In den Statistiken des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) spielen Stromer weiterhin nur eine Außenseiterrolle: Im Oktober entfielen nur 1,7 Prozent der Neuzulassungen auf Personenwagen mit Elektroantrieb. Hoffnung machte allerdings die Zuwachsrate von 46,9 Prozent gegenüber dem Vormonat. Bei den Plug-in-Hybriden – Autos mit Verbrennungskraftmaschine samt E-Motor und Stecker – waren die Zuwächse mit 248 Prozent noch deutlicher. Es scheint, als würden die Förderprogramme der Bundesregierung für Elektrofahrzeuge allmählich Wirkung zeigen. Die jüngsten Beschlüsse der Bundesregierung dürften den Trend noch verstärken.

Und auch in der öffentlichen Diskussion finden Elektroautos steigende Akzeptanz. Dies belegt zumindest die Studie „Trends beim Autokauf 2019“, den die Mineralölgesellschaft (!) Aral heute veröffentlichte. Im Frühjahr waren dafür bundesweit 1001 Menschen – Autofahrer und Autokäufer – online befragt worden, zu Farben und Karosserieformen, aber auch Antriebskonzepten und ihren Anforderungen an die Elektromobilität. Demnach können sich inzwischen 55 Prozent der Bundesbürger „grundsätzlich“ vorstellen, in den nächsten 18 Monaten ein Elektroauto zu erwerben (allerdings nur 49 Prozent der Frauen und nur 51 Prozent der Menschen jenseits des 50. Lebensjahres). Fast noch interessanter: Für 57 Prozent der Befragten kommt ein E-Mobil als Erstfahrzeug ins Haus. Als Zweitwagen stufte den Stromer nur ein Drittel ein.

Wie weit sollte ein Elektroauto kommen?

Geknüpft ist das Interesse allerdings an sehr konkrete Vorstellungen – was die Reichweite und den Fahrzeugpreis anbetrifft. Und gegenüber der letzten Aral-Studie, die vor zwei Jahren veröffentlicht wurde, sind die Ansprüche in beiden Kategorien hoch. So erwarten die potenziellen Käufer eine Reichweite von wenigstens 531 Kilometer mit einer Akkuladung – bei der Befragung 2013 hatten sich die Befragten noch mit 463 Kilometern ohne Ladestopp zufrieden gegeben. „Seitdem wächst das Anspruchsdenken kontinuierlich“, heißt es nüchtern in der Studie. Schuld an der Entwicklung hat möglicherweise Tesla: Die US-Marke, auch das belegt die Studie, gilt in punkto Umweltfreundlichkeit als führend. „Jeder Zweite“, konstatieren die Verfasser der Studie, „denkt beim Thema Umweltfreundlichkeit an die Elektromarke Tesla“.

Aral, Shell, Total - die Mobilitätswende erreicht die Mineralölkonzerne. Sie beginnen nun, Ladesäulen an den Tankstellen aufzustellen, und entwickeln spezielle Produkte für Elektroautos. E-Mobilität

Auf Position zwei folgt Toyota. Audi, Volkswagen, Mercedes sind in den zurückliegenden zwei Jahren weit zurückgefallen – der Dieselskandal hat Spuren hinterlassen. Und Porsche kommt in der Disziplin überhaupt nicht vor. Allerdings war das neue Elektroauto Taycan, das nominell auf eine Reichweite von bis zu 450 Kilometern kommt und in nur fünf Minuten Strom für eine Strecke von 100 Kilometern aufnehmen kann, zum Zeitpunkt der Befragung auch noch nicht auf der Straße.

Ganz sicher aber liegt es an den Luxus-Stromern von Tesla und Porsche, dass die Bereitschaft der deutschen E-Mobil-Interessenten zu Kompromissen und zu Abstrichen gegenüber dem gewohnten Fahrverhalten eher geschrumpft denn gewachsen ist: Gefordert wird volle Alltagstauglichkeit. Wenn man auf Reisen zu Ladestopps gezwungen werden sollte, will man nicht allzu lange an der Stromleitung hängen: 58 Prozent akzeptieren maximal eine halbstündige Pause. Nur 39 Prozent wären bereit, auch mal länger zu verweilen.

Was darf ein Elektroauto mehr kosten?

Noch höher sind nach der Aral-Studie die Erwartungen an die Autohersteller bei der Preisgestaltung. Zwar haben die Deutschen inzwischen akzeptiert, dass die Energiewende auf der Straße nicht zum Nulltarif zu haben ist. Aber nur wenige sind nach wie vor bereit, für die Anschaffung eines Elektroautos tief in die Tasche zu greifen. Aktuell würde man einen Mehrpreis von durchschnittlich 3210 Euro gegenüber einem vergleichbar großen Auto mit Verbrennungsmotor akzeptieren. Das ist zwar deutlich mehr als bei der Befragung 2011: Damals wurde ein Mehrpreis von etwa 1043 Euro erwartet.

Damit kommen sich die Erwartung der Befragten und die tatsächlichen Marktpreise schon ein großes Stück näher. So kostet der neue Opel Corsa e (Basispreis 29.900 Euro) unter Berücksichtigung der jüngsten Beschlüsse der Bundesregierung zur Förderung der Elektromobilität und nach Abzug des Öko-Bonus in Höhe 6000 Euro (bei Fahrzeugen mit einem Listenpreis unter 40.000 Euro) tatsächlich fast schon so viel wie die Topvariante GS des Corsa mit vergleichbar starkem Benziner an Bord (23.340 Euro). Der Preisunterschied zwischen dem vollelektrischen Volkswagen ID.3 (Basismodell ebenfalls ab 29.900 Euro) und dem neuen VW Golf dürfte nur unwesentlich größer sein.

Opel Corsa-e
Opel Corsa-e
Nach Abzug des Öko-Bonus fast genauso teuer wie ein Verbrenner.
© Opel

Da sind die deutlich niedrigeren Betriebskosten (Energie und Wartung) des Stromers aber noch nicht eingerechnet. Dass eine Mineralölgesellschaft den Aspekt in seiner Befragung nicht weiter vertieft, ist allerdings nachvollziehbar. Wie schreibt Patrick Wendeler, Vorstandschef der Aral AG in seinem Vorwort zur Studie: „Der Autokauf bildet somit deutlich mehr als eine Konsumentscheidung ab, er ist immer auch ein vom Zeitgeist getriebenes Stimmungsbild der Gesellschaft.“ Die Studie zeigt: Der Zeitgeist wandelt sich gerade. Und Aral tut gut daran, sich am Aufbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos zu beteiligen.

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1 Kommentar

  1. Avatar

    Hier passt die Überschrift gar nicht zum Artikel… ist das Absicht?

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