Für die einen ist es ein Frevel, die Zerstörung von automobilhistorischem Kulturgut – für die anderen eine Zeitreise in die Zukunft: Der Umbau eines Oldtimers zu einem Elektromobil. So genannte Classic Car Conversions sind in den Vereinigten Staaten und Australien schon eine ganze Weile populär, auch hierzulande haben sich einige Kleinunternehmen aus der Kfz-Branche auf die Elektrifizierung alter Autos spezialisiert. Aber auch immer mehr Autohersteller betätigen sich auf dem Markt – speziell in Großbritannien. Aston Martin pflanzte dem DB6 einen Elektroantrieb ein, Jaguar der legendären E-Type. Hierzulande hat sich unter anderem Volkswagen Nutzfahrzeuge am Umbau eines VW-Bus versucht – im März soll auf der Oldtimer-Messe Techno Classica in Essen das Thema noch einmal aufgegriffen werden.

Per „Conversion“ zum Elektroauto

All die Projekt ließen einem Team im (zum BMW-Konzern zählenden) Mini-Werk Oxford wohl keine Ruhe. Sie nahmen sich drei Exemplare des Ur-Mini Cooper (Mk I-VII) aus den 1960er bis 70er Jahren vor und bauten sie zum Stromer um. Der quer eingebaut Vierzylinder-Motor flog ebenso raus wie die Auspuffanlage und das Viergang-Getriebe. Ersatzweise wurden ein moderner Elektromotor mit 90 kW Leistung und ein kleiner Hochvolt-Akku verbaut.

Jaguar E-Type Zero

Jaguar E-Type Zero

Schon 2018 präsentierte Jaguar den Prototypen eines vollelektrischen E-Type. Unter der langen Haube saß ein Elektromotor mit 220 kW Leistung und ein Akku mit 40 kWh Speicherkapazität für eine Reichweite von 270 km. Rund 70.000 Euro sollte der Umbau kosten. Doch nur ein Jahr später stoppte Jaguar das Projekt. Foto: Jaguar

ZeroLabs aus Los Angeles hat sich auf die Elektrifizierung des Ford Bronco und des klassischen LandRover Defender der Serie III spezialisiert. Gewählt werden kann ein Antrieb mit 300 und 600 kW Leistung. Foto: ZeroLabs

e-Bulli-Studie von VW Nutzfahrzeuge

e-Bulli-Studie von VW Nutzfahrzeuge

Unter dem Namen eClassivs will Volkswagen künftig Umbauten des VW T1 und auch Komplettfahrzeuge anbieten. Als Basis wählte das Team in Hannover einen Samba-Bus aus dem Jahr 1966. Im Heck sitzt nun statt des ursprünglichen, 32 kW starken Vierzylinders ein 61 kW starker Elektromotor. Foto: Volkswagen Nutzfahrzeuge

Maschinenraum des T1 Samba Bus

Maschinenraum des T1 Samba Bus

Ein Hochvolt-Akku mit einer Speicherkapazität von 45 kWh speist den Elektromotor im Fahrzeugheck, der doppelt so stark ist wie die ursprüngliche Maschine. Bis zu 200 Kilometer beträgt die Reichweite. Foto: Volkswagen

Porsche 911 E aus Aachen

Porsche 911 E aus Aachen

Von wegen Sechszylinder-Boxer: Diesen Porsche 911 aus dem Jahr 1981 treibt ein Elektromotor des Aachener Herstellers Engiro an. Die E-Maschine ist so kompakt, dass im Heck noch ein Teil der Batterie untergebracht werden konnte. Die Reichweite? 250 Kilometer mit einer Ladung. Foto: Engiro

DB 6 Elektromod

DB 6 Elektromod

Das britische Unternehmen Lunaz hat einen alten Aston Martin DB6 aus den 60er Jahren komplett zerlegt, gescannt und dann in ein Elektroauto umgebaut, das mit einer Akkuladung immerhin 400 Kilometer weit kommen soll. Foto: Lunaz

Über die Speicherkapazität der Batterie hat der Mutterkonzern das Tuch des Schweigens geworfen – die Rede ist lediglich von einer Reichweite von rund 160 Kilometern und einer Beschleunigung in etwa neun Sekunden auf Tempo 100. Zum Vergleich: Der fossile Urtyp kam mit einer Füllung seiner 34-Liter-Tanks deutlich über 500 Kilometer weit. Und bis er auf Tempo 100 kam, vergingen mehr als zehn Sekunden. Allerdings war der von Alec Issigonis entwickelte Auto-Zwerg auch nur gut 650 Kilogramm schwer. Nach dem Umbau auf den Elektroantrieb dürfte der Mini deutlich schwerer sein – wir tippen mal auf über ein Gewicht von etwa 1,5 Tonnen.

Vierzlinder wird vorsorglich eingelagert

Immerhin: Die Optik des ursprünglichen Entwurfs blieb beim Umbau gewahrt. Sogar das klassische Zentralinstrument blieb erhalten. Nur dass die Uhren jetzt nicht mehr den Tankinhalt und die Drehzahl des Motors, sondern den Füllstand der Batterie und die Reichweite anzeigt.

Unter dem Namen Mini Recharged soll der Umbau auf den Elektroantrieb zahlungskräftigen Oldtimer-Besitzern angeboten werden. Der Verbrennungsmotor landet dabei nicht auf dem Schrott, sondern wird gekennzeichnet und eingelagert – für den Fall, dass das Auto zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurückgerüstet werden soll. Zum Beispiel, wenn synthetische, CO2-neutrale Kraftstoffe in ausreichender Menge verfügbar sind. Oder wenn das Stromnetz unter dem Ansturm der Elektroautos und einer Vielzahl anderer Großverbraucher kollabieren sollte.

Was der Umbau zum Stromer kostet, sagt BMW nicht – je nach Zustand des eingelieferten Originals dürfte der Preis variieren. Die Elektrifizierung des E-Types bei Jaguar kostete seinerzeit immerhin rund 70.000 Euro. Nach der Umrüstung auf den Elektroantrieb braucht der E-Mini übrigens keine neue Zulassung. Sein H-Kennzeichen müsste er hierzulande aber ablegen. Denn historisch ist an dem Elektromod nach der Transplantation nur noch der äußere Schein.

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