Die Range-Extender-Technik ist an sich ein Relikt aus der Anfangszeit der Elektromobilität. Als die Reichweiten vor rund einem Jahrzehnt kurz und die Ladesäulen rar waren, sollten die Reichweiten-Verlängerer für Entspannung bei den nicht ganz so mutigen Elektro-Erstkunden sorgen. Doch das Experiment mit dem doppelten Verbrennerboden und der Kraft der zwei Antriebsherzen floppte – Modelle mit Range Extender wie der BMW i3 REX wurde schneller als erwartet von immer größeren Batteriepaketen und einem nennenswerten Zuwachs an Ladesäulen gefressen.
Trotzdem kommt die Hilfstechnik nunmehr zurück, weil diese auf dem Massenmarkt China ein deutlich größeres Kundeninteresse hat. Davon profitieren nunmehr auch europäische Kunden, die sich für ein Modell wie den 4,74 Meter langen Leapmotor C10 interessieren. Den optisch durchaus gefälligen Elektro-Crossover gibt es mit Hinterrad-, Allradantrieb und nun eben auch mit Range Extender. Wer in den Elektro-SUV einsteigt, merkt schnell, was das bedeutet: die beiden Reichweitenanzeiger im Digitaldisplay loben gemeinsam eine Gesamtstrecke von mehr als 960 Kilometern aus, ehe der Leapmotor wieder an die Ladesäule muss – das ist mehr als Dieselniveau.

Der Leapmotor C10 REEV kombiniert einen Elektroantrieb mit einem Benziner – der einspringt, wenn der Strom verbraucht ist. Im Stadtverkehr ist der SUV mit dem Inhalt des 28,4 kWh großen Akkus unterwegs, auf der Autobahn ist schnell der Verbrenner gefordert.
„Das Fahrzeug ist die optimale Lösung für Vielfahrer, die gleichzeitig auch elektrisch unterwegs sein möchten“, erläutert Leapmotor-CEO Tianshu Xin. „Das gilt auch und gerade für die aktuelle Phase, in der die Weiterentwicklung der E-Mobilität nicht in jedem Land gleichermaßen linear verläuft. Der C10 REEV (Range Extended EV) wird uns deutliche Absatzimpulse verleihen – wir gehen davon aus, dass jeder zweite in Europa verkaufte C10 einer mit Reichweiten-Verlängerer sein wird.“
28,4 kWh großer Akku muss reichen
Bei einem Einstandspreis von 37.600 Euro – der 10 Euro unter dem Basispreis des vollelektrischen „Pro“ mit 69,9 kWh großem Akku liegt – dürfte er damit wohl Recht behalten. Denn es gibt neben dem guten Platzangebot und einer mehr als ordentlichen Serienausstattung viel Elektro-Crossover fürs Geld – und die Gewissheit, dass lange Fahrten in den Urlaub oder zum Geschäftstermin nicht zum Ladeärgernis werden. Denn die geringe Ladegeschwindigkeit der Stromer von Leapmotor – beim C10 beträgt sie aktuell maximal 65 kW – ist ein echtes Manko.

Den SUV aus China gibt es zu Preisen ab 37.610 Euro in einer vollelektrischen Version mit 420 Kilometer Reichweite und preisgleich als Hybrid-EV, bei dem ein Benziner für Reichweiten von bis zu 970 Kilometer sorgt.
Technisch besehen ist der Leapmotor C10 REEV letztlich ein Plug-in-Hybrid mit besonders großer elektrischer Reichweite. Neben dem 28,4 kWh großen Batteriepaket im Unterboden, der den 158 kW oder 215 PS starken Elektromotor mit Energie versorgt, arbeitet unter der Fronthaube ein 1,5 Liter großer Vierzylinder-Benziner. Rein elektrisch schafft der C10 bei vollem Akkupaket bis zu 145 Kilometer. Im Normalbetrieb ist der Leapmotor C10 REEV auch vollelektrisch unterwegs, wobei ausschließlich der Elektromotor die Hinterräder antreibt.
Topmodell mit 800-Volt-Bordnetz
Der Crossover ist flott genug unterwegs und auch auf längeren Strecken kommen mit 170 km/h Spitzentempo kaum Wünsche nach Mehrleistung auf. Wer auf den Putz hauen möchte, steigt in den Leapmotor C10 mit elektrischem Allradantrieb – der protzt mit imposanten 440 kW oder 598 PS und einem 800-Volt-Bordnetz. Wer sich die aktuellen Elektro-SUVs von Stellantis anschaut, bekommt selbst in der Topversion eines Opel Grandland kaum mehr als 320 PS. Da ist der C10 AWD eine echte Speerspitze.
In Europa gehört das Joint Venture Leapmotor International zu 51 Prozent Stellantis und zu 49 Prozent der Kernmarke Leapmotor. So wollte Leapmotor einen Zugang zu europäischen Märkten und insbesondere Händlern bekommen und Stellantis sich chinesische Technik und eine breitere Produktpalette mit Zugang zum China-Markt ins Hause holen.
Mogelpackung im Alltagsbetrieb
Wenn die Batterieladung im C10 REEV zu niedrig wird, schaltet sich zur Stromerzeugung weitgehend geräuschlos der gut gekapselte Verbrenner ein und lädt so die Batterie wieder auf – das bringt letztlich eine stattliche Reichweite bis an 1.000-Kilometer-Marke. Der Normverbrauch auf dem Papier ist mit 0,4 Liter Super auf 100 Kilometern minimal – der CO2-Ausstoß mit 10 Gramm minimal. Am „Schnelllader“ kann der C10 wie gesagt mit maximal 65 kW nachgeladen werden. Vielfahrer dürften im Alltag deshalb die Ladesäule meist links liegenlassen und den Verbrenner für Vortrieb sorgen lassen. Mit entsprechenden Folgen für den CO2-Ausstoß. Da wird dann aus dem Hybridantrieb eine Mogelpackung.

Sämtliche Funktionen des Leapmotor werden über den 15 Zoll großen Touchscreen über der Mittelkonsole gesteuert. Fotos: Leapmotor
Im Innenraum ist der Leapmotor C10 REEV von seinen Brüdern ohne Range Extender nicht zu unterscheiden. Es gibt viel Raum, eine solide Verarbeitung und eine Bedienung der Neuzeit ohne haptische Taster. Nahezu alles wird über den zentralen 15-Zoll-Bildschirm bedient. Das macht es nicht immer einfach, sich in den Untermenüs zurecht zu finden, etwa um Warntöne auszustellen oder Einstellungen zu ändern. Ein paar Direkttaster fehlen und der Sitzkomfort der Kunstlederstühle könnte auf längeren Strecken besser sein. Wieso bei aller Hightech-Ausstattung ein Head-Up-Display ebenso fehlt wie abblendbare Spiegel, dürfte ein chinesisches Geheimnis bleiben.
Es gibt schlechtere Angebote
Doch das Geräuschniveau ist gering, das Platzangebot vorne wie hinten gut und für knapp 40.000 Euro gibt es sonst deutlich schlechtere Crossover – mit oder ohne Elektroantrieb, ganz sicher aber ohne Range Extender. Der Fahrwerksabstimmung fehlt etwas die Detailliebe, denn gerade bei langen Bodenwellen schwingt die Karosserie nach, während Bodenunebenheiten wie Straßenbahnschienen oder zerborstene Fahrbahnen sich im Innenraum stärker als gewünscht bemerkbar machen.