Die Vatikanstadt erstreckt sich über eine Fläche von vier Hektar in der Mitte von Rom. Den größten Teil des Staatsgebietes machen die Vatikanischen Gärten aus, durch den sich zahlreiche Fußwege, aber auch eine Anzahl schmaler asphaltierter Straßen schlängeln. Genutzt werden sie von den Lieferanten und der Müllabfuhr, aber auch von den 3000 Beschäftigten der Vatikanstadt, die außerhalb der Mauern wohnen.
Es ist das perfekte Terrain für kleine Elektroautos mit beschränkter Reichweite wie etwa dem BMW i3 der ersten Generation, den die Schweizer Garde heute noch für Patrouillenfahrten nutzt. In Zukunft werden die Ordnungshüter möglicherweise auf einen Fiat Topolino umsteigen. Gemeint ist natürlich nicht das erste Modell von 1939, sondern das zweisitzige elektrische Leichtmobil aus Marokko, das der italienische Autobauer seit 2023 anbietet. Fiat-Chef Olivier Francois übergab 20 davon diese Woche an Erzbischof Emilio Nappa, den Verwaltungschef des kleinsten souveränen Staates der Welt. Als Beitrag zum Vorhaben des Vatikans, seine Fahrzeugflotte bis zum Ende der Dekade vollständig zu dekarbonisieren.

20 Exemplare des Topolino spendete Fiat dem Vatikan. Sie sollen dazu beitragen, bis 2030 die Flotte des Stadtstaates zu dekarbonisieren. In den Vatikanischen Gärten wurden die maximal 45 km/h schnellen Mikromobile gleich eingefahren. Foto: Rother
Ähnliche Vorhaben sind außerhalb der Mauern der Vatikanstadt ungleich schwerer zu realisieren. Aber auch hier finden elektrisch Leichtmobile wie der Fiat Topolino – der baugleich mit dem Citroën Ami und dem Opel Rocks-e ist – zunehmend Zuspruch. Nach Angaben von Giorgio Neri, der im Stellantis-Konzern die Mikromobilität verantwortet, ist der Absatz in diesem Segment 2026 gegenüber 2025 um über 60 Prozent gestiegen – stärker als in jedem anderen Segment des europäischen Automarkts. Der Trend scheint sich auch fortzusetzen: Für das zweite Quartal des Jahres wird ein Anstieg der Bestellungen um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet.
Sport-Version soll junge Männer locken
Mit einer Reihe von Modellpflegemaßnahmen und neuen Sondermodellen will Fiat die Nachfrage in diesem Jahr weiter pushen. „Der Topolino ist ist dafür gemacht, sich langsam und natürlich zu bewegen, ohne zu stören. Er ist eine Mobilität mit einem Lächeln“, umschreibt Markenchef Francois die besonderen Qualitäten des als L6-e klassifizierten Leichtfahrzeugs. Es darf schon von 15-Jährigen mit einem Mofa-Führerschein (Klasse AM) bewegt werden, braucht ähnlich wie ein Kick-Scooter lediglich eine Versicherung und ist dafür wie ein S-Pedelec auf eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h limitiert.
Und es ist für ein Fahrzeug mit vier Rädern und einer Reichweite von 75 Kilometern relativ preispreisgünstig: Der Spaß beginnt beim Topolino aktuell bei 9.990 Euro oder einer Leasingrate von 49 Euro im Monat. Damit liegt der Kleine auf dem Preisniveau eines hochwertigen E-Bikes – beim Charme, dem Regenschutz und der Fahrsicherheit aber deutlich darüber.

In zunächst vier Farben wird die Sportvariante des Fiat Topolino angeboten. Immer mit Rallyestreifen und einem schwarzen Interieur.
Was nicht heißt, dass da nicht noch mehr ginge. Was den Charme und den Preis anbetrifft: Airbags sind hier auch in Zukunft nicht vorgesehen. So wird Fiat ab September auch eine „Sport“-Version des Topolino anbieten. Wobei sich „Sport“ auf Äußerlichkeiten wie eine Zweifarb-Eintönung (die Karosserie ist nicht lackiert, sondern besteht auf eingefärbten Kunststoff-Modulen) und einen Rallye-Streifen in Kontrastfarbe beschränkt. An der Höchstgeschwindigkeit wird ebenso wenig geschraubt wie an der Motorleistung von 6 kW oder 8 PS, der Akkukapazität von 5,5 kWh oder der maximalen Ladegeschwindigkeit von 2,3 kW: Den Antrieb haben sie in Turin nicht angepackt. Trotzdem hoffen sie mit dem Sportpaket neue Kunden zu gewinnen, vor allem junge Männer, die bereit sein, dafür wenigstens 11.499 Euro auf den Tisch zulegen.
„Dolce Vita“ unterm Faltdach
Noch teurer wird es, wer in den sonnigen Gefilden Südfrankreichs oder Italien lebt und sich für ein Exemplar der Vilebrequin Collectors Edition erwärmt. Zum Preis von 13.499 Euro gibt es dann unter anderem ein schickes Rolldach und ein blau-weißes Interieur mit dem bekannten Schildkröt-Muster des Luxus-Bademoden-Herstellers aus Saint Tropez. Der relativ hohe Preis scheint aber die Fans der Marke nicht zu schrecken: Vor einem Jahr war eine limitierte Version des Modells im Handumdrehen ausverkauft.

Vom süßen Leben träumen sollen die Fahrgäste unter dem Zeltdach der Kleinbus-Version, die Fiat für das Elektro-Dreirad Tris plant.
Für einen ähnlichen Hype könnte auch der Fiat Tris sorgen, das Mitte kommenden Jahres auf den Markt kommt – ein dreirädriger Elektro-Transporter auf Topolino-Basis. der die Geschichte der legendwären Ape von Piaggio fortschreiben soll. Der Vespa-Hersteller hatte die Produktion des benzingetriebenen Dreirads Ende 2024 aus Kosten-, Umwelt- und Sicherheitsgründen eingestellt. Fiat nimmt nun mit dem Tris den Faden auf. Angeboten wird das nur 1,46 Meter breite Elektrofahrzeug mit einem Wendekreis von nur 3,05 Metern zunächst in zwei Versionen, mit einer Pritsche und einem Kastenaufbau für Lasten von bis zu 430 Kilogramm.
Fiat Multipla von 1956 neu interpretiert
Der Spaß beginnt hier schon bei 6.950 Euro – der Verlust eines Rades reduziert verständlicherweise den Preis. Später soll auch noch ein „Dolce Vita“ genannter Kleinbus für den Personentransport in Urlaubsgebieten hinzukommen, der allerdings deutlich teurer werden dürfte. Na klar: Lifestyle hat seinen Preis. Das gilt auch für den geplanten Fiat Multiplina: Ein elektrischer Kleinwagen für die Familie nach dem Vorbild des Fiat Multipla von 1956.

Multiplina soll der neue viersitzige Elektrowagen heißen, der ab 2028 die Brücke zwischen der Mikromobilität und dem Elektroauto schlagen soll. Der Entwurf der Designer fielt beim Fiat-Markenchef allerdings durch – die Formkünstler müssen nun noch einmal ran.
Das Bindeglied zwischen den Mikromobilen und echten Elektroautos von Fiat wie dem Cinquecento und dem Grande Panda wollte Markenchef Francois ursprünglich ebenfalls in Rom vorstellen. Doch das Konzeptauto, das ihm das Designstudio in Turin mitgeben wollte, gefiel dem Franzosen nicht. Bis zur geplanten Markteinführung 2028 soll der Viersitzer nun noch einmal kräftig überarbeitet werden.
Aus dem Hochglanzprospekt euphorisch beworben, ohne jegliche kritischen Ansatz. 75 KM Herstellerreichweite bedeuten unter reellen Praxisansatz ca. 45-50 Km. Im Winter eher 25-30 Km. und das für „moderate“ 10.000 €. Daher nicht einmal als Gehilfe zu gebrauchen.
Wie schaut’s denn mit Unfall – und Aufprallschutz aus? Ich verstehe, ist nicht vorhanden.
Danke für die Blumen. Elektrofahrzeuge dieser Art haben nicht den Anspruch Autos zu ersetzen, sondern Mobilität in der Stadt neu zu gestalten. Bei Tempo 30 oder 25 wie in der Vatikanstadt ist das Risiko von Personenschäden minimal, zumal die Fahrzeuge über einen Sicherheitsgurt verfügen. Ein Problem sind im öffentlichen Verkehr eher die schweren Straßenpanzer, SUVs genannt. Im Stadtverkehr gilt es, die Relationen neu zu gewichten, zwischen Fußgängern und Radfahrern, öffentlichen Verkehrsmitteln und Autos. Von letzteren gibt es unbestreitbar viel zu viele und viel zu große in der Stadt. Hier wird es Einschnitte geben müssen – und Alternativangebote wie Topolino u.a.
4 Stunden Ladezeit für ca. 50 KM Reichweite werden jedenfalls nicht einen Verkaufsschlager erzeugen. Zudem ist die Konstruktion eine üble Verschwendung von Ressourcen. Nur ein „niedliches“ Aussehen wird höchstens ein paar verblendeten Träumer überzeugen.
Vom Topolino und seinen Schwestermodellen sind inzwischen mehr als 200.000 Exemplare verkauft. Da scheint es durchaus einen Markt zu geben, nicht nur in Rom und Paris. Und 4h Ladezeit sind über Nacht problemlos darstellbar.