findigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit der heimischen Ingenieure. „Wir bessern schnellstmöglich nach“, verspricht Denza-Produktchef Fabian Ulbrich.

Laden mit bis zu 1000 kW in Deutschland

Bei der Gestaltung des Innenraums hingegen gibt sich Denza keine Blöße. Die Materialien fühlen sich wertig an und die Verarbeitung ist gut. Das Infotainment gehört ja generell zu den Stärken der chinesischen Autos. Beim Denza Z9GT setzt BYD auf ein breites Display-Ensemble: ein 13,2 Zoll großes digitales Kombiinstrument, einen 17,3 Zoll großen 2,5K-Zentralbildschirm, einen 13,2 Zoll großen Beifahrermonitor sowie ein Head-up-Display. In den Menüs findet man sich schnell zurecht. Dass Apple CarPlay und Android Auto möglich sind, ist gut, da das Denza-eigene Navigationssystem nicht über alle Zweifel erhaben ist.

Da geht was rein 
53 Liter passen in den "Frunk" unter der Fronthaube - zusätzlich zu den knapp 500 Litern im Kofferraum hinten. Das ist deutlich mehr als der Porsche Taycan Sport Turismo aktuell an Gepäckvolumen bietet. Fotos: Denza
Da geht was rein
53 Liter passen in den „Frunk“ unter der Fronthaube – zusätzlich zu den knapp 500 Litern im Kofferraum hinten. Das ist deutlich mehr als der Porsche Taycan Sport Turismo aktuell an Gepäckvolumen bietet. Fotos: Denza

Besonders stolz sind sie bei BYD und damit auch Denza auf das sogenannte Flash-Charging. Also das ultraschnelle Laden mit einer Ladeleistung von bis zu 1.500 Kilowatt. Der Denza Z9GT ist das erste Auto in Deutschland, das über diese Funktion verfügt. Läuft alles optimal, ist die 122,49-Kilowattstunden-Batterie des Denza Z9GT in fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent geladen und in nur neun Minuten von 10 auf 97 Prozent. Hierzulande beträgt die Ladeleistung an den Flashchargern statt 1500 kW wie in China maximal „nur“ 1.000 kW oder ein Megawatt. Dennoch dürfte die kurze Ladepause jedermann beeindrucken.

Preise starten bei 115.000 Euro

„Das ist der Game-Changer für den deutschen Markt“, ist sich BYD-Deutschland-Chef Lars Bialkowski sicher. Damit das auch klappt, will BYD bis zum Ende des Jahres 300 Flash-Charger in Deutschland installieren und diese auch Elektroautos anderer Marken zur Verfügung stellen. Nur werden die wenigsten diese nutzen können. Eigentlich wird erst andersherum ein Schuh daraus. Wie schlägt sich der Denza an „normalen“ Schnellladern? „Da kann man nicht mehr von einer Ladekurve sprechen, sondern von einem Ladestrich“, sagt Denza-Deutschlandchef Klaus Hartmann.

82 kWh in 2:27 Minuten 
Auch beim Selbstversuch des Autors an einer 300 kW-Charger zeigte der Denza eine beeindruckende Ladeperformance.
82 kWh in 2:27 Minuten
Auch beim Selbstversuch des Autors an einer 300 kW-Charger zeigte der Denza eine beeindruckende Ladeperformance.

Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und sind mit dem Z9GT an eine 300-kW-DC-Ladesäule gefahren und hatten noch einen Ladestand von 18 Prozent. In der Tat lagen hier lange 300 kW an. Erst jenseits von 90 Prozent SoC ging die Leistung langsam nach unten. Bei 99 Prozent betrug sie immer noch 53 kW. So sind 82 kWh in 21:27 Minuten in den Stromspeicher geflossen. Eben bis 100 Prozent. Übrigens zeigte das Display dann auch die versprochenen 600 Kilometer Reichweite an. Gegen Ende des Jahres schiebt Denza eine Version des Z9GT mit Hinterradantrieb nach, die dann noch 200 Kilometer weiter kommen soll.

Bleibt zum Schluss noch der Preis. Den Denza Z9GT gibt es nur in einer Ausstattungsvariante für 115.000 Euro. Das ist fast nur die Hälfte vom Basispreis des Porsche Taycan Turbo S Sport Turismo (ab 211.900 Euro) und noch deutlich weniger als der Audi RS e-tron GT performance, der ab 160.500 Euro zu Buche schlägt. Bügelt BYD-Denza noch die Schwächen aus, ist der Z9GT definitiv eine exzellente Alternative. Nicht als reinrassiger Asphalt-Wedler, sondern als Reise-Limousine.

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