Seien wir ehrlich: Der typische Motorradfahrer in Deutschland ist männlich, jenseits der 50 und liebt zwei Dinge – den Sound eines Verbrenners und die Vibrationen beim Schalten. Elektroantriebe hatten es in dieser Community bisher schwer. Zu schwer, zu wenig Emotion und vor allem: zu wenig Reichweite bei zu langen Ladepausen. Doch das finnische Tech-Unternehmen Verge Motorcycles schickt sich an, genau diese Gegenargumente zu pulverisieren.
Wie das Unternehmen im Umfeld der CES mitteilte, ist es ihnen gelungen, den „Heiligen Gral“ der E-Mobilität als erster Motorrad-Hersteller weltweit in die Serie zu bringen: Die Feststoff-Batterie (Solid-State-Battery).
Der Quantensprung: 400 Wattstunden pro Kilo
Das technische Highlight – und hier wird es für Tech-Nerds spannend – ist die Energiedichte der neuen Zellen. Donut Lab gibt diese mit 400 Wh/kg an. Um das einzuordnen: Herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus, wie sie heute in den meisten E-Autos und Bikes stecken, dümpeln oft zwischen 150 und 260 Wh/kg herum.
Verge hat die Energiedichte also mal eben fast verdoppelt. In der Praxis bedeutet das: Man kann viel mehr Energie in den gleichen Bauraum packen, ohne dass das Bike zum unfahrbaren 400-Kilo-Monster mutiert. Nur so ist es möglich, dass die Verge TS Pro trotz lediglich 33,3 kWh Batteriekapazität (im Top-Modell) über weite Strecken agil bleibt.
Die Köpfe dahinter: Donut Lab
Hinter dem technischen Durchbruch steckt keine anonyme Zulieferfirma, sondern Donut Lab. Ursprünglich als Tech-Start-up in Finnland gestartet, gehört das Labor inzwischen fest zum Verge-Universum, tritt aber weiterhin eigenständig auf. Die Ingenieure dort sind keine Unbekannten: Sie haben bereits den markanten, nabenlosen „Donut Motor“ entwickelt, der das Hinterrad der Verge-Bikes so futuristisch aussehen lässt (daher der Name).

Verge stattet seine Elektro-Motorräder ab sofort mit einem neuen Feststoff-Akku von Donut Lab aus, der sich durch eine hohe Energiedichte von 400 Wattstunden pro Kilogramm auszeichnet und über 100.000 Ladezyklen verkraftet, ohne Leistung zu verlieren.
Jetzt legt Donut Lab mit der passenden Batterie nach. Und die versprochenen Daten der Finnen klingen fast zu gut, um wahr zu sein: Die Zellen haben eine Energiedichte von 400 Wattstunden (Wh) pro Kilogramm Gewicht und sollen über 100.000 Ladezyklen durchhalten. Das ist eine Ansage an die Wegwerfgesellschaft – das Motorrad würde mechanisch wahrscheinlich längst den Geist aufgeben, bevor der Akku müde wird. Zudem sind die Feststoff-Zellen extrem sicher: Da keine flüssigen Elektrolyte verwendet werden, ist die Brandgefahr fast null, selbst bei regelmäßiger Schnellladung oder extremen Temperaturen von minus 30 Grad oder über 40 Grad Celsius. Da keine flüssigen Elektrolyte verwendet werden, sind sie zudem hochgradig brandresistent.
Der Gamechanger: Volle Ladung in der Kaffeepause
Während die großen Autohersteller wie Toyota und BYD die neue Batterietechnologie noch entwickeln oder testen, prescht Verge mit dieser Technik nun vor. Die Zahlen, die Verge und Donut Lab dabei auf den Tisch legen, lassen aufhorchen:
- Blitzschnelles Laden: In nur 10 Minuten ist der Akku voll.
- Enorme Reichweite: Bis zu 600 Kilometer sind mit einer Ladung drin.
- Reichweite „tanken“: Wer nur kurz 10 Minuten stoppt, gewinnt bis zu 300 Kilometer Reichweite dazu.
Das Argument vieler konservativer Biker, „Ich will nicht zwei Stunden an der Ladesäule stehen, während meine Kumpels schon das zweite alkoholfreie Weizen trinken“, zieht damit nicht mehr.
Das Bike: Verge TS Pro
Verpackt wird diese Batterietechnik im Modell Verge TS Pro. Wer das Bike noch nicht kennt: Es ist das mit dem „Loch“ im Hinterrad. Auch an der Hardware wurde geschraubt. Der neue „Donut Motor 2.0“ bietet zwar weiterhin brachiale 1.000 Nm Drehmoment, wiegt aber 50 Prozent weniger als sein Vorgänger. Das drückt das Gesamtgewicht der Maschine auf 230 Kilogramm und verbessert das Handling spürbar. Der Sprint von 0 auf 100 km/h ist in sportlichen 3,5 Sekunden erledigt, die Spitzengeschwindigkeit beträgt 200 km/h.

Die Verge TS Pro hat über einen CCS-Anschluss, über den an Schnellladesäulen Strom mit bis zu 200 kW aufgenommen werden kann.
Natürlich wird der Hardcore-Biker den Sound vermissen. Aber mit einer Ladezeit, die kaum länger dauert als ein Tankstopp inklusive Bezahlen und Visier-Reinigen, und einer Reichweite, die viele Benziner alt aussehen lässt, liefert Verge Argumente, die man kaum ignorieren kann.
Preise ab 36.581 Euro
Die ersten Modelle der Verge TS Pro mit der neuen Donut-Lab-Technik werden bereits in den kommenden Monaten ausgeliefert. In Deutschland zu Preisen ab 36.581 Euro für die Version mit dem kleinen Akku für 350 Kilometer Reichweite. Für 3000 Euro mehr sind bis zu 600 Kilometer mit einer Akkuladung drin.
