Während die Mercedes S-Klasse kürzlich nur eine gründliche Modellpflege bekam, sieht es bei der V-Klasse ganz anders aus. Der Nachfolger, der im März seine offizielle Premiere feiert, heißt zukünftig VLE. Wir waren bei den letzten Erprobungskilometern am Polarkreis und in Südafrika dabei. Keine Frage – dieser Van wird das Segment neu definieren.
Denn während die Konkurrenz in den vergangenen Jahren in erster Linie auf Kosten und Plattformen achtete, geht Mercedes in die Vollen. Das drückt nicht allein der neue Name aus. Denn aus der V-Klasse – und dem vollelektrischen Mercedes EQV – wird in der nächsten Generation nicht allein der VLE, sondern es wird auch eine Luxusversion namens VLS geben. Und mit Blick auf den so wichtigen chinesischen Markt ist auch eine edle Maybach-Version beschlossene Sache. Auf der anderen Seite wird es auf gleicher Plattform eine neue Generation von Nutzfahrzeugen geben, die optisch nichts mit VLE und VLS gemein hat, sich jedoch eine Plattform teilt.

Bei einer Heißlanderprobung und Kältetests am Polarkreis müssen die Elektro-Vans kurz vor dem Verkaufsstart ihre Qualität beweisen.
Schließlich will Mercedes bei den Luxus-Vans erstmals auch in China, den USA und Kanada erfolgreich sein. Und da ist es wichtig, dass sich ein solcher Nobel-Großraumtransporter nicht wie ein Nutzfahrzeug anfühlt. „Das würden die Kunden in China nicht akzeptieren“, erklärt Entwicklungschef Andreas Zygan und verweist auf die Tatsache, dass im Reich der Mitte – wie schon länger in Deutschland etwa durch Brabus – Tuner die V-Klasse aufpeppen und teuer verkaufen. Dieses Geschäft wollen die schwäbischen Cleverles künftig selbst mitnehmen.
Mercedes bringt sich gegen Asiaten in Stellung
Der erste Schuss muss sitzen und so geht Mercedes beim neuen VLE als Van für den Personentransport in die Vollen. Bereits der VLE ist schick und edel – keine Gemeinsamkeiten mehr mit dem aktuellen Modell, das die Schwaben bereits gegen den VW T6 in Führung brachten. War es damals unter dem früheren Van-Chef Volker Mornhinweg noch ein behutsames Überholen, lässt Mercedes den Wettbewerber aus Hannover, der sich mit dem Dreierpack aus VW T7, dem ID Buzz sowie dem zusammen mit Ford entwickelten VW Transporter verzettelt hat, weit hinter sich.

Der Mercedes VLE soll mit Allradantrieb auch hohe Anhängelasten an den Haken nehmen können, ohne dass der Antrieb heiß läuft.
Denn damit der neue Mercedes VLE vom Kunden als echter Neustart wahrgenommen wird und gegen die neuen Luxusvans wie den „Mega“ von Li Auto, den Zeekr Mix, den Xpeng G9 sowie den Denza D9 aus China oder auch den Lexus LM eine Chance hat, darf sich der noble Großraumtransporter nicht wie ein Nutzfahrzeug anfühlen. „Das würden die Kunden in China nicht akzeptieren“, sagt Zygan. Dafür gibt es kurz vor dem Marktstart nochmals finale Tests in Eis und Schnee am Polarkreis auf der einen Seite und eine finale Heißlanderprobung am anderen Ende der Welt in der Nähe von Kapstadt.
800-Volt-Technik und bis zu 400 kW Antriebsleistung
Der Mercedes VLE / VLS startet auf der neuen Plattform Van.ea zunächst als Elektroversion. Somit bleibt die V-Klasse zunächst im Programm – bis der VLE im kommenden Jahr auf der Van.ca-Basis auch als Verbrenner nachgelegt wird. Nachdem die Umbauarbeiten im spanischen Werk Vitoria aufgeschlossen sind, laufen nun die Vorbereitungen für die Serienproduktion auf Hochtouren. „Der neue VLE ist das erste Fahrzeug unserer neuen, modularen und hochflexiblen Van-Architektur“, erläutert Thomas Klein, Leiter der Van-Abteilung von Mercedes. „In Rekordzeit haben wir den VLE von den ersten Konzeptüberlegungen zur Serienreife gebracht. Wir haben dazu im gesamten Entwicklungsprozess konsequent innovative, digitale Methoden genutzt und dabei signifikante Effizienzen geschaffen.“

Eine 800-Volt-Architektur sorgt dafür, dass die großen Akkus im Fahrzeugboden des Mercedes VLE blitzschnell geladen werden können.
Mitte des Jahres wird das Van-Doppelpack beginnend mit dem VLE auf die Märkte rollen und die neue Elektroplattform mit technischen Finessen wie 800-Volt-Technik, über 500 Kilometer Reichweite und Allradlenkung schrittweise einführen. Bis zu 400 kW Antriebsleistung, Allradantrieb und eine Reihe neuer Fahrerassistenzsysteme sind fest eingeplant. Später folgt auch noch eine preiswertere Nutzfahrzeugversion ohne Chromzierrat. Der klassische Sprinter wurde erst 2024 aufgefrischt und soll mit Dieseltriebwerken auch weiterhin eine nennenswerte Rolle im Portfolio der Van-Sparte spielen.