In Zürich stellte der Skoda-Chef Klaus Zellmer kürzlich den Epiq, das neue vollelektrische Einstiegsmodell des tschechischen Volkswagen-Tochter. Mit einem Basispreis von 25.900 Euro rundet es das elektrischen Modellportfolio der Marke nach unten ab – ein Gegenstück zum VW ID.Up, der schon bei 20.000 Euro starten soll, ist am Firmensitz in Mlada Boleslav derzeit nicht geplant. Statt dessen richtet der Skoda-CEO den Blick weiter nach oben – was Stückzahlen anbetrifft und neue Modelle anbetrifft: Schon in Kürze wird auf einem Gipfel in den französischen Alpen der neue Skoda Peaq Weltpremiere haben. Das 210 kW starke und auf Wunsch siebensitzige SUV von 4,87 Metern Länge soll als Flaggschiff das vollelektrische Trio aus Epiq, Elroq und Enyaq nach oben abrunden, der Marke neue Kunden bescheren – und weitere Rekorde bei Absatz und Umsatzrendite. Wir sprachen mit Zellmer darüber nach der Weltpremiere des kleinen Epiq.

Herr Zellmer, für die Weltpremiere des Skoda Epiq haben Ihre Messebauer hier in Zürich ein hübsches spanisches Dorf gezimmert. Soll das darauf hinweisen, dass der Epiq zusammen mit dem Cupra Raval und dem VW ID.Polo bei Seat in Spanien montiert wird?
Nein, das soll keinen Hinweis auf eine Montage in Spanien geben. Das spanische Ambiente ist Teil der Kommunikations- und Erlebniswelt rund um den Epiq: Es steht für Leichtigkeit, Lebensfreude und eine entspannte, positive Haltung. Genau diese Emotionen sollen die Weltpremiere und die gesamte Kampagne transportieren.
Das lassen wir jetzt mal so stehen. Was bedeutet denn der Produktionsstandort in Spanien für die Rendite des Fahrzeug? Die Arbeitskosten sind dort doch höher als in Tschechien.
Für die Wirtschaftlichkeit zählt nicht nur der reine Arbeitskostenvergleich, sondern das Gesamtbild. In Spanien profitieren wir von der gemeinsamen Produktion mit VW und Cupra von Skaleneffekten und einer sehr guten industriellen Anbindung. Genau diese Faktoren machen das Projekt für uns attraktiv. Unsere Werke in Tschechien sind zudem voll ausgelastet, deshalb brauchen wir für weiteres Wachstum zusätzliche Produktionskapazitäten. Navarra ist dafür die richtige Lösung: effizient, skalierbar und wirtschaftlich sinnvoll.
Und beim Epiq bleibt es nicht. Noch in diesem Jahr wird der neue Peaq vorgestellt, das neue siebensitzige Flaggschiff von Skoda. Und in Vorbereitung ist noch das vollelektrische Kombi, das auf der IAA 2025 als „Vision O“ vorgestellt wurde.
Ja, mit dem Epiq setzen wir den nächsten Impuls, und mit dem Peaq folgt schon das nächste wichtige Modell. Parallel arbeiten wir an weiteren Formaten für die Zukunft, darunter der elektrische Kombi auf Basis der Vision O. Unser Ziel ist klar: Wir erweitern unser Portfolio Schritt für Schritt, immer entlang der Kundenbedürfnisse und mit Blick auf Profitabilität.

Wo wird der Peaq produziert?
Der Peaq wird in Mladá Boleslav produziert, im flexiblen Verbund mit weiteren Modellen wie Elroq, Enyaq und Octavia. Unsere Produktionsplanung ist sehr anpassungsfähig, sodass wir die Kapazitäten effizient einsetzen können.
Skoda ist im Augenblick so etwas wie die Cash-Cow des Volkswagen-Konzerns mit einer Rendite von 8,3 Prozent im ersten Quartal 2026.
Škoda steht derzeit sehr stark da. Wir haben ein sehr effizientes, schlankes Geschäftsmodell und profitieren zugleich von den Skaleneffekten im Konzern. Entscheidend ist für uns nicht nur die Rendite im Hier und Jetzt, sondern dass wir auch in der Transformation profitabel wachsen. Dass wir aktuell auf 8,3 Prozent Umsatzrendite kommen, ist ein gutes Zeichen für die Stärke des Teams und der Marke.
Gratulation, Sie haben damit Porsche überflügelt.
Wir freuen uns sehr über unsere starke Performance. Solche Vergleiche sind aber nur ein Zwischenbild. Für uns zählt, dass wir operativ sauber arbeiten, profitabel wachsen und unseren Kunden attraktive Produkte anbieten. Genau das gelingt uns derzeit sehr gut.
„Wir erweitern unser Portfolio Schritt für Schritt, immer entlang der Kundenbedürfnisse und mit Blick auf Profitabilität.“
Die hohen Spritpreise haben die Nachfrage nach Elektroautos in den vergangenen Wochen deutlich gesteigert. Und nun ist in Deutschland auch die Plattform freigeschaltet worden, über die Anträge auf die E-Auto-Förderung gestellt werden können.
Es gibt mehrere Treiber für die Nachfrage nach Elektroautos. Förderungen und politische Rahmenbedingungen spielen eine Rolle, ebenso wie die Entwicklung der Energiekosten. Entscheidend ist am Ende aber, dass das Produkt überzeugt. Wenn Reichweite, Ladegeschwindigkeit, Preis und Alltagstauglichkeit, aber auch die Betreuungsqualität stimmen, wird Elektromobilität für viele Kunden zur attraktiven Wahl.
Der deutsche Tankrabatt wirkt da eher kontraproduktiv, oder?
Ich würde das differenziert sehen. Kurzfristige Preisimpulse beeinflussen natürlich das Kaufverhalten. Aber auf lange Sicht entscheidet nicht nur der Spritpreis, sondern das gesamte Fahrzeug- und Nutzungskonzept. Deshalb halte ich es für richtig, dass Kunden mehrere Optionen haben und die Technologie wählen können, die am besten zu ihrem Profil passt.
Die Elektroautos von Skoda verfügen allesamt über eine 400-Volt-Plattform. Wann erhöhen Sie die Spannung auf 800 Volt?
Unsere aktuelle Plattform ist sehr erfolgreich und am Markt bestens positioniert. Sie trifft genau das, was Kunden heute brauchen. 800 Volt kann für die nächste Plattformgeneration eine interessante Option sein. Wir prüfen das sehr aufmerksam, immer mit Blick darauf, was technologisch sinnvoll und wirtschaftlich tragfähig ist.

In China sind gerade Elektroautos mit Range Extender populär. Beschäftigen Sie sich auch mit dieser Technologie?
Ja, wir beobachten diese Entwicklung sehr genau und denken sie auch technisch mit. Für bestimmte Märkte kann das ein interessantes Konzept sein. Für Europa stellt sich aber die Frage, ob es für den typischen Fahr- und Nutzungsalltag wirklich die beste Lösung ist. Genau diese Abwägung treffen wir sehr sorgfältig.
Ein Range Extender würde es erlauben, die teuren Akkus kleiner auszuführen um trotzdem auf hohe Reichweiten zu kommen.
Das ist technisch richtig. Die entscheidende Frage ist aber, welchen Mehrwert der Kunde im Alltag wirklich hat. Wenn Batterie, Ladegeschwindigkeit und Reichweite bereits sehr gut sind, dann braucht es nicht zwingend zusätzliche Komplexität. Wir schauen also nicht auf einzelne technische Vorteile, sondern auf das Gesamtpaket.
„Auf lange Sicht entscheidet nicht nur der Spritpreis, sondern das gesamte Fahrzeug- und Nutzungskonzept.“
Im vergangenen Jahr haben die Marke von einer Million verkauften Autos geknackt. Auf welche Volumen marschiert Skoda mit den kommenden neuen Modellen zu?
Mehr Volumen ist grundsätzlich möglich, aber reines Wachstum ist nicht unser einziges Ziel. Uns geht es darum, profitabel zu bleiben und die Transformation in die Elektromobilität wirtschaftlich solide zu gestalten. Gleichzeitig behalten wir selbstverständlich die CO2-Flottenziele im Blick. Qualität des Wachstums ist für uns wichtiger als bloße Menge.
Werden die Kollegen bei VW in Wolfsburg beim Blick auf die Zahlen von Skoda nicht langsam unruhig? Viele der heutigen Skoda-Fahrer hatten früher einen VW in der Garage stehen.
Im Konzern schauen wir weniger auf interne Vergleiche als auf den Wettbewerb draußen. Wir freuen uns sehr über unsere Entwicklung, aber unser Fokus liegt darauf, Kunden zu gewinnen und Markenstärke aufzubauen. Dass wir in 4 Jahren von Platz 10 auf Platz 2 in Europa gekommen sind, zeigt, dass wir mit unserem Kurs richtig liegen. Gemeinsam mit Volkswagen, im Verbund der Brand Group Core, sind wir als Gruppe stark aufgestellt.
Vielen Dank für das Gespräch.