Kurz vor Weihnachten nahm Audi im vergangenen Jahr in Nürnberg seinen ersten „Charging Hub“ in Betrieb – eine exklusive Ladestation für Elektroautos mit den vier Ringen, aber auch anderer Marken. Mit sechs Ladepunkten, an denen die Akkus der Audi-Stromer mit bis zu 320 kW Ladeleistung befüllt werden können und einer eleganten Lounge in der Etage darüber, in der sich die Fahrer mit Kaffee und Kaltgetränken stärken konnten. Die Resonanz auf die stylische Stromtankstelle in der Nähe des Messegeländes war ausgesprochen gut. Nicht nur Delegationen anderer Automobilhersteller gaben sich hier in den zurückliegenden Monaten die Klinke und den Ladestecker in die Hand. Auch Elektromobilisten nutzten den kleinen Schnellladepark intensiv: Rund 3600 Ladevorgänge registrierte hier Audi zwischen Anfang Januar und Ende April. Bei bis zu 54 Ladevorgängen wurden pro Tag 800 kWh Strom gezapft.

Auf Nürnberg folgen Zürich, Salzburg und Berlin

Das ermuntert die Verantwortlichen bei Audi nun, den nächsten Schritt zu tun und das Konzept weiter auszurollen: In der zweiten Jahreshälfte wird im Zürcher Bankenviertel der zweite „Charging Hub“ in Betrieb genommen. Und bis Mitte 2024 sollen auch in Salzburg und Berlin Schnellladestationen errichtet. „Die Zahlen und das positive Kundenfeedback zeigen, dass unser Konzept, eine flexible und premiumgerechte Schnellladeinfrastruktur im städtischen Bereich anzubieten, voll aufgegangen ist“, sagt Ralph Hollmig, der verantwortliche Projektleiter.

Audi

Allerdings wird Konzept an den neuen Standorten an die Bedingungen dort angepasst. In der Zürcher Innenstadt gibt es ausreichend Cafés und andere Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben – da kann sich Audi die Lounge und damit das Obergeschoss sparen. Der zweite Audi Charging Hub wird also ebenerdig angelegt. Ersatzweise wird eine mobile Fahrzeugwäsche angeboten. Und aufgrund des begrenzen Platzangebots wird die Schnellladestation auf 145 Quadratmetern Fläche auch nur vier Ladepunkte haben.

Technik nochmals bedienerfreundlicher

Dafür wurden auf der Basis der in Nürnberg gesammelten Erfahrungen einige technische Details optimiert, wie Produktplaner Ewald Kreml in einem Pressegespräch erläuterte. So sind die Bedienterminals an den Ladesäulen höhenverstellbar und die Displays 55 Zoll groß, damit sie beispielsweise auch von Menschen im Rollstuhl bedient und besser eingesehen werden können. Und die Schwenkarme wurden modifiziert, am das Handling zu erleichtern und jeden nur denkbaren Ladeanschluss am Fahrzeug erreichen zu können.

Christiane Zorn Christiane Zorn ist bei Audi Bindeglied zwischen den Märkten und der Ingenieuren, die Elektromobilität ist ihre Passion. Ein Lade-Talk am Audi Charging-Hub Nürnberg. Elektroauto

Alles andere hat sich bewährt und bleibt erhalten. Etwa die maximale Ladeleistung von 320 kW oder die Möglichkeit (exklusiv für Audi e-tron-Fahrer), den Ladepunkt zu reservieren. Festgehalten wird aber auch an den neuen Standorten am modularen Aufbau der Anlage nach dem Baukastenprinzip, der für ein hohes Maß an Flexibilität sorgt. In einem Container-Würfel – von Audi „Cube“ genannt – steckt die Steuerungselektronik, in einem anderen ein Stromspeicher mit einer Kapazität von 875 kWh. 330 Zellen aus den Akkus ausrangierter oder gecrashter Elektroautos aus dem VW-Konzern kriegen so ein zweites Leben.

„Fliegende Bauten“ in 13 deutschen Städten

Drittes Modul ist der „Power Cube“ mit der Ladevorrichtung und einem Zwischenpuffer von 525 kWh. Auch hier kommen ausrangierte Batterien zum Einsatz. „Dieser fliegende Bau ermöglicht es uns, die Netzanschlussleistung auf 200 kW zu begrenzen und damit die Genehmigungsprozesse zu vereinfachen“, erläuterte Kreml Sinn und Zweck der „fliegenden Bauten“. Rentiert sich ein Standort irgendwann nicht mehr, kann der Luxus-Ladetempel auch schnell an eine andere Stelle verlegt werden.

Der Audi-Manager ist auch deshalb überzeugt, dass sich das Konzept durchsetzen wird – nicht nur bei Audi und an weiteren Standorten, sondern auch im Konzern: Mit den Kollegen von Porsche tausche man sich bereits intensiv aus. Auch über die Möglichkeit, mit den Charging Hubs zur Stabilisierung des Stromnetzes beizutragen – und am THG-Quotenhandel teilzunehmen.

Nach Nürnberg und Berlin sollen deshalb noch im kommenden Jahr noch drei weitere Standorte in deutschen Metropolen eröffnet werden – und 2024 weitere acht Hubs entstehen. Wo genau, steht noch nicht fest. Allerdings wisse man aufgrund der vorliegenden Daten sehr genau, wo die Elektroautos von Audi regelmäßig laden und bewegt werden. Kreml: „Da gehen wir dann hin.“

Artikel teilen

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.