Was Volkswagen der GTI, ist für Opel der GSE – die sportlichste aller Fahrzeugvarianten. Vielen Baby-Boomern ist noch der Opel Commodore GS/E in Erinnerung, mit dem die Rüsselsheimer in den frühen 1970er Jahren die bürgerliche Mittelklasse provozierte. Die PS-starke und mit breiten Rallyestreifen, bulligen Zusatzscheinwerfern und Vinyldach verzierte „Opel-6-Bombe“ beschleunigte bis auf 200 km/h und konkurrierte mit Oberklasse-Modellen von BMW und Mercedes. Das GS stand für Grand Sport, das E hinter dem Schrägstrich für die elektrische Einspritzung, über die der 2,6 Liter große Sechszylinder unter der Motorhaube verfügte. „Im Volksmund stand es jedoch für Express“, erzählt Opel-Kenner Harald Hamprecht in seinem famosen Buch „Opel Love“, das im vergangenen Jahr zum 125-jährigen Firmenjubiläum erschien.

Das GSE tauchte in der Geschichte des Traditionsunternehmens noch ein paar mal auf. Am 180 PS starken und 215 km/h schnellen „Monster“-Monza GSE von 1983. Dann – nach längerer Pause und nur noch mit kleinem E – erst wieder am Heck des Opel Astra und Opel Grandland. Hier stand das „E“ aber schon nicht mehr für „Einspritzung“, sondern für „Electric“. Auch wenn hier immer noch ein Verbrenner die Hauptantriebsquelle war und die GSe-Version nur den wiederaufladbaren Teilzeitstromer im Portfolio kennzeichnete.

Opel-gelbe Rennsättel
Der Mokka GSE unterscheidet sich äußerlich sich nur in wenigen Details von seinen „zahmen“ Geschwistern. Er hat es aber dick „hinter den Ohren“: An der Vorderachse arbeitet ein Elektromotor mit einer Spitzenleistung von 280 PS.

Doch in Kürze wird das GSE bei Opel wieder groß geschrieben: Auf der IAA Mobility in München (9.-14. September) präsentiert die deutsche Stellantis-Tochter den vollelektrischen Mokka GSE. Gewissermaßen den Mokka GS mit Express-Zuschlag. Statt mit 156 Pferdestärken (oder 115 kW) arbeitet hier an der Vorderachse eine Elektromaschine mit einer Spitzenleistung von 280 PS oder 206 Kilowatt und 345 Newtonmeter Drehmoment. Und statt bei 150 km/h geht dem GSE wie in alten Zeiten erst bei 200 km/h die Puste aus. Bis Tempo 100 erreicht ist, vergehen auch nur 5,9 Sekunden – da ist der „zivile“ GS schon lange abgehängt.

336 Kilometer Reichweite – auf dem Prüfstand

Es handelt sich also beim Mokka GSE um einen echten Sprinter. Da die Batterie im Fahrzeugboden weiterhin nur eine Speicherkapazität von 54 kWh hat, taugt er für Marathonläufe eher weniger: Die maximale Reichweite gibt Opel zwar mit 336 Kilometern an. Das wären dann nur rund 70 Kilometer weniger als der GS mit einer Akkuladung schafft. Aber im WLTP-Verbrauchsmodus liegen auf dem Rollenprüfstand maximal nur 120 km/h an – und das auch nur kurze Zeit. Im Sport-Modus, bei forscher Fahrweise und mit Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn dürfte schon nach nicht einmal 200 Kilometern ein Boxenstopp fällig sein. Abarth-Manager sprachen bei der Vorstellung des 600e „Scorpionissimo“ von drei Runden auf der Nordschleife des Nürburgrings. Das wären nicht einmal 100 Kilometer Fahrstrecke an einem Stück.

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Weitere Informationen
Kleiner Talk mit Opel-Produktmanager Lars Ripperger über den neuen Mokka GSE und die Roller der Submarke.

Nichtsdestotrotz tut der Opel Mokka GSE der Marke gut. Zeigt er doch auf, was in der Marke steckt – und sich ein Mokka nicht auf einem frisch aufgebrühten Peugeot 208 GTI , dem Alfa Romeo Junior Elettrica 280 Veloce oder dem Abarth 600e zu verstecken braucht. Und schon gar nicht vor einem Alpine A290 GTS aus dem Renault-Konzern mit 160 kW Leistung.

Motor aus dem Rally-Corsa

Die Motorsportabteilung von Opel hat sich jedenfalls mächtig ins Zeug gelegt und eifrig Technologie-Transfer vom ADAC Opel Electric Rally Cup in die Serie betrieben. So entstammen der sogenannte M4-Motor, aber auch die Akkuzellen, der Wechselrichter und andere Hochvolt-Komponenten des Mokka GSE dem Corsa Rally Electric. Auch das Lenksystem und die Fahrwerksabstimmung samt doppelten Hydro-Stoßdämpfern sind vom Rally-Auto abgeleitet. Ebenso wie das Torsen-Sperrdifferential an der Vorderachse: Es sorgt dafür, dass die Michelin Pilot-Sportreifen im Format 225/40 R20 nicht pulverisiert werden, wenn der rechte Fuß des Fahrer beim Start das Fahrpedal voll durchdrückt.

Sportsitze für ein wenig Rennfieber 
Der neue Opel Mokka GSE ist vom Rallyesport inspiriert und mit einer Spitzenleistung von 207 kW auch dafür prädestiniert. Das soll der Fahrer auch hinter dem abgeflachten Lenkrad spüren, wenn er auf die Alu-Sportpedale betätigt. Fotos: Opel.
Sportsitze für ein wenig Rennfieber
Der neue Opel Mokka GSE ist vom Rallyesport inspiriert und mit einer Spitzenleistung von 207 kW auch dafür prädestiniert. Das soll der Fahrer auch hinter dem abgeflachten Lenkrad spüren, wenn er auf die Alu-Sportpedale betätigt. Fotos: Opel.

Das alles verspricht hochemotionale Erlebnisse am Steuer des GSE. Zumal auch die Designer einiges getan haben, um die Fahrfreude zu stimulieren. So wird das Serienmodell bis auf ein paar Äußerlichkeiten viel mit dem Mokka GSE Rally gemein haben, der in der erfolgreichen Elektro-Rennserie bereits als Pacecar eingesetzt wird. Es gibt spezielle Schweller und Grilleinsätze im Rallye-Look, gelb lackierte Bremssättel vorne, Alu-Sportpedale und mit Alcantara bezogene Sportsitze mit integrierten Kopfstützen. Nur den Helm und einen Rennoverall muss man selbst mitbringen, um so etwas wie Rennfieber im Alltag zu spüren.

Und natürlich ein entsprechend großes Anschaffungsbudget. In einfacher GS-Ausführung kostet der Mokka bereits 39.000 Euro – für den E-Aufschlag wird Opel sicher einige Tausend Euro mehr verlangen. Dabei werden sich die Rüsselsheimer sicher am Wettbewerb orientieren: Das gleich starke Schwestermodell von Alfa Romeo kostet in Topausstattung 54.600 Euro, der Abarth 600e in der limitierten „Scorpionissimo“-Ausführung 48.990 Euro. Der Opel Mokka GSE dürfte irgendwo dazwischen liegen.

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