Ein Elektrofahrzeug zu bauen ist bei aller Einfachheit des Antriebskonzepts ein aufwendiges Projekt – das haben schon eine ganze Reihe von Start-Ups feststellen müssen. Der kleine Sion von Sono Motors, um nur ein Beispiel zu nennen, sollte ursprünglich schon 2019 in Produktion gehen. Nun wären die Münchner froh, wenn es im kommenden Jahr klappen würde. Und auch der Verkaufsstart des Microlino, des Mini-Stromers im Gewand der BMW Isetta, verzögerte sich um Jahre.

Aber auch diejenigen, die auf den knuffigen Mikrovan Mia von fox e-mobility warten, müssen sich nun weitere zwei Jahre gedulden: Nicht wie ursprünglich geplant 2023, sondern „frühestens“ 2024 werde das Elektroauto auf den Markt kommt, verlautet aus der Münchner Firmenzentrale.

Wechselvolle Geschichte

Das Projekt Mia hat schon eine turbulente Geschichte hinter sich. Mia 1.0, wir erinnern uns, wurde bereits 2007 vom französischen Karosseriehersteller Heuliez entwickelt. Nach einem Entwurf des früheren VW- und Mercedes-Designers Murat Günak und mit einem 24 kW (33PS) starken Antrieb. Aber nach nur vier Jahren endete 2014 nach der Insolvenz des Herstellers und rund 1600 Fahrzeugen die Produktion. Der Preis des Elektrozwergs mit 80 Kilometern Reichweite war mit 22.500 Euro zu hoch angesetzt.

Nach mehreren Eigentümerwechseln und einem kompletten Redesign wird der Mia unter der internen Bezeichnung 2.0 nun von der fox e-mobility AG mit Sitz in München für die Serienproduktion entwickelt. Angepeilt wurde ein Verkaufspreis von 16.000 Euro – vor Umweltbonus und ähnlichen Fördermaßnahmen.  

Große Klappe, viel dahinter
Vor allem in der Transporter-Version dürfte der Elektro-Zwerg Marktchancen haben. In den Laderaum mit einem Volumen von 1500 Litern passt eine Euro-Palette. Und zwei Schiebetüren erlauben dem Fahrer schnelle Ein- und Ausstiege. Foto: Fox E-Mobility

Nachdem das Design der beiden Versionen Klein-PKW und -Lieferwagen finalisiert wurde, kommen aber in den kommenden Monaten immerhin die ersten echten Erprobungsträger des Leichtfahrzeugs auf die Straße. Auf Herz und Nieren getestet werden soll insbesondere das „Skateboard“, das die technische Plattform für den Mia der zweiten Generation darstellt. Für fox ist das ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Serienentwicklung.

„Skatebord“-Konzept für flexible Fertigung

Die Plattform des Mia der neuen zweiten Generation umfasst nicht nur Antrieb und Akkutechnik. Dazu gehört auch die komplette Steuerungselektronik, unter anderem auch für das automatisierte Fahren. Sie ist die technische Basis für die verschiedenen Karosserievarianten, die geplant sind. Da geht es nicht nur um verschiedene Aufbauten, sondern auch Antriebsvarianten.

Das „Skateboard“ selbst besteht aus einer crashsicheren Struktur aus Stahl. Flexibel sind je nach Modell und Kundenwunsch Spurweite, Radstand und Bodenfreiheit. Dadurch sollen sowohl Entwicklungs- als auch Produktionskosten gesenkt werden. Die Plattform erlaubt dabei unterschiedliche Derivate der jeweils rund 1.000 Kilogramm schweren Mia-Produktfamilie. Geplant sind kürzere oder längere Modelle für drei oder vier Passagiere – und kleine Lieferwagen mit bis zu 1.500 Litern Stauvolumen.

Akku mit 40 kWh Kapazität

Im Unterschied zu den meisten anderen Elektrofahrzeugen auf dem Markt wird der 3,20 Meter lange Mia 2.0 nicht mit mehreren Akkugrößen angeboten, sondern nur einem Batteriepaket verfügbar sein. Dieses wird sich allerdings bei Bedarf um ein zweites erweitern lassen.

Es ist angerichtet
Egal, in welcher Version der Mia 2.0 geordert wird – vorne gibt es immer nur einen Sitzplatz. Und der Fahrer findet hier rund um ein kleines Lenkrad alles vor, was man heute so braucht – einen Halter für den Kaffeebecher ebenso wie für ein iPad. Nicht nur Auslieferungsfahrer werden begeistert sein. Foto: Fox E-Mobility

Standardmäßig verfügt der elektrische Kleinsttransporter über einen Batteriespeicher des slowakischen Zulieferers InoBat Auto mit einer Kapazität von 20 kWh für eine Reichweite von bis zu 200 Kilometern. Neben der Standardversion mit elektrischer Hinterachse besteht auch die Möglichkeit, an der Vorderachse einen zweiten Motor mit einer Leistung von 30 kW (45 PS) zu verbauen. Der Mia wird so zu einem Allradler.

Startpreis deutlich unter 20.000 Euro

Der Mia ist in der finalen Fassung ein schmuck anzuschauender Mikrovan mit kurzen Überhängen, langem Radstand und zwei Schiebetüren. Er soll als Ein – bis Dreisitzer private wie gewerbliche Kunden nicht nur mit seinem Elektroantrieb, sondern auch seiner effizienten Raumausnutzung locken. Vorne gibt es für den Fahrer nur einen einzelnen Sitzplatz mit Steuerstand, dahinter gibt es Platz für zwei oder drei weitere Insassen. Der Ein- und Ausstieg erfolgt wie schon beim Mia 1.0 über zwei Schiebetüren. Neben der reinen PKW-Variante liegt der Schwerpunkt nunmehr auf einer gewerblichen Nutzung, die – wie auch beim Elektroauto Next e.Go Live – gerade für Lieferdienste und Pflegedienste interessant sein dürfte.

Wenig überraschend dagegen, dass sich der kommende Mia der zweiten Generation jederzeit online updatefähig sein wird. Und das mit einem Startpreis, der inzwischen mit „deutlich unter 20.000 Euro“ angegeben wird.

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