Was kriegt man für 50.000 Euro auf dem Markt für Elektroautos? Eine ganze Menge Fahrzeuge inzwischen. Einen Cupra Born in VZ-Ausführung beispielsweise, 240 kW oder 326 PS stark, mit einer Batteriekapazität von 79 kWh für eine Reichweite von bis zu 570 Kilometer. Der ist ihnen zu klein? Dann könnte der neue Mercedes GLB elektrisch (der heißt tatsächlich so) interessant sein. Der bietet mehr Platz und einen größeren Kofferraum, kommt mit seinem 58 kWh fassenden Akku allerdings nur 430 Kilometer weit – und hat zum Basispreis von 53.454 Euro eine eher spärliche Ausstattung. Selbst die Einbindung des Smartphones in das Multimedia-System kostet Aufpreis.
Da kommt der nagelneue Mazda CX-6e ganz anders, geradezu luxuriös daher. Schon in der Basisausführung Takumi zum Preis von 49.990 Euro sind 19-Zoll-Felgen, elektrische Heckklappe, Head-up-Display, ein großes Panorama-Glasdach, Sitz- und Lenkradheizung an Bord. Der Spurwechsel-Assistent ist ebenso serienmäßig wie eine Wärmepumpe für den Winter und eine Zweizonen-Klimatisierungsautomatik für den Sommer. Um nur ein paar der netten Ausstattungsdetails zu nennen, die der 4,85 Meter lange Elektro-SUV aus Fernost mit sich bringt. Der Heckantrieb mobilisiert bis zu 190 kW oder 258 PS bei einem maximalen Drehmoment von 290 Newtonmeter, der LFP-Akku speichert 78 kWh womit sich im Drittelmix (Stadt/Land/Autobahn) rund 480 Kilometer Reichweite darstellen lassen.

Die Mazda-Designer haben dem CX-6e ein Blechgewand geschneidert, das auch dem Wagenmeister des Luxushotels gefallen dürfte.
Mazda hat sich lange zurückgehalten bei der Antriebswende. Der erste Versuch, der kompakte MX-30, war ein Flop: Zu teuer, zu reichweitenschwach, zu eigenwillig das Türkonzept. Selbst der Einbau eines Wankelmotors als Generator und Reichweitenverlängerer brachte keinen Erfolg. Im Januar wurde der Verkauf des kleinen Stromers eingestellt.
Schnell laden mit bis zu 200 kW
Mit dem ursprünglich nur für den chinesischen Markt und gemeinsam mit Changan entwickelten Mazda 6e unternahmen die Japaner im vergangenen Jahr einen neuen Anlauf in Europa. Auch hier lief zunächst nicht alles rund: Händler wie Kunden wunderten sich, dass die Long Range-Version für 46.500 Euro zwar einen größeren Akku, aber einen schwächeren Antrieb an Bord hatte – und Gleichstrom am Schnelllader mit maximal 90 kW aufnehmen konnte. 47 Minuten dauerte es deshalb, bis die Batterie wieder zu 80 Prozent gefüllt war. Beim „normalen“ 6e dauerte dies nur 24 Minuten.
Kein Wunder, dass die Long Range-Version kaum gefragt war – und in Deutschland schon bald wieder auf dem Lieferprogramm genommen wurde. Und inzwischen hat sich der Mazda 6e auch ganz gut etabliert. Knapp 30.000 Exemplare des Typs wurden hierzulande seit Jahresbeginn verkauft. Und eine neue Lithium-Ionen-Batterie mit 78 kWh Kapazität und einer maximalen Ladeleistung von 200 kW könnte dem Modell in der zweiten Jahreshälfte weiteren Schub geben.

Mit einer maximalen Ladeleistung von 200 kW am Highpower-Charger blockiert der Mazda den Charging Hub von Audi nur kurze Zeit.
Könnte – wenn da nicht das neue Schwestermodell CX6-e wäre. Mit dem gleichen Antrieb, mit der gleichen Batterie, aber einem größeren Platzangebot und – nach dem Geschmack des Autors – einer nochmals schöneren Außenhaut. Im Mazda-typischen „Soul Red“, in dem unser Testwagen gegen einen Aufpreis von 1340 Euro lackiert war oder auch einer Lackierung in „Nightfall Violet“ kann er locker in der Oberliga mitspielen. Zumal auch der Innenraum schon in der Basisversion überaus geschmackvoll eingerichtet ist. In der 3000 Euro teureren „Takumi Plus“-Version kommen unter anderem zweifarbige Sitzbezüge, 21-Zoll-Räder sowie digitale Außenspiegel dazu. Damit spielt man dann zumindest ausstattungstechnisch auf Audi-Niveau.
Sport liegt dem Mazda nicht so sehr
Die Ingolstädter geben ihrem Q4 e-tron für 53.000 Euro allerdings 210 kW und 545 Nm Drehmoment mit – ein wenig mehr „Wumms“ hätte auch dem Mazda CX-6e gut getan. Für den Sprint auf Tempo 100 braucht er im Sport-Modus 7,9 Sekunden – 1,3 Sekunden mehr als der Audi. Das Ampelrennen verliert der 2,2 Tonner damit klar. Und bei 180 km/h ist auch schon Schluss mit der Beschleunigung.
Eine gewisse Sportlichkeit spürt man im Mazda allenfalls beim Fahrwerk, das im Entwicklungszentrum in Oberursel auf den europäischen Geschmack abgestimmt wurde. Eine variable Dämpferverstellung haben sie sich aber leider verkniffen. In China, so vermuten wird, rollt er weicher über Fahrbahnunebenheiten. Seine Stärke ist das entspannte Dahingleiten. Hier zeigt er dank zahlreicher akustischer Maßnahmen eine beispielhafte Laufruhe.

468 Liter fasst der Kofferraum des Mazda CX-6e, in den Frunk vorne passen weitere 80 Liter. Das sollte in den meisten Fällen genügen.
Das Platzangebot ist in beiden Sitzreihen großzügig, vier Erwachsene finden hier ausreichend Knie- und trotz Glasdach mit Jalousie auch Kopffreiheit wieder. Der Kofferraum hat ein Ladevolumen von 468 Litern, das sich bei umgeklappter zweiter Sitzreihe auf 1.434 Liter erweitern lässt. Zusätzlich gibt es unter der Fronthaube einen Frunk, der weitere 80 Liter fasst. Und sollte das immer noch nicht reichen: An die (optionale) Anhängerkupplung kann eine Last von 1500 Kilogramm genommen werden. Das passt alles und weiß zu gefallen.
Bereits 1200 Vorbestellungen
Gewöhnen werden sich Mazda-Kunden (und solche, die es gerade erst geworden sind) an das Bedienkonzept, bei dem nach Tesla-Vorbild fast alle Funktionalitäten über einen großen Touchscreen und Untermenüs gesteuert werden. Immerhin wird das Handschuhfach noch in klassischer Manier geöffnet und der (nicht rastende) Blinker per Lenkstockhebel aktiviert. Aber wer eines der zahlreichen Assistenzsysteme abschalten möchte, tut gut daran, dies bei Fahrtantritt zu tun – sonst gibt es eine lautstarke Ermahnung aus dem Off. Nicht einmal einen analogen Lautstärkeregler gibt es. Und das Symbol dafür auf dem breiten (und aufgesetzt wirkenden) Touchscreen ist recht klein geraten. Da bleibt dem Fahrer nur der Griff auf die Minus-Taste am Lenkrad.

Passend zu der Außenlackierung in Nightfall-Violett gibt es auf Wunsch auch einen lilafarbenen Innenraum. Foto: Mazda
Ansonsten aber weiß der Neue durchaus zu gefallen. Die maximale Ladeleistung von 200 kW geht für ein Elektroauto mit 400-Volt-Architektur in Ordnung, der durchschnittliche Stromverbrauch auf unser Testrunde von 19,1 kWh/100 km auch.
Das könnte was werden mit dem CX-6e in Europa. Vom konventionell angetriebenen CX-60 (der als Plug-in-Hybrid zum Startpreis von 50.990 angeboten wird, als ähnlich starker Diesel für 57.250 Euro) hat Mazda in Deutschland bis Ende August knapp 4000 Einheiten verkauft. Bei den aktuellen Benzinpreisen dürfte der elektrische Counterpart locker auf eine ähnliche Größenordnung kommen. 1200 Vorbestellungen liegen angeblich bereits vor.