Der koreanische Autohersteller Kia hat sich für 2021 offenbar viel vorgenommen. Vor einigen Wochen erst präsentierte das Unternehmen ein neues Firmenlogo, das mit aufstrebenden Linien seine Ambitionen aufzeigte. Und nun präsentiert Kia seine komplett neue Designphilosophie – und mit dem neuen Elektroauto EV6 auch gleich das erste Fahrzeug, das auf dieser Basis entwickelt wurde. Die technische Grundlage dafür lieferte die neue Konzernplattform E-GMP („Electric-Global Modular Platform“), auf der auch der neue Ioniq 5 der Schwestermarke Hyundai aufbaut. Wir erinnern uns: Das ist das neue Elektroauto, das wie der Porsche Taycan über eine 800-Volt-Architektur verfügt, mit der sich extrem kurze Ladezeiten darstellen lassen.

Über die Technik des EV6 verliert Kia vorerst allerdings noch nicht viele Worte – bis zum Marktstart soll die Spannung wohl noch eine Weile aufrecht erhalten werden. Erst einmal geht es allein um das Design. Und da hat sich unter der Regie von Peter Schreyer (verantwortlich für das Design der Hyundai Kia Automotive Group) sowie der ehemaligen BMW-Designer Karim Habib (verantwortlich für die Markenstrategie und das Design von Kia) und Won Kyu Kang (zuständig für die Designplanung) in der Tat einiges getan.

Frontansicht des Elektroautos EV6 von Kia
„Digitales Tigergesicht“
Das LED-Tagfahrlicht ist eine Weiterentwicklung des Tigernase-Kühlergrills, den Peter Schreyer seinerzeit für die Kia-Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor entwickelte. Foto: Kia

Die neue Designphilosophie von Kia steht unter der Überschrift „Opposites United“ (Vereinte Gegensätze) und ist nach Unternehmensangaben „inspiriert von den Gegensätzlichkeiten, die sich in der Natur und im Menschsein finden“.

Kia EV6 zeigt neue Design-Philosophie

Während Hyundai beim Ioniq 5 klare Kante fährt, zeigt Kia „Mut zur Natur“ und setzt auf weiche und trotzdem kraftvolle Linien und organische Formen und Materialien. Ein markantes Element der Fahrzeugfront ist das Tagfahrlicht, das das von Schreyer geprägte Motiv der „Tiger-Nase“ für die Ära der Elektromobilität weiterentwickelt. Für Spannung sorgen bei dem Elektro-Crossover auch die weit nach hinten geneigte Frontscheibe und die stark akzentuierten Radhäuser.

Heckansicht des EV6
Zwei Heckspoiler sollen für eine gute Aerodynamik sorgen – und eine durchgehende Lichterkette für einen brillanten Auftritt auch in den Abendstunden. Foto: Kia

Bei der Gestaltung des Hecks stand offenbar die Optimierung der Aerodynamik im Mittelpunkt: Ein großer Heckspoiler an der Dachkante leitet hier den Luftstrom zu einem Plateau unterhalb der Heckscheibe und sorgt so für hohen Anpressdruck – und im Endeffekt für einen niedrigen Energieverbrauch.

Auch im Interieur schlägt sich die neue Formensprache nieder. Gleichzeitig wird hier deutlich, welche Gestaltungsmöglichkeiten die neue Elektro-Plattform eröffnet und welches Platzangebot sie für die Insassen offeriert. Vor dem Fahrer erstreckt sich ein großformatiger, scheinbar freischwebender Hightech-Bildschirm fast über die gesamte Fahrzeugbreite. Er liefert die wichtigsten Fahrinformationen, zeigt die Strecke an – und die Möglichkeiten, sich unterwegs zu informieren und zu unterhalten.

Die Klimaanlage und einige andere Funktionen werden separat davon über Knöpfe und Taster gesteuert – den kompletten Bruch mit bewährten ergonomischen Prinzipien wollten die Kia-Designer denn doch nicht wagen. Das zeigt sich auch bei der Gestaltung der Mittelkonsole, auf der sich nach wie vor der Startknopf und die Fahrregler befinden.

Kia EV6 mit viel „Kraft zum Fortschritt“

„Wir wollen, dass unsere Produkte ein instinktives und natürliches Erlebnis bieten und damit das tägliche Leben unserer Kunden verbessern“, erklärt Designchef Habib seinen Ansatz. Soll heißen: Die „Kraft zum Fortschritt“ ist bei Kia eng mit der „Freude aus Vernunft“ verbunden – technische Spielereien, die die Bedienung eines Fahrzeugs eher erschweren als erleichtern und die Fahrsicherheit beeinträchtigen, überlassen die Koreanern gerne anderen Autoherstellern.  

Blick in den Innenraum des Kia EV6
Vor dem Fahrer erstreckt sich ein riesiges Info-Display fast über die gesamte Fahrzeugbreite. Trotzdem gibt es nach wie vor Schalter und Knöpfe für einige Funktionen, die nicht lange in irgendwelchen Untermenüs gesucht werden müssen. Foto: Kia
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