Wie der Designer des Seres 3 heißt, wissen wir nicht. Aber seine Inspirationsquellen kennen wir: Den Ford Kuga hat er studiert, den Audi Q3 und auch den Chevrolet Bolt. Die Mercedes-Konzeptstudie Vision EQS muss ihn schwer beeindruckt haben. Und im Jaguar XJ hat er wohl schon gesessen. Denn aus all den Eindrücken hat er für den chinesischen DFSK-Konzern ein 4,39 Meter langes Elektro-SUV geschaffen, der über den Importeur Indimo Automotive jetzt auch in Deutschland erhältlich ist. Mit einem 120 kW (163 PS) starken Frontantrieb und einer 53,6 Kilowattstunden (kWh) großen Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie im Fahrzeugboden. Und das Ganze zu einem Brutto-Listenpreis von 36.910 Euro in der Komfort- und von 40.480 Euro in einer Luxusausstattung. Diese umfasst unter anderem Ledersitze, Panoramadach und allerlei Assistenzsysteme. Zieht man Umweltbonus und Innovationsprämie ab, landet man bei Einkaufspreisen von 27.340 und 30.910 Euro.

Der neue Opel Mokka-e spielt in der gleichen Preisklasse und verspricht ähnliche Reichweiten, ist aber, was das Platzangebot anbetrifft, deutlich knapper geschnitten und obendrein schwächer motorisiert. Der Kia e-Niro wiederum bietet ein ähnliches Platzangebot, verfügt zum Preis des Seres 3 aber nicht nur über einen schwächeren Antrieb, sondern auch über einen Akku mit einer Speicherkapazität von nur 39,2 kWh. Da könnte man schon ins Grübeln kommen.

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Ein wenig Ford Kuga, ein wenig Chevy Bolt

Der Seres 3 aus China ist eine wilde Stilmischung, aber trotzdem ein recht ansehnliches Elektro-SUV.

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Ladeleistung? Könnte besser sein

An der Schnellladesäule „tankt“ der Seres 3 mit bis zu 65 KW Gleichstrom. An einer Wallbox fließt der Strom aktuell nur mit maximal 6,6 kW in den Akku.

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Alles da, alles sitzt

Der Fahrwahlhebel ist vom Jaguar XJ inspiriert, das Lenkrad leider nur in der Höhe verstellbar.

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Was guckst Du?

Die C-Säule ist von einer kleiner Fensterluke durchbrochen. Beim Rangieren helfen allerdings auch Park-Piepser und Rückfahrkamera.

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Ordentlich Platz

Nicht nur die Lehnen, sondern auch die Sitzflächen der geteilten Rücksitzbank lassen sich umklappen. Darüber entsteht eine ebene Ladefläche.

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Frontantrieb

Blick unter die Fronthaube des Seres 3, die immerhin von zwei Gasdruckdämpfern gehalten wird.

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Von Mercedes inspiriert

Beim Mercedes Vision EQS war der Frontgrill digital und von 188 LEDs erleuchtet. Beim Seres 3 müssen vorerst blaue Aufkleber reichen.

Tatsächlich zieht der schneeweiße Seres 3 einige Aufmerksamkeit auf sich, als er am Ladepark in Hilden bei Düsseldorf den Fastnet-Charger anläuft, um frischen Strom zu zapfen. Samstags treffen sich hier Elektroauto-Enthusiasten aus der Region zu einer Art „Strom-Stammtisch“. Da kommt einiges an Elektro-Sachverstand zusammen.

Hinter Seres stehen Dongfeng und Sokon

Klar gibt es erst einmal jede Menge Fragen. Die Marke Seres ist hierzulande ebenso wenig ein Begriff wie der Hersteller DFSK. Darum hier schnell ein paar Worte zur Aufklärung: Seres ist Joint-Venture des chinesischen Staatsunternehmens und Nutzfahrzeugherstellers Dongfeng mit der börsennotierten Chongqing Sokon Industry Group. Diese baute früher Kleinlieferwagen und hat sich nun auf „New Energy“-Fahrzeuge spezialisiert.

Automotive Know-how ist also jede Menge vorhanden, dank Joint Ventures von Dongfeng mit Nissan, der PSA-Gruppe, Honda und Kia sowie der Kooperation von Dongfeng mit dem langjährigen VW-Partner FAW. Das merkt man dem Seres 3 deutlich an, bei der Sitzprobe ebenso wie im Fahrbetrieb: Die Verarbeitungsqualität ist gut. Und die intensive Beschäftigung – nicht nur des Designers – mit Fahrzeugen aus westlicher Produktion hat sich auch bei der Abstimmung von Antrieb und Fahrwerk ausbezahlt.

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Der Durchschnittsverbrauch (bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und mit Winterreifen an den Achsen) ist mit um die 22 Kilowattstunden (kWh) auf 100 Kilometer nicht zu hoch. Werte unter 20 kWh/100 km scheinen jedenfalls erreichbar. Und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 155 km/h bewegt man sich auf Augenhöhe selbst mit einem VW ID.4: Der regelt spätestens bei 160 km/h ab. „Wahnsinns-„Beschleunigung wie bei einem Tesla Model 3 darf man beim Seres 3 allerdings nicht erwarten: Mehr als 300 Newtonmeter Drehmoment hat der Synchronmotor an der Vorderachse nicht zu bieten. Das reicht für eine Beschleunigung auf Tempo 100 in 8,9 Sekunden. Zum Vergleich: Der gleich schwere, aber schwächer motorisierte Mokka-e bracht dafür 9 Sekunden.

Seres 3 lädt an der Wallbox nur einphasig

Eher nachbessern sollten die Chinesen bei der Ladeleistung: An der heimischen Wallbox nimmt er Wechselstrom aktuell nur einphasig mit maximal 6,6 kW auf. Standard sind mittlerweile 11 kW. An der Fastned-Säule fließt der Gleichstrom mit maximal 55 kW. Theoretisch sollen 65 kW möglich sein. Das ist nicht schlecht, aber auch nicht mehr zeitgemäß: Die Entwicklung strebt klar zu höheren Ladeleistungen .

Rekuperation auf Chinesisch
Der Seres 3 bietet dem Fahrer die Rückgewinnung der Bremsenergie in drei Stufen an. Die zweite Stufe heißt „Chinesisch“, was wohl soviel mit „Normal“ zu übersetzen ist.

Wünschen würde man sich auch ein Lenkrad, das nicht nur in der Höhe verstellbar wäre. Nicht meckern kann man hingegen über das Platzangebot und die Ausstattung des Wagens: Während sich beispielsweise VW beim ID.4 aus Kostengründen für eine simple Stange zum Aufstellen der Motorhaube entschieden hat, glänzt der Seres 3 mit zwei Gasdruckdämpfern. Und beim Chinesen lässt sich nicht nur die Lehne der geteilten Rücksitzbank umlegen, sondern auch die Sitzfläche hochklappen, so dass eine ebene Ladefläche von beeindruckender Größe entsteht.

Bestellt wird der Seres 3 im Internet

Auch sicherheitstechnisch gibt sich der Seres 3 zumindest auf dem Papier keine Blöße. Für Fahrer und Beifahrer sowie die Passagier gibt es insgesamt acht Airbags, serienmäßig sind schon in der Basisversion ABS, ESP, Reifendruck-Kontrollsysteme und andere elektronische Heinzelmännchen an Bord. Auch Spurhalte- und Kollisionswarner gibt es, nur (noch) kein Tempomat mit Abstandshalter. Insofern darf man erwarten, dass sich dieses chinesische Elektroauto besser schlägt als ein Suda SA01: Dieser Preiskracher aus China war am Crashtest des ADAC krachend gescheitert.

Bleibt die Frage, wo es den Seres 3 zu kaufen gibt. Nun, der erste Weg führt über das Internet. Der zweite zu den rund 100 Händlern und Servicepartnern von Indimo in Deutschland. Das erste Kontinent von 200 Autos ist mittlerweile in Deutschland eingetroffen, im Laufe des Jahres sollen hierzulande insgesamt über 1000 Exemplare verkauft werden, ließ der Importeur verlauten.

Es scheint, als müsste man sich den Namen der neuen Automarke merken. Zumal mit dem Seres SF5 schon der nächste Stromer darauf wartet, nach Europa aufzubrechen. Wie sagte Konzernchef Zhang Xinghai bei der Verabschiedung der ersten Schiffsladung nach Deutschland: „Der europäische Markt hat sich zu einem Schlüsselmarkt für die Elektromobilität entwickelt, was unserer Gruppe eine große Chance bietet.“

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