(Aktualisierung: 26.1.2026) Seien wir ehrlich: Der typische Motorradfahrer in Deutschland ist männlich, jenseits der 50 und liebt zwei Dinge – den Sound eines Verbrenners und die Vibrationen beim Schalten. Elektroantriebe hatten es in dieser Community bisher schwer. Zu schwer, zu wenig Emotion und vor allem: zu wenig Reichweite bei zu langen Ladepausen. Doch das finnische Tech-Unternehmen Verge Motorcycles schickt sich an, genau diese Gegenargumente zu pulverisieren.

Wie das Unternehmen aus Helsinki im Umfeld der CES mitteilte, sei es ihnen gelungen, den „Heiligen Gral“ der E-Mobilität als erster Motorrad-Hersteller weltweit in die Serie zu bringen: Die Feststoff-Batterie (Solid-State-Battery).

Der Quantensprung: 400 Wattstunden pro Kilo

Das technische Highlight – und hier wird es für Tech-Nerds spannend – ist die Energiedichte der neuen Zellen. Donut Lab gibt diese mit 400 Wh/kg an. Um das einzuordnen: Herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus, wie sie heute in den meisten E-Autos und Bikes stecken, dümpeln oft zwischen 150 und 260 Wh/kg herum.

Verge hätte die Energiedichte also mal eben fast verdoppelt – sofern die Angaben stimmen. In der Praxis bedeutete das: Man könnte viel mehr Energie in den gleichen Bauraum packen, ohne dass das Bike zum unfahrbaren 400-Kilo-Monster mutiert. Nur so wäre es möglich, dass die Verge TS Pro trotz lediglich 33,3 kWh Batteriekapazität (im Top-Modell) über weite Strecken agil bleibt.

"Heiliger Gral" 
Verge stattet seine Elektro-Motorräder ab sofort mit einem neuen Feststoff-Akku von Donut Lab aus, der sich durch eine hohe Energiedichte von 400 Wattstunden pro Kilogramm auszeichnet und über 100.000 Ladezyklen verkraftet, ohne Leistung zu verlieren.
„Heiliger Gral“
Verge stattet seine Elektro-Motorräder angeblich ab sofort mit einem neuen Feststoff-Akku von Donut Lab aus, der sich durch eine hohe Energiedichte von 400 Wattstunden pro Kilogramm auszeichnet und über 100.000 Ladezyklen verkraftet, ohne Leistung zu verlieren.

SVolt zweifelt die Angaben an

Allerdings haben Experten die von den Finnen genannten Leistungsdaten angezweifelt. „Alle Parameter widersprechen sich“, sagte Yang Hongxin, der Chef des chinesischen Batterieherstellers Svolt, in einem Interview, als er auf die „Batterie-Revolution aus Europa angesprochen wurde. „Jeder, der auch nur über grundlegende Kenntnisse dieser Technologie verfügt, würde denken, dass es sich um einen Betrug handelt.“ Svolthat im November letzten Jahres die Entwicklung seiner ersten Generation von Halb-Festkörperbatterien (SSSB) abgeschlossen und erreichte dabei eine Energiedichte von 270 Wh/kg. Die Massenproduktion soll laut Unternehmen im Jahr 2026 beginnen. Svolt arbeitet zudem an Teil-Festkörperzellen mit einer Energiedichte von 400 Wh/kg. 

Die Köpfe dahinter: Donut Lab

Hinter dem technischen Durchbruch, den die Finnen vermelden, steckt kein Großunternehmen, sondern Donut Lab. Ursprünglich als Tech-Start-up in Finnland gestartet, gehört das Labor inzwischen fest zum Verge-Unternehmen, tritt aber weiterhin eigenständig auf. Die Ingenieure dort sind keine Unbekannten: Sie haben bereits den markanten, nabenlosen „Donut Motor“ entwickelt, der das Hinterrad der Verge-Bikes so futuristisch aussehen lässt (daher der Name).

Jetzt legt Donut Lab mit der passenden Batterie nach. Tatsächlich klingen die versprochenen Daten der Finnen fast zu gut, um wahr zu sein: Die Zellen haben nicht nur eine Energiedichte von 400 Wattstunden (Wh) pro Kilogramm Gewicht, sondern sollen auch über 100.000 Ladezyklen durchhalten. Das ist eine Ansage an die Wegwerfgesellschaft – das Motorrad würde mechanisch wahrscheinlich längst den Geist aufgeben, bevor der Akku müde wird. Zudem sind die Feststoff-Zellen extrem sicher: Da keine flüssigen Elektrolyte verwendet werden, ist die Brandgefahr fast null, selbst bei regelmäßiger Schnellladung oder extremen Temperaturen von minus 30 Grad oder über 40 Grad Celsius. Da keine flüssigen Elektrolyte verwendet werden, sind sie zudem hochgradig brandresistent.

Volle Ladung in der Kaffeepause

Während die großen Autohersteller wie Toyota und BYD die neue Batterietechnologie noch entwickeln oder testen, prescht Verge mit dieser Technik nun vor. Die Zahlen, die Verge und Donut Lab dabei für ihr Motorrad auf den Tisch legen, lassen aufhorchen:

  • Blitzschnelles Laden: In nur 10 Minuten ist der Akku voll.
  • Enorme Reichweite: Bis zu 600 Kilometer sind mit einer Ladung drin.
  • Reichweite „tanken“: Wer nur kurz 10 Minuten stoppt, gewinnt bis zu 300 Kilometer Reichweite dazu.

Das Argument vieler konservativer Biker, „Ich will nicht zwei Stunden an der Ladesäule stehen, während meine Kumpels schon das zweite alkoholfreie Weizen trinken“, zieht damit nicht mehr.

Das Bike: Verge TS Pro

Verpackt wird diese Batterietechnik im Modell Verge TS Pro. Wer das Bike noch nicht kennt: Es ist das mit dem „Loch“ im Hinterrad. Auch an der Hardware wurde geschraubt. Der neue „Donut Motor 2.0“ bietet zwar weiterhin brachiale 1.000 Nm Drehmoment, wiegt aber 50 Prozent weniger als sein Vorgänger. Das drückt das Gesamtgewicht der Maschine auf 230 Kilogramm und verbessert das Handling spürbar. Der Sprint von 0 auf 100 km/h ist in sportlichen 3,5 Sekunden erledigt, die Spitzengeschwindigkeit beträgt 200 km/h.

Für kurze Ladepausen
Die Verge TS Pro hat über einen CCS-Anschluss, über den an Schnellladesäulen Strom mit bis zu 200 kW aufgenommen werden kann.
Für kurze Ladepausen
Die Verge TS Pro hat über einen CCS-Anschluss, über den an Schnellladesäulen Strom mit bis zu 200 kW aufgenommen werden kann.

Natürlich wird der Hardcore-Biker den Sound vermissen. Aber mit einer Ladezeit, die kaum länger dauert als ein Tankstopp inklusive Bezahlen und Visier-Reinigen, und einer Reichweite, die viele Benziner alt aussehen lässt, liefert Verge Argumente, die man kaum ignorieren kann.

Preise ab 36.581 Euro

Die ersten Modelle der Verge TS Pro mit der neuen Donut-Lab-Technik sollen bereits in den kommenden Monaten ausgeliefert – dann wird man sehen, was an den Behauptungen dran ist. In Deutschland zu Preisen ab 36.581 Euro für die Version mit dem kleinen Akku für 350 Kilometer Reichweite. Für 3000 Euro mehr sind bis zu 600 Kilometer mit einer Akkuladung drin.

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