Eigentlich war uns das schon vor dem Einsteigen klar: Wenn in der weiß-blauen Welt dieses Münchner Autoherstellers nicht zwischendurch die Sonne vom Himmel gefallen ist, dann wird es sein wie immer. Ein BMW ist ein BMW, also ziemlich perfekt. Und selbst wenn es (wie hier) ein neumodischer Vollelektriker ist, muss man zu seiner Inbetriebnahme (und zum weiteren Umgang) kein IT-Profi sein oder irgendeine blöde ellenlange Bedienungsanleitung lesen. Nö, aufsperren, reinsetzen. Knopf drücken, D wählen und losfahren. Und dann, wusch, die Freude am Fahren. Im Ernst. Aber der Reihe nach.

Zum Beispiel das Cockpit. Selbsterklärend. Kein hippes oder mehrstufig kompliziertes Menü-Gedöhns (nein, wir nennen jetzt mal keine Konkurrenten), sondern diese grundlogische Vertrautheit aller Anzeigen, Schalter, Knöpfe und Touchflächen. Wer will, der kann alle Wege und Einstellungen oben auf dem Touchscreen daddeln. Oder unten in netter Griffweite die BMW-typische iDrive-Steuerung nutzen. Perfekt. Geht zweiten Tag schon ohne Hingucken.

Was sitzt auf dem Baum und ruft Aha?

Für die Regelung der Radiolaustärke gibt es hier sogar, man glaubt es vor lauter kindischer Freude nicht, einen fein geriffelten Drehknopf. Ebensolches für die Regelung der Klimaanlage. Und natürlich funktioniert das komplette Software-System, das für fast jede Funktion dieses iX3 noch hübsche Individualisierungen offeriert, ohne Abstürze, Bugs und Warteschleifen. Das können wir nach dieser Testwoche unterschreiben. Der Hammer ist die Sprachsteuerung, die jeden Dialekt (auch sächsisch!), jede Nuschelei und jede Naviadresse versteht und in Nullkommanichts in eine Route umsetzt. „Einen schönen Abend“, hat uns die sanfte Frauenstimme gerade passend zur Uhrzeit gewünscht. Und dann noch auf unser Verlangen einen doofen Witz erzählt. „Was sitzt auf dem Baum und ruft Aha? Ein Uhu mit Sprachfehler.“ Hohoho.

Typisch BMW
Keine Rätsel gibt das Cockpit des BMW iX3 auf. Der Startknopf ist wie so vieles andere hellblau markiert – damit man niemals vergisst, dass man elektrisch und umweltverträglich unterwegs ist. Foto: BMW

Genau, die Welt ist heutzutage kompliziert genug, da brauchen wir ein bisschen Spaß und nicht zusätzlichen Stress im Auto. Deshalb freuen wir uns auch über den wirklich nicht zu übersehenden großen blauen Startknopf. Und über den kurzen musikalischen Tusch (den gibt es in anderer Tonlage auch zum Aussteigen), den Filmkomponist und Oscar-Preisträger Hans Florian Zimmer (Sie wissen schon, „König der Löwen“ und so), höchstselbst für BMW gezaubert hat. Klingt etwas spacig, aber eigentlich sehr anheimelnd. Für die einzelnen Fahrmodi gibt es dann beim Beschleunigen noch nette Abwandlungen. Werden über Innen- und Außenlautsprecher gesendet. Fett bassig im »Sport«-Modus.

Richtige Türgriffe zum Zupacken

Ach ja, eine Gestensteuerung gibt es hier auch. Sieht für die Nebenleute zwar ein bisschen blöd aus, wenn wir mit einzelnen Fingern und der ganzen Hand (erfasst von einer Kamera im Dachhimmel) in der Luft herumhampeln. Aber Leute, es funktioniert! Eine Geste können wir sogar individuell belegen, zum Beispiel für die Zielführung zur Heimatadresse. Alle fünf Finger strecken, zur Faust formen, noch mal strecken – schon findet der Stromer von überall brav nach Hause. Inzwischen ist uns auch aufgefallen, dass der iX3 im Gegensatz zu einigen Konkurrenten nicht nur USB-C-Anschlüsse, sondern dankenswerterweise auch den größeren, noch weit verbreiteten aber älteren USB-A-Port an Bord hat.

Langsam, wir drehen erst noch eine Besichtigungsrunde ums Auto, dessen Front mit der weitgehend geschlossenen Kühlergrill-Niere auffällt. Hinter einigen nicht sichtbaren Öffnungen verbirgt sich aber eine schlaue Luftklappensteuerung, die diversen E-Komponenten nach Bedarf die notwendige Kühlluft zufächelt. Holla, und hier: Richtige Türgriffe zum Zupacken! Und dann findet sich rundum noch einiges von diesem blauen Zierzeugs (wie wir es auch von anderen E-Modellen kennen). Das ist jetzt nicht so cool, das es zum Kreischen ist. Aber schüchterne Gemüter, die sich als E-Jünger nicht verraten wollen, können die blauen Farbtupfer auch abbestellen. Gegen Frozen Grey-Töne und ein wenig Chrom eintauschen.

Runde Sache
Die Aerodynamik-Abteilung von BMW hat 20 Zoll große Räder geformt, die 15 Prozent leichter sind. Leichtlaufreifen tun ein übriges, um den Stromer sparsam rollen zu lassen. Foto: BMW

Dann diese optisch ziemlich heißen, glanzgedrehten Räder im 20-Zoll-Format mit Mischbereifung (245/45 und 275/40). Eine spezielle Aerodynamik-Entwicklung von BMW, die, man glaubt es kaum, den Luftwiderstandsbeiwert gegenüber normalen Leichtmetallrädern um rund fünf Prozent reduzieren sollen. Etwa 15 Prozent leichter sind sie übrigens auch. Da stört uns Ästheten nur der unverkleidete Ventilnippel.

Drinnen sehen wir viel glänzend-schwarzen Klavierlack (Sie kriegen aber auch Edelholz und so weiter), das akkurat gesteppte Sitzleder der Topausstattung (dazu später mehr) und abends dieses farblich wählbare, kuschelige Ambientelicht, dass uns in der blauen Version am passendsten erscheint. Großes Fahrerdisplay, ausreichen großer, zentraler Touchscreen in idealer Blickrichtung. Und dieses feine Harman Kardon-Surround-Soundsystem des Testwagens. Mit insgesamt 16 versteckten Lautsprechern. Suchaufgabe for quenglige Beifahrer.

Allradantrieb gibt es erst im Nachfolgemodell

Grundsätzlich ist es ziemlich erstaunlich, wie sie es bei BMW mit der Verkleinerung der E-Bauteile der fünften Generation (Motor, Leistungselektronik und Getriebe in einem kompakten Gehäuse) geschafft haben, dem iX3 so viel Innenraum zu sichern. Überall viel Bewegungsfreiheit, nur bei der Kopfhöhe im Fond fehlen 1,5 Zentimeter. Aber sogar fürs unsereins mit 1,94 Meter Körpergröße passt es trotz Panorama-Schiebedach locker in beiden Sitzreihen. Obwohl der sich im Unterboden breitmachende große Akku, dessen Zellen übrigens der bekannte China-Multi CATL zuliefert, exakt 17 Zentimeter hoch ist.

Kaum Einbußen auch beim Laderaum, der standardmäßig 510 Liter Volumen offeriert, mit umgelegten Rücksitzlehnen (Teilung 40:20:40) werden es 1560 Liter (Verbrenner-Modelle 550/1600 Liter). Außerdem gibt es unterm Ladeboden noch diese Höhle für Ladekabel, Werkzeug und ähnliches. Muss auf Urlaubsfahrt aber erst einmal oben freigeräumt werden, wenn die Ladekabel gefragt sind. Ein praktisches “Frunk”-Ladeabteil unter der Vorderhaube, wie aus anderen E-Modellen etwa von Tesla bekannt, gibt es hier leider nicht. Auch für einen zweiten Elektromotor an der Vorderachse, über den ein Allradantrieb, den der typische X3-Kunde so liebt (in Deutschland verkauft sich der SUV nur mit Allradantrieb), möglich wäre, war vorn offenbar kein Platz, obwohl es unter der großen Plastikabdeckung ziemlich luftig aussieht. Nein, die Kraxeltechnik gibt es erst in einigen Jahren beim Nachfolgemodell.

Heckantrieb mit 210 kW Spitzenleistung

Erster Tag, erste Runde. Ab auf die Piste. Vorher haben wir uns noch fix die Papierwerte des Stromers angeschaut. Der E-Motor im Heck liefert 210 kW, also 286 ordentliche PS als Spitzenleistung. Und die hier spannenderen 400 Newtonmeter Drehmoment schlagen wie bei allen Stromern quasi ab Stand zu. Für den Sprint auf Tempo 100 verspricht BMW 6,8 Sekunden, das liegt etwa auf dem Level eines BMW X3 xDrive30i mit 245 Benziner-PS.

Allerdings ist seine Spitze (tja, der liebe Stromverbrauch) auf 180 km/h limitiert. Richtig, dazu hatten wir auf dieser Website gerade eine philosophisch angehauchte Diskussion bezüglich des neuen VW ID.4 GTX. Tempo 200 würde uns natürlich besser gefallen. Für den kurzen Kick und so. Wir würden das, Schwur drauf, ja niemals lange durchdüsen. Aber dafür hätte es hier einen zweiten Gang gebraucht, zumal die E-Maschine eh schon bis zu 17.000 Touren nudelt.

Maximal 750 Kilo Anhängelast
Der BMW iX3 ist als Zugmaschine nur bedingt tauglich. Da bieten andere Elektroautos deutlich mehr. Foto: BMW

Weil wir gerade beim Kriteln sind: Für dieses Auto sind maximal 750 Kilo Anhängelast erlaubt. Würde uns mal interessieren, wer da in München der übervorsichtige Bremser war – ein ebenfalls heckgetriebener VW ID.4 darf 1000 Kilo an den Haken nehmen. Reicht für den Baumarkt, aber nicht fürs Boot und auch nicht für den Pferdeanhänger.

„Ärgerlich“, wird später der Mercedes-Fahrer sagen, der an der Autobahn-Raststätte Fichtenplan die Ionity-Ladesäule neben uns nutzt und vor einer Minute noch über die seiner Meinung nach zu mickrige Reichweite seines Autos klagte. „Da haben Sie wohl das falsche Modell“, grinst er noch und verabschiedet sich zum Pausenkaffee. Sein vierradgetriebener Mercedes EQC darf nämlich bis zu 1800 Kilo ziehen.

Im zweiten Teil erfahren Sie, wie sich der BMW iX3 auf der Straße und an der Ladesäule schlägt.

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2 Kommentare

  1. Avatar

    Mir gefällt dieser Schreibstil nicht. Ich möchte nicht den Begriff „Geschwurbel“ verwenden, aber mich stören die vielen überflüssigen Füllsätze und sinnlosen Einwürfe. Andererseits sind auch einige Sätze unvollständig. Muss das so sein? Wird damit ein bestimmter Zweck verfolgt, der sich mir nur erschließt? Meiner Meinung nach stört das den Lesefluss erheblich und erhöht den Zeitaufwand für das Erfassen der relevanten Informationen.

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    • Franz W. Rother

      Das ist der Stil des Autors, der vielen Lesern sehr gut gefällt

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