Staus verursachen Milliardenschäden – was weder neu noch überraschend ist. Doch die Lösung kann nicht lauten, mehr und breitere Straßen zu bauen, schon gar nicht in den Städten. Denn hier beansprucht der rollende und stehende Autoverkehr schon heute Platz genug.

Doch viele PKW-Fahrer steigen noch immer nicht auf den Nahverkehr oder das Fahrrad um, weil sie meinen, mit dem eigenen Vierrad schneller zu sein. Doch ihr Zeitgewinn schrumpft, vor allem in den besonders verstopften Städten wie Berlin, München und Düsseldorf, wie jetzt eine Studie des US-Analysehaus Inrix zeigt, einem Spezialisten für das Auswerten von Verkehrsdaten. Die Experten dort ermitteln seit Jahren die volkswirtschaftlichen Schäden durch Staus und welche Städte weltweit besonders betroffen sind. Und das in immerhin in mehr als 900 Kommunen in 43 Ländern.

In diesem Jahr haben sie zum ersten Mal untersucht, wie gut – oder schlecht – der Verkehr in die Innenstädte hinein und zusätzlich auf den bei Pendlern besonders beliebten Strecken fließt. Und haben auf diesen Routen untersucht, wie groß der Zeitverlust ist, wenn ein Bewohner statt mit dem Auto mit Fahrrad oder mit Bus und Bahn unterwegs ist. Am geringsten ist der Vorsprung des Pkws in München und Berlin, hier ist der motorisierte Individualverkehr höchstens 50 Prozent schneller am Ziel. In den übrigen deutschen Stauhochburgen kommt das Fahrrad auf eine 50 bis 100 Prozent längere Fahrzeit als das Auto. Der ÖPNV schneidet schlechter ab (siehe Tabelle).

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Kolumbianer leiden am meisten

Die drei am stärksten von Staus geplagten Städte der Welt liegen laut den Inrix-Verkehrsdaten-Spezialisten alle in Lateinamerika. Quelle: Inrix

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München kommt nicht voran

In Deutschland leiden vor allem München und Berlin an Verstopfung – im Straßenverkehr. Insgesamt kosten die Stau die Autofahrer bundesweit 2,8 Milliarden Euro. Quelle: Inrix

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Ausgebremste Autofahrer

In den Stoßzeiten verlangsamt sich die Durchschnittsgeschwindigkeit auf den Weg in die Geschäftsviertel deutlich. In München erreicht dann ein Pkw noch ein Tempo von 18 km/h. Da können Fahrrad und Nahverkehr durchaus mithalten. In den Spalten „Rad“ und „ÖPNV“ steht, wie viel länger Bürger mit diesen Verkehrsmittel im Tagesdurchschnitt im Vergleich zum Auto unterwegs sind. Quelle: Inrix

Die Studienautoren haben dabei die Wegzeiten im Tagesdurchschnitt verglichen, während der Stoßzeiten kann sich das Bild also noch einmal zu gunsten von Rad und Nahverkehr verschieben – allerdings kommen auch diese Verkehrsmittel dann langsamer voran. Und um die Messdaten sauber vergleichen zu können, haben sie sich auf die von den Autofahrern am stärksten frequentierten Strecken konzentriert. Ein ortskundiger Radfahrer kennt oft Abkürzungen und Nebenstraßen, auf denen er schneller vorankommt als entlang einer Einfallsstraße mit vielen Ampeln. Und er muss am Ziel nicht lange nach einem Parkplatz suchen, was einen Autofahrer viel Zeit und Nerven kosten kann.

E-Bike ST1 von Stromer Ab sofort fördern Finanzämter Diensträder stärker als bisher. Denn was der Bund für die Besteuerung von Elektro-Firmenwagen schon länger beschlossen hat, gilt nun auch für E-Bikes und normale Fahrräder: die 0,25-Prozent-Regel bei der Besteuerung des geldwerten Vorteils. Fahrrad

Im internationalen Vergleich fließt der Verkehr in Deutschland durchaus flüssig

Interessant sind das von Inrix ermittelte Durchschnittstempo, das ein Autofahrer auf dem Weg in die Geschäftsviertel während der Rushhour erreichen kann. Es beträgt in Stauhauptstadt München nur noch 18 Kilometer pro Stunde, in Berlin sind es 21 km/h. Das sind Geschwindigkeiten, die ein halbwegs trainierter Radfahrer ebenfalls im Schnitt erreichen kann. Erst recht wenn er mit einem E-Bike unterwegs ist.

87 Stunden steht ein Münchner Autofahrer pro Jahr im Stau herum, addiert mehr als drei Tage. Doch das ist nichts im Vergleich zu Bogota, der Hauptstadt Kolumbiens. Dort verliert der Bürger mit 191 Stunden weit mehr als doppelt so viel Zeit. Aber auch in Rom (166 Stunden), Paris (165 Stunden) und London (149 Stunden) ist das Vorankommen weitaus beschwerlicher. Und Fahrrad sowie Nahverkehr zeitlich durchaus Alternativen. Es geht also noch schlimmer.

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