Auch an den Ladesäulen der EnBW Energie Baden-Württemberg AG haben in den vergangenen zwei Wochen deutlich weniger Elektroautos Strom geladen als in den Monaten zuvor. Genaue Zahlen teilt das Unternehmen nicht mit. „Aber die Leute haben infolge der Beschränkungen durch die Corona-Krise erkennbar einen niedrigeren Ladebedarf“ sagt Nils Straube, der Leiter des Geschäftsfelds Mobility Service Provider & Digitale Lösungen im Gespräch mit EDISON. An den Plänen zum Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur ändere das allerdings nichts – es werde weiterhin kräftig investiert. Schon in den kommenden Tagen und Wochen würden weitere Ladestationen bundesweit in Betrieb genommen: „Viele Säulen stehen bereits, warten nur noch auf den Netzanschluss“, versicherte Straube.

EnBW will Marktführerschaft ausbauen

Experten hatten in den vergangenen Tagen die Sorge geäußert, dass der Kampf von Politik und Wirtschaft gegen die Ausbreitung des Corona-Virus und gegen die sich anbahnende Wirtschaftskrise die Elektromobilität in Deutschland ausbremsen könnte. Sparmaßnahmen mochte auch der EnBW-Manager nicht ausschließen: „Es ist noch zu früh, die Auswirkungen von Corona abschätzen zu können“. Aber noch stehe der Plan, die Zahl von aktuell 2200 EnBW-Ladepunkten in Deutschland im Jahresverlauf deutlich zu erhöhen.  „So wird die EnBW den Zugang zum ohnehin größten Ladenetz in DACH mit rund 40000 Ladepunkten über die mobility+ App auch mit eigenen Ladestationen weiter auszubauen.“  Zur Erklärung: DACH sind die Vertriebsregionen Deutschland, Österreich und Schweiz.

Ein besonderer Fokus liege dabei am Ausbau der Infrastruktur für das schnelle Laden von Elektroautos. Aktuell betreibt EnBW hierzulande bereits rund 300 so genannte Schnelllader, an denen pro Stunde bis zu 150 Kilowatt Strom gezogen werden können – wenn das Auto dazu in der Lage ist. Damit kommt der baden-württembergische Energieversorger nach dem Lade-Report von Prognos aktuell auf einen Marktanteil von 12,2 Prozent und ist damit klar die Nummer 1 unter den E-Mobility-Providers (EMP) in Deutschland – mit weitem Abstand etwa vor Ionity, dem High-Power-Ladenetz der deutschen Autohersteller.

Ab 2. April können EnBW-Kunden nicht mehr an den Ultra-Schnellladern von Ionity Strom zapfen: Die Preispolitik sei "nicht akzeptabel", kritisiert der Energieversorger. E-Mobilität

Ionity war lange Roaming-Partner von EnBW – über die Lade-App „mobility+“ konnten EnBW-Kunden auch an den 222 Ladestationen von Ionity preisgünstig ihr Elektroauto mit Strom versorgen. Doch die Partnerschaft zerbrach dieser Tage an den unterschiedlicher Auffassungen über die Preisgestaltung: Ionity hatte zum 1. Februar auf eine Kilowattstunden-genaue Abrechnung des Stroms umgestellt. Statt wie zuvor pauschal acht Euro pro Ladevorgang zu zahlen, müssen Elektromobilisten seitdem 79 Cent pro Kilowattstunde (kWh) löhnen, sofern sie keinen Liefervertrag mit einem Unternehmen des Ionity-Konsortiums (BMW, Daimler, Volkswagen-Konzern) haben. EnBW-Kunden waren von der Preiserhöhung zunächst ausgenommen, zahlten an den Ionity-Säulen weiterhin im Basis-Tarif 49 und im Vielfahrer-Tarif (mit monatlicher Grundgebühr von 4,99 Euro) sogar nur 39 Cent. Doch bei der fälligen Neuverhandlung des Roaming-Vertrages krachte es dann. Ergebnis: Ab 2. April schaltet die „mobility+“-App die Ionity-Säulen nicht mehr frei.

Schnell in der Stadt
Vor allem in urbanen Ballungszentren will EnBW seine Marktposition mit Schnellladestationen ausbauen. Der Energieversorger sucht dabei Kooperationen auch mit Baumärkten. Foto: EnBW

„Wir sehen uns als Marktgestalter und Wegbereiter einer alltagstauglichen Elektromobilität, mit einer einfachen Tarifstruktur und günstigen Preisen“, erklärt Straube die Grundhaltung der EnBW und ergänzt in Bezug auf Ionity:  „Wir verfolgen offenbar unterschiedliche Perspektiven.“ Die neuen Konditionen seien „nicht gut für die Neugewinnung von Kunden für die Elektromobilität“ – die Trennung sei da nur konsequent. Die EnBW bedauere, „die sehr gute Ladeinfrastruktur der Ionity aus unserem Angebot entfernen zu müssen“, sehe aber derzeit leider keine Alternative zu diesem Schritt. 

Von der Leichtigkeit des Ladens
Mehr zum Thema in der aktuellen EDISON-Ausgabe – die gerade als Beilage in der aktuellen „Auto Bild“ und digital bei Readly erschienen ist. Foto: Edison

Neue Schnelllader vor allem in den Städten

Wie Straube verspricht, wird EnBW seine eigenen Strompreise weiterhin stabil halten und den Service weiter verbessern. So soll der Fokus nun stärker als bisher auf den Ausbau des eigenen Schnellladenetzes gelegt werden. An den neuen „Ultra“-Ladesäulen von EnBW kann Gleichstrom bereits mit Ladeleistungen von bis zu 300 Kilowatt in der Stunde bezogen werden. Das ist nicht viel weniger als die High Power-Charger von Ionity (350 kW) aktuell bieten.

Und während die Ionity-Stationen sich derzeit ausschließlich am Rande der Fernstraßen finden, will EnBW nun in Kooperation mit Partner etwa aus dem Einzelhandel, mit Baumärkten und Mineralölgesellschaften neue Stationen verstärkt in die Städte bringen – bundesweit. Details hofft Straube schon in Kürze mitteilen zu können – sobald die Corona-Krise abgeklungen und die Beschränkungen des öffentlichen Lebens gelockert sind.

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1 Kommentar

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    Leute, kWh-Preise von 0,79 € oder Pauschalen je Ladevorgang von 8 € veranlassen die breite Masse nicht zum Umstieg auf die E-Mobilität speziell wenn sie vernünftig und zeitgemäß agieren wollen. Hier sind Fahrzeug mit einer überschaubaren Reichweite, sprich Akku-Kapazität <50 kW, relativ geringem Fahrzeuggewicht, und einem erschwinglichen Einstiegspreis <25.000 € gefragt um wirtschaftlich bleiben zu können.

    Gerade diese "Vernünftigen" werden mit Pauschalpreisen doch bestraft ! Schon mal daran gedacht ?

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