Volkswagen bringt in diesem Jahr eine neue Generation von Elektroautos unter dem Slogan „True Volkswagen“ auf den Markt. Nach anfänglichen Experimenten beim Design und der Bedienung der ersten E-Modelle besinnt sich der Konzern dabei wieder auf seine Kernwerte: Vertrautheit, Solidität und Bedienerfreundlichkeit. Im Gespräch mit EDISON erklärt Marketing- und Vertriebsvorstand Martin Sander, warum der Autobauer nicht jedem Trend sofort hinterherlaufen darf und bei bestimmten Konzepten bewusst wieder einen Schritt zurückgeht. Außerdem verrät er, wie das umfassende Upgrade des ID.3 das Interieur auf ein ganz neues Niveau hebt, weshalb der Wagen künftig ID.3 Neo heißt – und noch nicht den Namen „Golf“ verdient.

Herr Sander, Sie bewerben die neue Generation von Elektroautos, die VW noch in diesem Jahr auf den Markt bringt, unter dem Slogan „True Volkswagen“. Waren die Vorgängermodelle keine echten, keine wahren Volkswagen mehr? Oder interpretiere ich da jetzt zu viel rein?

Ich glaube, es tut manchmal gut, sich noch einmal auf die eigenen Wurzeln zu besinnen und zu fragen: Was hat  den Erfolg des Unternehmens über viele Jahre  wirklich getragen? Und an welchen Stellen haben wir vielleicht zu viel experimentiert? In den vergangenen Jahren hat die Branche immer wieder mal versucht, Dinge grundlegend anders zu machen. Nicht alles, was anders ist, ist automatisch gut.

VW ID.3 Neo
"Das Upgrade  ist ein großer Schritt nach vorn – insbesondere im Interieur, das in vielerlei Hinsicht auf ein ganz neues Niveau gehoben wurde."
VW ID.3 Neo
„Das Upgrade ist ein großer Schritt nach vorn – insbesondere im Interieur, das in vielerlei Hinsicht auf ein ganz neues Niveau gehoben wurde.“

Ein Auslöser für die Experimente war die Umstellung der Modellpalette auf den Elektroantrieb. Damit begab sich die Autoindustrie auf ein weitgehend unbekanntes Terrain. Das zwang in vielerlei Hinsicht zu einer Neuorientierung, auch im Design: Der VW ID.3 sollte sich ganz klar von Fahrzeugen mit konventionellen Antrieben differenzieren.

Damals war das sicher richtig. Man hat vieles grundsätzlich hinterfragt und auch überlegt, ob die Kunden künftig vielleicht auf eine ganz andere Art und Weise mit ihrem Auto interagieren wollen. Über die Zeit hat sich jedoch gezeigt, dass sich aufgrund der anderen Antriebstechnologie zwar vieles verändert –  dass man dafür aber nicht alles über Bord werfen muss, was die Kunden über Jahre hinweg wertgeschätzt haben.

Wie einen Drehknopf zur Regulierung der Radio-Lautstärke.

Beispielsweise. Für Volkswagen als die Volumenmarke in Europa mit einer sehr breiten Kundenschicht sind Vertrautheit und Bedienungsfreundlichkeit zentrale Themen. Deshalb dürfen wir nicht jedem Trend sofort hinterherlaufen. Auch das ist eine wichtige Erkenntnis aus den letzten Jahren. Und deshalb gehen wir  bei bestimmten Dingen jetzt wieder einen Schritt zurück.

Um den Kunden nicht mit mehreren Sachen gleichzeitig zu überfordern. Nicht nur mit einem anderen Antrieb, sondern neuen Bedienkonzepten oder gar einem anderen Verständnis von individueller Mobilität.

Genau, das hätte ich nicht besser sagen können (Lacht). Das Design von Volkswagen zeichnete sich immer durch Klarheit und Solidität aus. Die Autos standen für Zuverlässigkeit und waren zeitlos schön. Ein Golf IV sieht auch heute auf der Straße immer noch gut aus. Ich bin überzeugt, dass man den ID. Polo auf den ersten Blick als Volkswagen erkennen wird – und dass er auch in zehn Jahren noch überzeugend aussieht.

Deshalb haben sie sich dann auch entschieden, den Wagen nicht ID.2 sondern als ID. Polo herauszubringen.

Genauso ist es. Gerade in einer Phase des technologischen Umbruchs sind vertraute Namen wichtig, weil sie Orientierung geben. Der Polo steht seit Jahrzehnten für die Marke Volkswagen und genießt ein sehr positives Image. Auf diese Modellbezeichnung im Zeitalter der Elektromobilität zu verzichten, würde wenig Sinn ergeben. Der Polo ist – wie der Golf – eine feste Größe und eine echte Ikone der Marke.

VW ID. Polo im Tarnkleid
"Gerade in einer Phase des technologischen Umbruchs sind vertraute Namen wichtig, weil sie Orientierung geben."
VW ID. Polo im Tarnkleid
„Ich bin überzeugt, dass man den ID. Polo auf den ersten Blick als Volkswagen erkennen wird – und dass er auch in zehn Jahren noch überzeugend aussieht.“

Warum bekommt der neue ID.3 dann nur ein „Neo“ angehängt statt den Namen ID.Golf?

Das ist eine berechtige Frage, und die haben wir intern sehr intensiv diskutiert. Der Golf nimmt innerhalb der Marke eine besondere Stellung ein. Er hat mit seinem Marktstart 1974 eine ganz neue Klasse definiert – und war damals sowohl für Volkswagen als auch für die gesamte Branche eine kleine Revolution. Entsprechend hoch sind die Maßstäbe, die wir an den Golf anlegen – höher als an jedes andere Modell.

Nach der langen Käfer-Ära.

Ganz genau. Und deshalb sind unsere Ansprüche an den nächsten, den vollelektrischen Golf, ganz besonders hoch:  wie er aussieht, was er kann und wie er sich fährt. Dieses Auto wird nicht nur für die Marke eine große Bedeutung haben, sondern auch für den Markt insgesamt und für die weitere Entwicklung der Mobilität.

Und die Ansprüche kann der ID.3 Neo noch nicht erfüllen.

Das Upgrade für den ID.3 ist ein großer Schritt nach vorn – insbesondere im Interieur, das in vielerlei Hinsicht auf ein ganz neues Niveau gehoben wurde. Der ID.3 ist damit heute deutlich näher an dem, was Kunden von einem modernen Volkswagen erwarten. Gleichzeitig gilt: Den ikonischen Namen Golf tragen bei uns nur Fahrzeuge, die diesen Anspruch in jedem Detail und in jeder Disziplin vollständig einlösen. Diese Schwelle ist bewusst sehr hoch angesetzt.

VW ID.1
Konzeptstudie VW ID. Every1
„Welchen Namen er tragen wird, wann er im Handel stehen wird, kommunizieren wir später in diesem Jahr.“

Das Modell unter dem ID. Polo, das 2027 auf den Markt kommt, wird aber schon ID.Up heißen?

Heute heißt er als Projektname ID.Every1. Welchen Namen er tragen wird, wann er im Handel stehen wird, kommunizieren wir später in diesem Jahr.

Wie sieht Martin Sander die deutsche E-Auto-Prämie? Das erfahren Sie im zweiten Teil des Interviews.

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