Der Skoda Enyaq ist das erste Elektrofahrzeug auf der Basis des Modularen Elektro-Baukastens, das außerhalb Deutschlands im tschechischen Mladá Boleslav produziert wird. Und der Elektro-SUV verkauft sich prächtig. So prächtig, dass die Lieferzeiten länger und länger werden: Die aktuelle Lieferzeit beträgt nach jüngsten Erhebungen bis zu 106 Wochen – mehr als zwei Jahr.

Und die dürften nicht so schnell kürzer werden. Nicht nur, weil der Mangel an Halbleitern und Kabelbäumen noch eine Weile anhalten dürfte. Sondern auch deshalb, weil im Werke Mladá Boleslav künftig noch ein zweites Modell vom Band läuft: Das sportliche Schwestermodell Enyaq Coupé. Trotz seiner zum Heck hin stark abfallenden Dachlinie bietet es den identischen Nutzwert und nur einen geringfügig kleineren Kofferraum. Dafür gibt es einen sportlicheren Auftritt und einen Tick mehr Reichweite. Denn das Coupé hat mit 0,233 einen besseren cW-Wert als das SUV (0,257) – und kommt deshalb mit der gleichen Energiemenge bis zu 15 Kilometer weiter.

Schnelle Schlange
410 Euro Aufpreis kostet die auffällige Lackierung in „Mamba-Grün“, die es exklusiv für das Topmodell RS gibt. Foto: Skoda

Neben der Sportline-Version ist das neue Coupé zum Basispreis von 58.110 Euro auch als RS-Modell erhältlich, das den gleichen Allradantrieb wie VW ID.5 GTX und das Topmodell des Audi Q4 E-tron bietet. Serienmäßig verfügt das RS-Modell über ein spezielles Frontdesign in Form des sogenannten „Crystal Face“ mit 131 LEDs, die die vertikalen Rippen und das horizontale Lichtband des Kühlergrills beleuchten und die LED-Scheinwerfer miteinander verbinden. Und auch Leichtmetallräder im 20-Zoll-Format sind im Basispreis inkludiert.

Kofferraum schrumpft nur um 15 Liter

Das Kofferraumvolumen verliert bei der 4,65 Meter langen Coupévariante schmale 15 Liter, ist aber mit 570 Litern immer noch eines der größten in diesem Segment, was ebenso für die Kopffreiheit in der zweiten Sitzreihe gilt. Die ist nur zwei Zentimeter geringer als beim normalen Skoda Enyaq, bietet aber immer noch ausreichend Platz für einen 1,85 m großen Passagier. Schade ist, dass sich das große Panoramadach nicht öffnen lässt und über keine Jalousie verfügt, um das Licht an sonnigen Tagen komplett aussperren zu können. Vorne wie hinten gibt es mehr als ausreichend Platz für die Insassen, obwohl sich die Rücksitze weder verschieben- noch in der Neigung verstellen lassen. Wer die Rücksitze umlegt, vergrößert das Ladevolumen von 570 auf mehr als stattliche 1.610 Liter. Leider bildet der Ladeboden dabei keine komplett ebene Fläche.

Ordentlich Kopf- und Kniefreiheit
Auch wenn das Dach hinter der B-Säule deutlich abfällt, fühlen sich auf der Rücksitzbank auch ausgewachsene Menschen wohl.

Wie bei Skoda („Simply Clever“) üblich, gibt es im Innenraum zahlreiche praktische Ablage- und Befestigungsmöglichkeiten, die das Leben an Bord angenehmer machen. Beispielsweise große Türtaschen, Belüftungsdüsen auch im Fond und Smartphone-Taschen an den Rückseiten der Vordersitze, eine kabellose Ladeschale für zwei Mobiltelefone oder auch Vorhänge für die hinteren Seitenfenster.

Topmodell mit fast 300 PS Antriebsleistung

Fahrer und Beifahrer hocken serienmäßig auf Sportsitzen, die mit einem Alcantara-ähnlichen Mikrofaserstoff bezogen sind und einen guten Seitenhalt bieten. Auch die übrigen Oberflächen wirken hochwertig. Allzu klein geraten ist jedoch das nur 5,3 Zoll große Instrumentendisplay hinter dem Lenkrad. Das können auch der 13 Zoll große Touch-Screen in der Mitte der Armaturentafel und das optionale Head-up-Display (Aufpreis: 1.700 Euro) nicht ausgleichen.

Große Klappe, viel dahinter
Der Kofferraum des Skoda Enyaq Coupe zwischen 570 und 1610 Litern – je nach Position der Rücksitzlehnen. Foto: Skoda

Das Enyaq Coupé ist grundsätzlich mit zwei Batteriegrößen zubekommen, die entweder (brutto) 62 und 80 kWh Strom speichern. Den RS gibt es nur mit der großen Batterie, die ihn bis zu 499 Kilometer weit tragen soll – bei einem theoretischen, auf dem Rollenprüfstand ermittelten Stromverbrauch von 17,3 kWh auf 100 Kilometer und einer Antriebsleistung von 220 kW, umgerechnet fast 300 PS. Das Topmodell des Skoda Enyaq Coupé beschleunigt aus dem Stand in 6,5 Sekunden auf Tempo 100, wird jedoch schon bei 180 km/h abgeriegelt.

Maximale Ladeleistung steigt auf 135 kW

Zwei weitere Aspekte, in denen sich die beiden Enyaq Coupés mit Allradantrieb von der Einstiegsversion unterscheiden, sind die Fahrwerkseinstellung und die Anhängelast. Die unabhängige Allradarchitektur (McPherson vorne und Multilink hinten) hat vorne eine um 15 und hinten eine um 10 Millimeter niedrigere Bodenfreiheit und darf einen gebremsten Anhänger mit einem Gewicht von bis zu 1.400 Kilogramm ziehen. Elektronisch verstellbare Dämpfer sind für jede Version optional erhältlich.

Überfällig war die Erhöhung der Batterie-Ladeleistung von 100 auf 120 kW bei den schwächeren Varianten und von 125 auf 135 kW beim iV80x und RS. In sieben Minuten soll der Tscheche für 100 Kilometer Energie aufnehmen können, wenn der Akku leer ist. Und nach einer halben Stunde soll das Akkupaket bis auf rund 80 Prozent seiner Kapazität wieder gefüllt sein. Das ist nicht schlecht, aber die 800 Volt-Architektur der koreanischen Konkurrenten Hyundai Ioniq 5 und Kia EV6 erlaubt da deutlich kürzere Ladezeiten.

Stromer mit Sportwagen-Feeling
Der 220 kW starke Enyaq RS sprintet in nur 6,5 Sekunden auf Tempo 100. Bei 180 km/h wird der Vortrieb sanft abgeregelt.

Bei 2,2 Tonnen Leergewicht, der leicht reduzierten Bodenfreiheit der RS-Variante und der passenden Mischbereifungen (235/45 R21 vorne und 255/40 R21 hinten) ist die hervorragende Straßenlage keine wirkliche Überraschung. Auch die Lenkung trägt zum Fahrspaß in den Kurven bei: Sie ist recht direkt – 2,5 Radumdrehungen reichen von Anschlag zu Anschlag. Und da der RS mit dem progressiven System ausgestattet ist, wird sie umso direkter, je mehr man einlenkt.

Aufpreis von 1500 Euro für das Coupé

Die Tendenz zum Untersteuern ist gering, es sei denn, man treibt das Auto über die Grenze des Zumutbaren hinaus. Über die Schaltwippen am Lenkrad lässt sich die Rekuperationsintensität in mehreren Stufen variieren und den Enyaq nahezu nur mit dem Fahrpedal bewegen. Das Bremsen selbst erfordert eine gewisse Gewöhnung, da die Geschwindigkeit zu Beginn des Pedalwegs nicht so stark reduziert wird, wie man es erwarten würde.

Einer der wenigen Nachteile des allradgetriebenen Enyaq Coupé ist, dass der Wenderadius etwa einen Meter größer ist als bei der Version mit Heckantrieb. Vor allem das Fahren und Parken in der Stadt leidet darunter. Um dies zu kompensieren, manövriert der optionale Parkassistent das Fahrzeug automatisch in Parallel- und Längsparklücken. Und wird die Funktion „Trainiertes Parken“ genutzt, speichert das System den Weg in eine häufig genutzte Parklücke, zum Beispiel in einer engen und verwinkelten Einfahrt. Auf Knopfdruck fährt dann der Enyaq die Strecke ganz allein. Das Skoda Enyaq Coupé kann ab Juni in Deutschland bestellt werden, die Preise beginnen bei rund 45.000 Euro.

Damit kostet das Coupé rund 1500 Euro mehr als das Kombi: Sportlicher Chic hat nun mal seinen Preis.

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