Disruptive Erfinder haben manchmal verrückte Ideen. Ein gewisser Herr Tesla wollte mal Strom durch Erdkern auf die andere Seite des Globus leiten. Wie verhindern Sie, dass Steuergeld für solche Spinnereien ausgegeben wird?
Wir haben, damit wir einigermaßen nüchtern bleiben, einen Kriterienkatalog geschaffen. Also wir glauben zum Beispiel an die thermodynamischen Gesetze in der Physik. Damit fliegen alle Perpetuum-Mobiles raus. Aber es gibt auch Dinge, wo sich die alten Glaubenssätze verändern. Und wenn jemand kommt und physikalisch oder mathematisch vernünftig argumentiert, aber eine auf den ersten Blick verrückte Lösung präsentiert, dann könnte das eine echte Sprunginnovation sein.
Und dann?
Dann geben wir dem Projekt eine Chance. Wir schauen uns die Menschen dahinter näher an, ihren Background, auch ihre Frustrationstoleranz. Denn es ist ein weiter Weg bis zum Erfolg. Wir finanzieren keine Grundlagenforschung. Das heißt, wenn einer nur mit einer Idee kommt, dann muss er schon den Machbarkeitsbeweis antreten können.
Das eingereichte Konzept könnten Sie ja erst einmal durch eine KI überprüfen lassen.
Das machen wir ja. Wir wären ja blöd, wenn wir das nicht machen würden. Es kommen täglich neue Open-Source-Modelle. Wir bauen uns auf diese Weise zu einer AI-First-Agentur um. Aktuell müssen die Analysten die Einreichungen noch selbst ins System heben. In Zukunft wird das Dossier automatisch erstellt.
„Man müsste natürlich viel mehr machen, damit die Wohlstandsmaschine dauerhaft weiter läuft.“
Sprunginnovationen sind hoch riskant. Wie groß ist die Gefahr, Millionensummen in Projekten zu versenken?
Ein gewisses Risiko ist immer. Aber wir wiegen sehr sorgfältig jedes Projekt und gehen auch nicht gleich in die Vollen. Bei den Challenges lassen wir 10, 20 Teams im Pitch gegeneinander antreten. So wird das Feld der Kandidaten schon kleiner. Die Sieger kriegen dann für die erste Entwicklungsstufe Geld, aber müssen später auch belegen, was sie damit gemacht haben. Für die zweite Phase gibt es dann mehr Geld und so weiter.
Wann ziehen Sie den Stecker?
Wir gucken nur auf die Ergebnisse. In der Challenge schreiben wir die Ziele der einzelnen Stufen vor. Wie das Team das erreicht und mit welcher Technologie, ist uns völlig egal. Wenn wir unterwegs lernen, dass wir die Ziele anpassen müssen, dann machen wir das. Für alle Seiten natürlich, ganz fair. Und wer es durch dieses Gate schafft, hat schon mal gute Chancen, dass er weiterfinanziert wird. Wer das nicht schafft, fliegt raus. Und das machen wir mit den Projekteinreichungen genauso. Das ist ein Venture-Business, nur dass wir keine profitgetriebenen Risikokapitalgeber sind.
Die Ziele werden also klar definiert?
Genau. Mit den zehn Millionen Euro, die ihr jetzt kriegt, kann es in der Vorgabe heißen, wollen wir erreichen, dass 30 Tonnen CO2-freier Zement produziert wird. Und wenn ihr das schafft, geht es weiter.
Es kommt aber auch schon mal vor, dass der Geduldsfaden reißt?
Ja, das gibt es. Aber meistens liegt es an irgendwas Menschlichem. Die Typen, mit denen man zu tun hat, müssen ja ein bisschen speziell sein. In der Regel haben wir es nicht mit Normalos zu tun.
Sondern mit Menschen vom Typ Daniel Düsentrieb.
Manchmal sind die aber so eigenwillig, dass man mit denen nicht arbeiten kann. Das ist eigentlich fast das häufigste Abbruchkriterium.
Sie waren selbst einmal Gründer, kriegen heute viele spannende Projekte auf den Tisch. Geht Ihnen da manchmal durch den Kopf: Auf die Idee hätte ich selber kommen müssen?
Nein, aus dem Alter bin ich raus. Ich freue mich über tolle Ideen. Die Erfinder kriegen dann auch meine volle Unterstützung. Aber ich kenne keinen Neid und auch keine Eifersucht.
Welche Idee, die Sie in letzter Zeit auf dem Tisch hatten, hat Sie zum Träumen gebracht?
Das ist so die Frage nach dem liebsten Kind. Das kann ich gar nicht sagen – es sind so viele.
Aus jüngerer Zeit eines vielleicht?
Dass dieses riesige Windrad jetzt in der Lausitz steht wie eine riesige Rakete, sorgt schon für Gänsehaut – nach all den Präsentationen und Simulationen in den zurückliegenden Jahren. Kürzlich hatten wir unsere Veranstaltung VENTURE SPRIND, die wir einmal im Jahr veranstalten. Dieses Jahr standen mehr als 130 Teams von uns vor über 350 Investoren und noch einmal 200 Leuten aus dem erweiterten Freundeskreis. Beim ersten Mal vor vier Jahren waren es nur 20 Teams und 20 Investoren. Das exponentielle Wachstum ist schon beeindruckend. Und beeindruckend waren auch die vorgestellten Projekte – vom Mondrover bis hin zu optischen Chips. Und da gehst du von einem Stand zum anderen und sagst nur wow, wow, wow.
Wenn Sie die SPRIND eines Tages in andere Hände übergeben: Was sollte passiert sein, damit Sie sagen, mein Job hier ist erledigt?
Ich habe mir Ziele gesetzt, was die Größe der SPRIND angeht. Wir sind jetzt schon der größte Deep-Tech-Investor in Europa. Aber es reicht noch nicht: Wir haben in Deutschland noch viel mehr Potenzial. Die USA investieren in zivile und militärische Sprunginnovationen fast 200 Milliarden Dollar im Jahr. Das meiste, 160 Milliarden Dollar, in militärische und 40 Milliarden Dollar in zivile. Wenn man diesen Betrag auf Deutschlands Größe herunterrechnet, kämen wir auf etwa 10 Milliarden Euro. Wenn man jetzt den privaten Finanzierungssektor abzieht und auch die staatlichen Initiativen, die private Finanzierung für Innovationen machen, dann müsste das Budget von SPRIND für zivile Innovationen irgendwo in der Gegend von 1,2 Milliarden Euro liegen. Und es müsste obendrein eine militärische SPRIND geben mit einem Budget zwischen 4 bis 6 Milliarden Euro im Jahr. Das werde ich wahrscheinlich in meiner Direktorenschaft nicht mehr ganz schaffen. Die Größenordnung im zivilen Bereich vielleicht schon. Aber den militärischen Arm gibt es noch nicht, weil der Verteidigungsminister noch nicht die Notwendigkeit dafür erkennen möchte. Wir haben aber schon vier Drohnen-Challenges – die machen wir einfach. Als Projekte mit klarem Dual-Use-Ansatz. Wir haben auch schon Überschall-Raketenstarts von Hypersonica unterstützt. Aber man müsste natürlich viel mehr machen, damit die Wohlstandsmaschine dauerhaft weiter läuft. Unser Motto lautet „Pessimism is a waste of time“. Oder wie Karl Popper formuliert hat: Zum Optimismus gibt es keine vernünftige Alternative. Man muss den Status Quo realistisch einschätzen, aber dann ein positives Zukunftsbild zeichnen – und darauf hinarbeiten. Dann hat man auch ein besseres Leben.
Die Zukunft ist auf jeden Fall besser als ihr Ruf?
Auf jeden Fall. Seit 300 Jahren wird unser Leben stetig besser. Das ist mit Zahlen belegt. Und ich sehe keinen Grund, warum sich das ändern sollte. Es gab im vergangenen Jahrhundert wie auch jetzt immer wieder Weltuntergangs-Szenarien. Mal ging es um sauren Regen, dann um Ozonloch, mal drohte der Atomkrieg, dann die Verstrahlung von Kontinenten nach dem Atomunfall in Tschernobyl. Immer stand der angeblich Weltuntergang kurz bevor. Aber irgendwie weigert sich die Welt, tatsächlich unterzugehen. Stattdessen wurde unser Leben immer besser. Ich bin guter Hoffnung, dass das so weitergeht.
Vielen Dank für das aufmunternde Gespräch!
„Wir zerstören uns selber…“ das stimmt, gilt aber nicht für die Stützen der Gesellschaft und Steuerzahler, sondern die arm-machende Agenda der Strippenzieher, die zerstört und zerschlägt. Wohlstand war gestern, der Transhumanismus besorgt den Rest. Aber Hauptsache noch gnadenlos absahnen.