Die Kunden von Maingau Energie werden ihre Elektroautos vorerst auch weiterhin an den Schnellladestationen von Ionity in Europa laden können. Nach langen und schwierigen Verhandlungen verständigten sich der Energieversorger aus Obertshausen und das Ionity-Betreiberkonsortium darauf, die Zusammenarbeit vorerst fortzusetzen. Für die Kunden von Maingau ändert sich nichts: Sie werden den Ladestrom bei Ionity weiterhin für 35 Cent pro Kilowattstunde (kWh) beziehen können. Über weitere Details des neuen Roaming-Vertrags wollten sich die Partner nicht äußern: Es sei Verschwiegenheit vereinbart worden.

Wie in einer früheren Version des Artikels geschildert, lief es zu Wochenbeginn noch auf eine Scheidung beider Partner hinaus. Wie zuvor schon EnBW könne sich der Energieversorger aus Obertshausen im Rhein-Main-Gebiet mit dem Betreiberkonsortium von Ionity nicht über einen neuen Roaming-Vertrag mit Vorzugskonditionen einigen, hatte EDISON aufgrund einer Indiskretion aus Autoindustrie und Verhandlungskreisen erfahren. Doch dann folgten „intensive Diskussionen über 48 Stunden“ – mit dem Ergebnis, dass die Trennung doch noch abgesagt und bereits vorbereitete Erklärungen geschreddert werden konnten. Erleichtert darüber zeigten sich nicht nur die Kunden von Maingau, sondern auch Manager von Ionity: Nach der Trennung von EnbW (und den damit verbandelten ADAC e-Charge-Kunden) wäre der Verlust eines weiteren Roaming-Partners schmerzlich gewesen.

Die alten Verträge mit den Roaming-Partnern waren von Ionity am 31. Januar im Zusammenhang mit der Umstellung auf ein neues Tarifmodell gekündigt worden. Wurde zuvor pro Ladevorgang eine Pauschale aufgerufen, wird der Gleichstrom an den inzwischen 232 HPC-Stationen von Ionity in Europa seitdem Kilowattstunden-genau abgerechnet. Für Kunden ohne Vertragsbindung kann das sehr teuer werden: Pro Kilowattstunde (kWh) werden 79 Cent fällig. Von den Kunden der Telekom-Tochter Comfort Charge werden sogar 89 Cent gefordert. Deutlich billiger davon kommen nur Besitzer von Elektroautos aus dem Betreiberkonsortium (BMW, Daimler, Volkswagen-Konzern), sofern sie sich vertraglich binden und ihre Stromlieferungen über den Autohersteller abrechnen.

Ab 2. April können EnBW-Kunden nicht mehr an den Ultra-Schnellladern von Ionity Strom zapfen: Die Preispolitik sei "nicht akzeptabel", kritisiert der Energieversorger. E-Mobilität

Auch Kunden von EnBW und Maingau Energie kamen zunächst noch in den Genuss von Sonderkonditionen. Doch bei EnBW ist damit nun Schluss: Über die Mobility+-App von EnBW lassen sich die Ionity-Lader ab Donnerstag, 2. April, nicht mehr freischalten.

Die Trennung von EnBW und die heftigen Reaktionen des Marktes auch auf die Preiserhöhung war vergangene Woche auch Thema auf einer Versammlung der Ionity-Teilhaber. Wie anschließend verlautete, bedauere man zwar, dass die Partnerschaften nicht fortgeführt werden. Doch an dem neuen Tarifmodell werde man trotz aller Diskussionen festhalten.

Corona bremst den Ausbau des Ladenetzes

Ohnehin plagen den Vorstand von Ionity derzeit ganz andere Sorgen. Seit praktisch in allen Ländern der EU wegen der Corona-Seuche Ausgangs- oder Kontaktverbote gelten, auch Grenzen geschlossen wurden, ist der Reiseverkehr weitgehend zum Erliegen gekommen. Die Folge ist ein massiver Rückgang der Ladevorgänge auch an den Ionity-Stationen. Die Rede ist von einem Minus von über 60 Prozent.

Zudem gibt es Lieferprobleme bei Ladesäulen und Generatoren: Die neuen stylishen Ionity-Stationen der dritten Generation kommen unter anderem von ABB, zum Teil aus Werken in Norditalien. Dort ruht derzeit allerdings die Produktion. Auch wird es immer schwerer den Zeitplan zu halten, weil Ladestationen im Unterschied zu Tankstellen in vielen Ländern nicht als systemrelevante Infrastruktur gelten und Baufirmen deshalb ihre Arbeiten einstellen mussten. Bei Ionity geht man inzwischen davon aus, dass man das Ziel nicht mehr erreichen wird, bis zum Jahresende insgesamt 400 Schnellladestation in Europa in Betrieb zu nehmen.

Von der Leichtigkeit des Ladens
Mehr zum Thema in der aktuellen EDISON-Ausgabe – die gerade als Beilage in der aktuellen „Auto Bild“ und digital bei Readly erschienen ist. Foto: Edison

Hyundai geht eigene Wege

Als Intensiv-Nutzer des Netzes, erfuhr EDISON, hat Ionity übrigens Volkswagen und Hyundai im Auge. Der eine Autohersteller kämpft allerdings damit, die Betriebssoftware für das neue Volks-Elektroauto ID.3 standfest zu machen. Und der andere wartet immer noch darauf, dass die Kartellbehörden grünes Licht für den Beitritt zum Ionity-Konsortium geben. Derweil geht Hyundai Deutschland eigene Wege: In Vorbereitung ist ein Vertrag mit EnBW, der Käufern der Elektroautos Kona und Ioniq Elektro Sonderkonditionen einräumt. Die Rede ist von Stromkosten von 29 Cent/kWh an Wechselstrom (AC)-Ladern und von 39 Cent/kWh an (DC) Schnellladesäulen. Die eigentlich beim EnBW-Vielfahrertarif anfallende monatliche Grundgebühr von 4,99 Euro entfällt hier.

Den vorläufigen Ausschluss vom Ionity-Netzwerk werden die Hyundai-Kunden bei den Konditionen leicht verschmerzen können.

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13 Kommentare

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    Mich packt beim Lesen der Ionity-Schweinereien die kalte Wut.
    Waren E-Autos nicht als Beitrag zum Klimaschutz gedacht? Dieses Abzocker-Konsortium demonstriert mal wieder sehr eindrucksvoll, dass die ganze ‚Sache‘ total verlogen ist. Gänzlich unfassbar ist für mich, dass namhafte Autohersteller hinter diesem Schwachsinn stehen. Wie kann man so grenzenlos dumm sein zu glauben, dass man mit einer (bis zu) 10-fachen Verteuerung des Ladestroms die Verbreitung von Elektroautos im gewünschten Maße ankurbeln kann. Welcher DENKENDE Mensch kauft denn in der derzeitigen Situation ein E-Auto- die Leute mit zu viel Geld und Behörden, die diesen überteuerten Mist von unseren Steuergeldern kaufen, einmal ausgenommen?
    Otto Normalo, der eh total überteuerte Primitivtechnik, und ein E-Motor ist ohne Zweifel Primitivtechnik, kauft, will ja wohl wenigstens preisliche Sicherheit beim Aufladen seines Akkus haben. Zigtausend € Aufpreis für den Akku und aufwändige Elektronik zahlen, dann aber auch noch höhere Betriebskosten als beim Verbrenner hinnehmen zu müssen – geht’s noch?
    Man komme mir jetzt bitte nicht mit dem untauglichen Argument, man müsse ja nicht bei Ionity ‚tanken‘. Nein, muss man nicht. Aber Ionity hat MIR gezeigt, dass dieser ganzen Branche nicht zu trauen ist. Es geht nicht um die Umwelt, es geht ausschließlich ums Geld.
    Aus meiner Sicht sollte der Staat auf lange Sicht die Strompreise für unsere E-Mobilität begrenzen. Wie er das macht ist mir egal. Bei Diesel und Erdgas hat er das quasi subventioniert.
    Noch ein Wort an Hyundai: Verabschiedet euch von Eurer Idee, bei Ionity einzusteigen. Das schadet Eurem Image.

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    Falschmeldung!!! Heute von Maingau richtig gestellt? Journalismus ohne Recherche ist ein Armutszeugnis für die Presselandschaft. Ein Anruf bei Maingau und die Sache wäre geklärt gewesen. Schämt Euch!!!

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    • Franz W. Rother

      Natürlich haben wir bei Maingau angerufen. Die Dame dort wollte allerdings nicht dementieren, sondern verwies nach einem Anruf in der „Fachabteilung“ auf eine Pressemitteilung am Mittwoch. Uns lagen zu dem Zeitpunkt Informationen aus zwei unterschiedlichen – glaubwürdigen – Quellen vor, wonach die Kooperation beendet werde. Wir haben die Informationen abgewogen und uns dann für eine Veröffentlichung entschieden. Ich denke, damit war der journalistischen Sorgfaltspflicht Genüge getan. Die Informationen, die uns seitdem erreicht haben, bestätigen, dass wir nicht völlig falsch lagen.

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  3. Avatar

    Interessant, wie sich dieser Artikel im Laufe des Tages verändert hat. Da hat wohl jemand auf die falschen Quellen gesetzt. 😀

    (Dass die Verhandlungen ein paar Stunden vor Ende der Zusammenarbeit auf einmal doch wieder aufgenommen wurden, nachdem sie anscheinend schon beendet waren, halte ich doch für ziemlich unwahrscheinlich.)

    Ein Hauch von „Fake News“ weht durch die Elektromobilität…..

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    • Franz W. Rother

      Ich verweise auf die aktuelle Version und die Antwort, die ich Christian gegeben habe.

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  4. Avatar

    Die Meldung wurde von Maingau offiziell dementiert

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    • Franz W. Rother

      Warten wir doch mal den morgigen Tag ab

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    Ich war immer offen für neue innovative Ideen und wenn sie aus Deutschland kommen, um so besser.
    Jedoch zum ersten Mal wünsche ich mir, dass ionity vor die Hunde geht.
    Durch den hohen Entwicklungsaufwand und den Unsummen aus dem Steuerzahlertopf, haben solche Unternehmungen keinen Nährwert, außer Geld verbrennen.
    Das ganze ist mal wieder Profitgesteuert und nicht nachhaltig, langlebig orientiert.
    Wobei die Gelder bereits wieder in Yachten, Schmuck und dergleichen Umgetauscht wurden.

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    Abzocker Ionity wird selbst bei einer Preissenkung in Zukunft gemieden. Solche asoziale Unternehmen braucht der Markt nicht!

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    • Franz W. Rother

      Asozial ist nicht, wer mit dem Stromhandel Geld verdienen will. Ob das Geschäftsmodell mit der Strategie aufgeht, ist eine andere Frage.

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        Asozial ist aber wer sich sein Geschäft mit einem dreistelligen Millionenbetrag von EU (fast 40 Mio €) und Deutschland (300 Mio € laut https://emobicon.de/ionity-nach-dem-wirbel-ueber-horrorpreise-beschwerde-eingereicht/) von der Allgemeinheit fördern lässt aber dann für Kunden der eigenen Gesellschafter weiterhin attraktive Preise anbietet und für Nutzer anderer Elektroautos einen etwa doppelt so hohen Preis verlangt und diese damit de facto von der Nutzung ausschließt. Das klingt doch schwer danach, dass die Subventionen ausschließlich den Fahrern der drei Eigentümermarken zugute kommen sollen und die mit öffentlichen Geldern geförderten Ladesäule als Werbemaßnahme für diese Marken dienen sollen nach dem Motto „mit unseren Autos kann man schnell und kostengünstig entlang der Autobahnen laden“. Und das darf ja wohl nicht sein.

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    Schön jetzt kann man den Umsatzeinbruch auf Corona schieben, anstatt auf das Abzockermodell.

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      Völlig richtig!!!!

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