Der elektrische CLA war für Mercedes ein großer Schritt und die Schwaben feiern noch immer ihren neuen AMG GT – beide mit Elektroantrieb – als technischen Neustart der Sternenmarke. Doch kein Mercedes hat in den vergangenen 15 Jahren einen derart großen Sprung nach vorn gemacht wie der neue Mercedes VLE, der mit VLS und VLS Maybach sogar bald noch zwei edlere Brüder bekommt. Richtig ist auch die Entscheidung, dem Nachfolger des V-Klasse deshalb auch eine neue Nomenklatur umzuhängen – Mercedes VLE. Mit zwei Radständen ist er ab der zweiten Jahreshälfte 2027 übrigens auch mit einem Verbrenner zu bekommen.

Doch zunächst einmal geht es mit zwei Elektroversionen los. Mit dem Mercedes VLE 300 als 203 kW oder 276 PS starker Fronttriebler – und dem VLE 400 4matic, der seine Antriebsleistung von 310 kW oder 422 PS auf zwei Achsen aufteilt. Das Leergewicht ist mit knapp über drei Tonnen gewaltig, doch der tiefe Schwerpunkt des 115 kWh großen Batteriepakets und die fein abgestimmten Elektromotoren schieben den 5,31 Meter langen Familienvan heftig an – jedoch mit spürbaren Antriebskräften im Steuer. Die Lenkung ist überraschend leichtgängig und die Abstimmung durch die Kombination aus Luftfeder und Hinterachslenkung ebenso komfortabel wie agil.

Luxus-Taxi 
Der 5,31 Meter lange Mercedes VLE verfügt über ein 115 kWh großes Batteriepaket, mit dem sich bis zu 710 Kilometer darstellen lassen.
Luxus-Taxi
Der 5,31 Meter lange Mercedes VLE verfügt über ein 115 kWh großes Batteriepaket, mit dem sich bis zu 710 Kilometer darstellen lassen.

Dabei geht es aus dem Stand in 6,5 Sekunden auf Tempo 100 und abgeregelt wird bei 180 km/h. Dabei ist das Geräuschniveau beeindruckend gering. Die mitlenkende Hinterachse mit einem ungewöhnlich großen Einschlagwinkel von sieben Grad sorgt dafür, dass sich der Elektrokoloss trotz seines mächtigen Radstandes von 3,34 Meter in der Innenstadt bewegen lässt wie ein Kompaktklassemodell.

Laden mit bis zu 300 kW

Leichter denn je lässt er sich so auf einen Ladeparkplatz jonglieren, wo der gefällig gestylte Koloss am Schnelllader auf Wunsch mit mehr als 300 kW erstarkt. Die Reichweite bis zum nächsten Ladestopp: Dank des WLTP-Normverbrauchs von 21,1 kW/100 km sind angeblich mehr als 630 Kilometer drin. Der Fronttriebler mit dem 276-PS-Antrieb soll sogar mehr als 710 Kilometer schaffen.

Doch es ist nicht allein der deutliche Gewinn an Fahrdynamik, den der neue Mercedes VLE vermittelt. Der Nachfolger der Mercedes V-Klasse lässt auch dank variabler Luftfederung im Fahrbetrieb andere Raumgleiter wie den VW ID.Buzz, Ford E-Transit oder Kia PV5 hinter sich. Er greift in den Topvarianten selbst einen Mercedes EQS SUV an. Denn wer auf langen Strecken entspannt reisen und ein geradezu opulentes Platzangebot genießen will, ist in einem VLE gut aufgehoben. Bei den luxuriösen Brüdern VLS und VLS Maybach dürfte die Wahl zwischen Van, Limousine oder SUV noch schwerer werden.

Von wegen Mäusekino
 Wie im Mercedes EQS oder im CLA verfügt auch der neue Transporter über den MBUX-Hyperscreen. Fotos: Mercedes-Benz
Von wegen Mäusekino
Wie im Mercedes EQS oder im CLA verfügt auch der neue Transporter über den MBUX-Hyperscreen. Fotos: Mercedes-Benz

Auch weil sich für den Fall der Fälle das Ladevolumen von knapp 800 auf mehr als 4.000 Liter erweitern lässt. Ab Anfang 2027 kommt die XL-Version ins Programm, die den Mercedes VLE auf 5,48 Meter verlängert. Bitter: Bei der Basisversion – Zielgruppe Taxibetreiber – sind nur die beiden Schiebetüren serienmäßig elektrisch. Die zweiteilig sich öffnende Hecktür ist hier ebenso mechanisch wie die Sitzverstellung – in dieser Preisklasse ist das einem Kunden kaum zu erklären. Praktisch hingegen: Mit wenigen Handgriffen lassen sich die Fondsitze ausbauen und auf Rollen in die Garage schieben.

Einzigartiger Luxus im Fond

Imposanter denn je reist es sich im edlen Fond es Mercedes VLE, der auf Wunsch elektrische Komfortsitze wie in der interkontinentalen Flug-Business-Class bietet. Massage, Heizung, Lüftung – dazu Kühlbox, zahllose USB-Ports, Ablagen und ein gigantischer 31-Zoll-Großbildschirm, der aus dem Dach ausfährt, während sich zeitgleich die Scheiben herum zum Kinoerlebnis verschatten. So etwas bietet aktuell zumindest in Europa kein anderer Hersteller. Selbst die zahlreichen Luxusvans aus China dürften bei der neuen V-Familie aus Stuttgart – produziert im nordspanischen Vittoria – mehr als einmal genau hinschauen.

Platz ohne Ende
Ehe die besonders edle Maybach-Variante im großzügigen Fond das maximal Mögliche in Sachen Komfort und Luxusanspruch zeigt, ist der sechssitzige VLE mit zwei Einzelsitzen im Fond und zwei weiteren Plätzen in der dritten Reihe die beste Wahl.
Platz ohne Ende
Ehe die besonders edle Maybach-Variante im großzügigen Fond das maximal Mögliche in Sachen Komfort und Luxusanspruch zeigt, ist der sechssitzige VLE mit zwei Einzelsitzen im Fond und zwei weiteren Plätzen in der dritten Reihe die beste Wahl.

Wahlweise ist die „Grand Limousine“, wie sie Mercedes im prallvollen Produktportfolio positionieren will, mit fünf, sechs, sieben oder gar acht Sitzplätzen zu bekommen. Ehe die besonders edle Maybach-Variante im großzügigen Fond das maximal Mögliche in Sachen Komfort und Luxusanspruch zeigt, ist der sechssitzige VLE mit zwei Einzelsitzen im Fond und zwei weiteren Plätzen in der dritten Reihe die beste Wahl.

Die Preise des neuen Mercedes VLE sind zugegeben happig. Bereits der Basisversion des Mercedes VLE 300 mit Frontantrieb und mäßiger Serienausstattung kostet mehr als 82.000 Euro. Ein gut ausgestatteter VLE 400 4matc dürfte rund 120.000 Euro kosten – also auch hier S-Klasse-Niveau.

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