Deutschland gilt als Land der Erfinder. Im 19. Jahrhundert kamen Innovation zustande ohne eine Einmischung einer Innovationsagentur und ohne staatliche Förderung. Was hat sich da geändert?
Das stimmt so nicht. Die großen Leitindustrien, von denen wir in Deutschland heute noch leben, also Chemie, Pharma, Auto, Maschinenbau – sind alle in der Gründerzeit entstanden. Der deutsche Staat, der damals entstand, nahm die Reparationszahlungen, viele Millionen Reichsmark, die Frankreich nach dem verlorenen Krieg 1870/71 erbringen musste, und gab sie Siemens, Bayer, Bosch, Daimler und vielen anderen. Auch das Silicon Valley würde ohne staatliche Unterstützung nicht existierten.

Bis zu einer Höhe von 365 Metern sollen die Rotorblätter der Höhenwindenergieanlage reichen, die derzeit in Schipkau in der Lausitz entsteht. Weil der Wind in solchen Höhen kräftiger und beständiger bläst, wird die großtechnische Anlage nach der Erwartung der Konstrukteure wesentlich mehr Strom erzeugen als herkömmliche Windmühlen – und viele davon überflüssig machen. Die Inbetriebnahme ist für den Herbst geplant. Das Foto zeigt den Stand der Arbeiten im Mai.
Ohne staatliche Unterstützung läuft nichts mehr?
Der Staat ist ein schlechter Unternehmer, der Staat ist auch ein schlechter Erfinder – das stimmt. Aber er ist ein Schaffer von Ökosystemen und er hat eben die Kraft und die Möglichkeit, große Investitionen zu tätigen und diese auch längerfristig durchzuhalten. So entstehen Leitindustrien. Und das genau wollen wir jetzt wiederholen.
Das deutsche Patent- und Markenamt hatte im letzten Jahr 62.000 Patentanmeldungen. Die meisten davon kamen aus Deutschland. Erfindergeist ist also noch vorhanden.
Das sehen wir auch bei uns in den Einreichungen und das ist toll. Wir machen zwei Sachen: Challenges und Projekteinreichungen. Die Challenges sind sozusagen top down. Das sind Wettbewerbe zu unterschiedlichen Themen. Da kriegen wir rund 100 Einreichungen pro Challenge und wählen die vielversprechendsten aus. Darüber hinaus kann jede und jeder jederzeit themenunabhängig ein Projekt bei uns zur Analyse einreichen. Das ist der komplementäre „bottom up“-Ansatz. Das waren in der Regel so um die 100 pro Quartal, also 400 im Jahr. Letztes Jahr waren es plötzlich 800, dieses Jahr werden es mindestens 1200 Einreichungen, das wissen wir jetzt schon.
Wie viele neue Unicorns entstehen draus?
Nicht so viele. Von den mehr als 3000 Einreichungen, die wir bislang analysiert haben, haben etwa 300 eine Finanzierung von uns bekommen. Einige davon werden zum Unicorn. Bisher haben wir bei der Kommerzialisierung solcher Innovationen einen starken Abbruch. Und das ist genau die Stelle, auf die sich die SPRIND konzentriert, also die Phase nach der Grundlagenforschung. Wenn der Machbarkeitsbeweis erfolgt ist, begleiten wir das Unternehmen bis zur Marktreife.
Wie haben Sie nach der Gründung der SPRIND angefangen? Innovationen mit disruptivem Potenzial muss man erst einmal identifizieren. Ich wäre da ziemlich ratlos, wie man die findet.
Wir waren nicht ratlos, aber ahnungslos. Also wir wussten gar nicht, ob es überhaupt genug Potenzial gab für unsere Agentur. Du kannst ja die tollste Agentur bauen, aber wenn da nichts an Einreichungen reinkommt, dann kann auch nichts rauskommen. Wir haben deshalb zunächst dafür gesorgt, dass SPRIND bei den Innovatoren bekannt wurde. Selbst heute wissen viele nicht, dass es uns gibt. Das ist ein hartes Brot und damals war es noch härter.
„Der Staat ist ein schlechter Unternehmer, der Staat ist auch ein schlechter Erfinder. Aber er ist ein Schaffer von Ökosystemen.“
Und dann?
Im zweiten Schritt ging es darum, Instrumente zu entwickeln, mit denen wir den Erfindern helfen können. Das ist uns, finde ich, ganz gut gelungen. Wir haben 2020 schon die ersten Projekte, wie zum Beispiel das Hochwindrad in der Lausitz, gestartet. Wir haben 2021 die erste Challenge gestartet, den ersten Wettbewerb zur Entwicklung von Antiviralen Medikamenten mit Breitbandwirkung. Stand heute haben wir rund 300 Projekte finanziert und 15 Challenges gestartet. Wir haben unser Budget von Null auf über 300 Millionen Euro in diesem Jahr gesteigert, sind damit der größte Deep-Tech-Investor in Europa.
Als Start-up im Staat, ohne große Infrastruktur.
Das ist das Schöne, wenn man so etwas macht wie die SPRIND. Wir sind ja altruistisch unterwegs. Wir machen das nicht für uns, ich mache das nicht für mich. Ich verdiene heute viel schlechter als früher – ohne, dass ich mich beklagen will. Und das gilt für viele Innovation-Manager bei SPRIND. Die kommen aus Überzeugung. Die sagen, wir müssen neue Leitindustrien in Deutschland schaffen. Und müssen das auch mal durchhalten. Hier gibt es große Ideen. Viele meiner Leute haben einen wissenschaftlichen Background. Sie haben früher selbst Firmen gegründet und stehen nun im letzten Teil ihres Arbeitslebens. Da ist es vielleicht eine gute Idee, dem Land zu helfen.

Wie identifizieren sie die Projekte, die das Zeug zu einer Sprunginnovation haben? Durch das Studium von Fachbeiträgen oder indem Sie um Einreichungen bitten?
Wir machen beides. Wir betreiben aktives Sourcing, wir gehen raus und rufen in den sogenannten Challenges zu Problemlösungen auf. Aber es gibt auf unserer Website auch einen Knopf, über den man an 24 Stunden des Tages Projekte einreichen kann.
(Hier geht es weiter zu Teil 3 des Interviews)
„Wir zerstören uns selber…“ das stimmt, gilt aber nicht für die Stützen der Gesellschaft und Steuerzahler, sondern die arm-machende Agenda der Strippenzieher, die zerstört und zerschlägt. Wohlstand war gestern, der Transhumanismus besorgt den Rest. Aber Hauptsache noch gnadenlos absahnen.