An der Rastanlage Lipperland Süd entlang der Autobahn A2 wurde der erste deutsche Megawatt Ladepunkt für E-Lkw im öffentlichen Raum in Betrieb genommen. Der Ladepunkt in der Nähe von Bielefeld ist Teil des vom Bundesverkehrsministerium und der EU geförderten Projekts „HoLa – Hochleistungsladen im Lkw-Fernverkehr“. Deutlich wurde: Die Netzanschlussproblematik trifft auch die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI koordiniert gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen P3 Group das Projektkonsortium „HoLa“. Das Konsortium besteht aus insgesamt 13 Partnern, die aus Fahrzeugbau, Energieversorgung, Netzbetrieb, Autobahnbewirtschaftung und Forschung kommen. Mitglieder sind unter anderem EnBW Mobility+, ABB E-Mobility, Heliox sowie die E-Lkw-Hersteller Daimler Truck, Man, Scania und Volvo. In einem ersten Schritt errichtet das Konsortium an vier Standorten Megawatt-Ladestationen entlang zentraler Autobahnabschnitte in Deutschland.

Der Erste von 1000
Eröffnung des bundesweit ersten Megawatt-Ladepunktes für Elektro-Lkw im HoLa-Netzwerk an der A2 im Lipperland. Foto: MAN

Damit testen die Projektpartner die Technologie unter realen Bedingungen und schaffen so die „Grundlage für einen flächendeckenden Hochlauf der Ladeinfrastruktur“, wie es Patrick Plötz, Gesamtkoordinator des „HoLa“-Projekts, vor Ort ausdrückte. Plötz zeigte sich hinsichtlich der Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs bei der Eröffnung des Ladepunkts optimistisch. „Mit dem Megawattladen beginnt ein neues Kapitel der elektrischen Logistik. Das Projekt HoLa zeigt, dass Ladeinfrastruktur, Netzanschluss und Fahrzeuge heute schon zusammengebracht werden können.“

Strombedarf einer Kleinstadt

Plötz machte aber auch klar, dass das Megawatt-Laden noch vor einigen Herausforderungen steht. Insbesondere die Netzanschlüsse könnten sich zu einem echten „Bottleneck“ entwickeln. Eine Sorge, die auch Johannes Pallasch, Leiter Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur, bereits im Juli 2024 anlässlich des Aufbaus des Lkw-Schnellladenetzes äußerte. Für die stromhungrigen E-Lkw werden Netzanschlüsse in Kleinstadtgröße benötigt. In Zeiten ohnehin knapper Netzanschlüsse ist das eine echte Herausforderung.

Unter Hochspannung
Für die stromhungrigen E-Lkw werden Netzanschlüsse in Kleinstadtgröße benötigt, wenn sie zeitgleich laden müssen. Foto: Kempower
Unter Hochspannung
Für die stromhungrigen E-Lkw werden Netzanschlüsse in Kleinstadtgröße benötigt, wenn sie zeitgleich laden müssen. Foto: Kempower

Christian Rehtanz, Professor für Energiesysteme und Energiewirtschaft an der TU Dortmund und innerhalb des Projekts verantwortlich für die Netzintegration, betonte die Notwendigkeit guter Abstimmungen. „Die Forschungen haben gezeigt, dass es keine unüberwindbaren Hürden für die Netzintegration von Ladeparks gibt, aber eine kluge Detail- und Ausbauplanung erforderlich ist.“ Denn auch das habe die Inbetriebnahme des ersten Megawattladepunkts gezeigt: Die technische Inbetriebnahme stelle nicht das größte Problem dar, sondern vielmehr Bürokratie, Genehmigungen und Absprachen. Dies machten auf der Veranstaltung verschiedene Akteure deutlich.

Leitstelle sichert Netzanschlüsse Jahre im Voraus

Plötz indes begrüßte das Vorgehen der Nationalen Leitstelle, Netzanschlüsse an unbewirtschafteten und bewirtschafteten Rastanlagen weit im Voraus der Inbetriebnahme zu sichern – auch dann, wenn noch gar kein Betreiber für die Ladeinfrastruktur feststeht. Bis 2030 rechnet Plötz mit einem Bedarf von 1.000 Lkw Ladepunkten in Deutschland.

In Kooperation mit dem Branchendienst energate.

Damit hielt er bei der Eröffnung des Megawatt-Ladepunktes an ursprünglichen Berechnungen des Fraunhofer ISI fest. Dieses hatte im Frühjahr 2024 – ebenfalls im Rahmen des „HoLa“-Projekts – einen Bedarf von mindestens 1.000 Ladepunkten berechnet. Dabei kritisierte das Institut die Ausbauziele der Bundesregierung als zu klein. Im Juni 2024 gab der Bund dann bekannt, im Rahmen des E-Lkw-Ladenetzes 1.800 Megawatt-Stationen bauen zu wollen – also weit mehr, als vom Fraunhofer berechnet.

Projektbeteiligte ziehen an einem Strang

Bei der Eröffnung des Ladepunkts an der Rastanlage Lipperland Süd betonten die Projektbeteiligten, gemeinsam an einem Strang ziehen zu wollen. So seien die vier angeschlossenen europäischen E-Lkw-Hersteller aktiv an der Entwicklung und Erprobung des Standards beteiligt. Neben der Demonstration der Technik umfasst das Projekt auch umfangreiche Analysen zur Netzintegration, Standortwahl, Wirtschaftlichkeit und Nutzerakzeptanz. Die Erkenntnisse fließen direkt in die Weiterentwicklung der Ladeinfrastrukturplanung auf Bundes- und EU-Ebene ein. Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium, betonte auf der Veranstaltung das schnelle Laden als Grundvoraussetzung für die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs. „Das Megawattladen ermöglicht es erstmals, schwere Lkw in extrem kurzer Zeit für lange Strecken aufzuladen“, so Hirte in Bielefeld. Damit werde der Einsatz von batterieelektrischen Lkw im Fernverkehr flexibler und wirtschaftlicher.

(Quelle: energate)

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