Das Vorurteil hält sich hartnäckig: Elektroautos haben eine geringe Reichweite und sind teuer. Gerade im Kleinwagensegment waren Stromer oft nennenswert kostspieliger als vergleichbare Benzinmodelle. Doch 2026 markiert eine Zäsur. Während die Reichweitenangst durch immer bessere Technik schwindet, rückt nun der Kaufpreis in den Fokus.
Denn mit bis zu 6.000 Euro unterstützt der Steuerzahler künftig die Anschaffung eines neuen Elektroautos. Diese maximale Förderung greift, sofern das Haushaltsnettoeinkommen – das Einkommen, das ein Haushalt nach Abzug von Steuern und Abgaben und Hinzurechnung staatlicher Transfers in der Tasche hat – einer Familie mit zwei minderjährigen Kindern 45.000 Euro nicht übersteigt. Aber auch der Mittelstand profitiert: Bei einem Jahreseinkommen von 80.000 Euro erhält eine vierköpfige Familie immerhin noch 4.000 Euro Zuschuss. Der sich natürlich auch auf die monatliche Leasingrate auswirkt und diese bei einigen Modellen auf unter 100 Euro sinken lassen dürfte.
Trifft die staatliche Förderung auf die aktuelle Preisgestaltung der Hersteller, ergeben sich Endpreise, bei denen kein konventioneller Neuwagen mehr mithalten kann. Die magische Grenze von 25.000 Euro Listenpreis ist bei einigen Elektroautos bereits gefallen – nun kommt die 20.000-Euro-Marke in Reichweite.

Die Renault-Schwestermarke bietet den China-Import heute schon mit einem „Elektrobonus“ von 5000 Euro an. Wer jetzt bestellt, bekommt vom Staat bis zu 6000 Euro noch einmal 6000 Euro oben drauf. Unterm Strich wären weniger als 6000 Euro zu zahlen.
Rechenbeispiel 1: Neuer Stromer für 6.000 Euro?
Das aggressivste Beispiel liefert derzeit Dacia. Der Dacia Spring Electric 70 wird zwar mit einem Einstiegspreis von 16.900 Euro gelistet, ist aber durch den herstellereigenen „Elektrobonus“ in Höhe von 5000 Euro aktuell schon für knapp unter 12.000 Euro zu haben. Kombiniert man diesen „Kampfpreis“ mit der neuen maximalen staatlichen Förderung von 6.000 Euro, ergibt sich für berechtigte Familien ein rechnerischer Neuwagenpreis von unter 6.000 Euro. Dafür gibt es zwar ein Elektroauto mit überschaubarer Reichweite von 225 Kilometern im Alltagsverkehr und 125 km/h Spitze , aber der Preis ist im Neuwagenmarkt aktuell konkurrenzlos. Selbst der günstigste Verbrenner-Kleinwagen – der Dacia Sandero (12.790 Euro) – ist für dieses Geld nicht mehr zu bekommen.

Der City-SUV zählt heute mit einem Basispreis von 19.990 Euro schon zu den preiswertesten Elektroautos auf dem deutschen Markt.
Rechenbeispiel 2: Die neue 15.000-Euro-Klasse
Auch wer etwas mehr Auto braucht, fährt elektrisch plötzlich günstiger als mit vielen Benzinern. Mehrere Elektroautos rutschen durch die Förderung deutlich unter die 15.000-Euro-Schwelle:
- Citroën ë-C3: Der Stellantis-Stromer startet regulär bei 19.990 Euro (Reichweite 204 km). Mit der maximalen Förderung rutscht der Preis auf rund 14.000 Euro.
- Leapmotor T03: Der chinesische Kleinwagen (der ebenfalls über den Stellantis-Konzern vertrieben wird) kostet regulär aktuell knapp 19.000 Euro. Mit Max-Förderung ergibt sich ein Basispreis um die 13.000 Euro.
- Renault Twingo: Die Neuauflage des Klassikers kommt Mitte des Jahres und soll in der Basisversion ebenfalls unter 20.000 Euro starten. Mit Max-Förderung wären das weniger als 14.000 Euro.
Zum Vergleich: Ein gut ausgestatteter Verbrenner-Kleinwagen durchbricht heute schnell die 20.000-Euro-Marke. Aber sogar der konventionell angetriebene Citroën C3 (15.990 Euro) kann gegen sein elektrisches Schwestermodell nicht mehr bestehen. Denn es gibt für ihn weder einen Umweltbonus noch einen Erlass der Kfz-Steuer. Auch kann er nicht am Emissionshandel teilnehmen und eine THG-Prämie einstreichen.

Der knuffige Koreaner bietet trotz einer Länge von nur 3,82 Metern erstaunlich viel Platz im Innenraum und eine elektrische Reichweite von bis zu 370 Kilometern. Zu einem Listenpreis von aktuell 23.990 Euro – der durch die Förderung um bis zu 6000 Euro sinken kann.
Die Kompaktklasse: Viel Auto für unter 20.000 Euro
Selbst Fahrzeuge, die mehr Platz und Reichweite bieten, werden durch den staatlichen Zuschuss zu echten Alternativen im Massenmarkt. Hier bewegen wir uns regulär im Bereich um 23.000 bis 25.000 Euro, was nach Abzug der Prämie Preise zwischen 17.000 und 19.000 Euro bedeutet.
Hier lohnt sich der Blick auf die Details:
- VW ID Polo: Der lang erwartete Wolfsburger soll im Herbst bei knapp 25.000 Euro starten und deutlich wertiger auftreten als die bisherige Modelle der ID-Familie von Volkswagen. Mit Förderung landet er bei ca. 19.000 Euro.
- Hyundai Inster: Der „knuffige“ Koreaner bietet pfiffige Innenraumlösungen und über 320 Kilometer Reichweite zu Einstandspreisen ab 23.900 Euro. Mit der neuen Förderung sinkt der Preis auf rund 17.000 Euro.
- Fiat Grande Panda: Der kleine Italiener startet aktuell bei 24.990 Euro und bietet 320 km Reichweite. Nach Förderung wären hier im Idealfall weniger als 19.000 Euro zu zahlen. Damit wäre er preisgleich mit der rein benzingetriebenen Version und 1000 Euro günstiger als das Modell mit Hybridantrieb.
Fazit: Der Verbrenner gerät unter Druck
Die kleine Übersicht zeigt: Die Elektromobilität ist in den Einstiegssegmenten längst etabliert. Während Kritiker noch über Reichweiten diskutieren – die selbst bei günstigen Modellen wie dem Opel Corsa Electric (ab 29.990 Euro) mittlerweile bei 350 Kilometern liegen – schaffen die neuen Preise Fakten. Wenn ein Dacia Spring nach Förderung weniger kostet als ein gebrauchter Kleinwagen und ein vollwertiger VW ID Polo günstiger zu haben ist als sein Verbrenner-Pendant mit vergleichbarer Ausstattung, dann wird der Umstieg auf E-Mobilität im Jahr 2026 weniger eine Frage der Ideologie, sondern eine der ökonomischen Vernunft. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) zeigte sich bei der Vorstellung des neuen Förderprogramms für Elektroautos (und Plug-in-Hybride) deshalb überzeugt: „Ich halte das Jahr 2026 für den Beginn des Durchbruchs der Elektromobilität.“ Die Zeichen dafür stehen gut.
(Mitarbeit: Patrick Solberg)