In Italien wuseln 2000 Exemplare bereits durch Städte wie Turin, Mailand und Rom. Und auch in Frankreich haben sich bereits 6500 Menschen entschieden, sich zu Preisen ab 6.990 Euro Euro einen kleinen „Freund“ zuzulegen, um mit ihm zur Arbeit zu fahren oder Einkäufe zu erledigen.

Ein Jahr nach der Markteinführung des vollelektrischen AMI hat Citroën jetzt eine erste Bilanz gezogen. Und die fällt ausgesprochen positiv aus: Das ultrakompakte und sparsame Elektroauto mit dem ungewöhnlichen Design scheint sein Publikum gefunden zu haben, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Das Unternehmen bereitet sich nun darauf vor, weitere Märkte mit dem in Marokko gebauten und maximal 45 km/h schnellen Leichtfahrzeug zu erobern: Der AMI wird derzeit in Spanien, Belgien und Portugal eingeführt. Auch in Großbritannien wird der kleine Zweisitzer schon bald in größeren Stückzahlen verfügbar sein – mit Linkslenkung.

Deutscher Markt wird Opel Rocks-e überlassen

Und Deutschland? Dort war der Citroën AMI vor einem Jahr als „einzigartige Mobilitätserfahrung“ vorgestellt worden und nach Testfahrten durch Berlin bei der Fachpresse, auch bei EDISON durchaus auf eine positive Resonanz gestoßen. Trotzdem: Eine Markteinführung des AMI ist in Deutschland entgegen der ursprünglichen Planung nun doch nicht geplant. Der Grund: Konzernschwester Opel bringt zum Jahresende mit dem „Rocks-e“ eine optisch leicht modifizierte Variante des „SUM“ (Smart Urban Mobil“) auf den deutschen Markt. Und in der Konzernzentrale von Stellantis (Peugeot-Citroën, DS, Opel, Fiat, Abarth, Alfa-Romeo, Lancia, Jeep, Chrysler, Dodge) man sich strategischen Gründen offenbar entschieden, den deutschen Markt bei dieser Fahrzeuggattung Opel zu überlassen. Das spart Vertriebs- und Marketingkosten.

Mit Moped-Führerschein: Frankreichs neuer Elektrozwerg, der unsere großstädtische Mobilität entspannen soll. Er ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Aber so was von cool. Elektroauto

Zumindest gilt die Entscheidung für die erste Verkaufswelle, wie aus der Deutschlandzentrale von Citroën verlautet: „Angesichts der Herausforderungen der Covid-19-Pandemie und der benötigten Zeit zur Implementierung eines voll-digitalen Vertriebserlebnisses – von der Bestellung bis zur Lieferung – für diese einzigartige Mobilitätslösung ist es wichtig, unsere Ressourcen möglichst ideal einzusetzen.“ Das Unternehmen freue sich über die hohen Bestellzahlen in Frankreich, Spanien, Italien, Portugal und den Benelux-Ländern – „daher fokussiert sich Citroën in 2021 beim Marktstart vom Ami auf diese Länder, bevor der Ami in weiteren Ländern eingeführt wird.“

Alternative für Deutschland 
Der Opel Rocks-e unterscheidet sich nur in wenigen (optischen) Details vom Citroën AMI, der bereits seit einigen Monaten in Frankreich und Italien auf dem Markt ist. Das deutsche Schwestermodell startet zum Jahresende. Foto: Opel
Alternative für Deutschland
Der Opel Rocks-e unterscheidet sich nur in wenigen (optischen) Details vom Citroën AMI, der bereits seit einigen Monaten in Frankreich und Italien auf dem Markt ist. Das deutsche Schwestermodell startet zum Jahresende. Foto: Opel

Von den Erfahrungen, die Citroën beim Vertrieb des AMI sammelte, kann Opel auf diese Weise profitieren. Während Opel den Rocks-e als Alternative zu E-Bike- und E-Scooter ansieht und vor allem junge Stadtbewohner als Käufer erwartet, leben die Kunden des AMI größtenteils außerhalb der großen Stadtzentren: Es sind Bewohner von „Kleinstädten und ländlichen Gebieten“, wo das Mikroauto den Mangel an öffentlichen Verkehrsmitteln ausgleicht.

Günstiger Preis wichtiger als Öko-Aspekte

Über das Alter der Käufer – das vermutlich höher ist als vom Marketing erwartet – lässt sich Citroën zwar nicht aus. Dafür kennt das Unternehmen inzwischen die Kaufmotive. Demnach wird der kleine Stomer (von einem Auto mag auch bei Opel niemand reden) zwar auch aus einem „Umweltgewissen“ heraus gekauft. Und der ökologische Aspekt habe im Ranking der Kaufmotive klar Vorrang vor der innovativen Vermarktungsmethode – der AMI kann in Frankreich einfach online oder über das Fnac-Darty-Netz bestellt werden und wird dann nach Hause geliefert. An letzter Stelle steht bei den Kaufmotiven der originelle Stil des 2,41 Meter langen „Kastenwagens“, der mit seiner 5,5 Kilowattstunden großen Batterie unter dem Beifahrersitz bis zu 75 Kilometer weit rollen kann.

Ausschlaggebend für den Kauf war bei den meisten Kunden aber der niedrige Preis des Microcars: Mit 6.990 € (ohne Boni) oder im Leasing 19,99 Euro (bei Anzahlung von 3.000 Euro), ist der AMI in Frankreich deutlich günstiger als etwa ein Renault Twizy, für den inzwischen in Frankreich wenigstens 10.150 Euro aufgerufen werden. Und auch im Betrieb ist der AMI unschlagbar günstig: Das Aufladen seiner Batterie kostet im Nachbarland nur 0,70 Cent. Zum Vergleich: In Deutschland wären bei den aktuellen Strompreisen wenigstens 1,76 Euro fällig.

Was der Opel Rocks-e in Deutschland kosten wird, mag Opel übrigens noch nicht verraten. Die Rede ist lediglich von einem Preis „unter 10.000 Euro“. Ein Umweltbonus wird hierzulande bei dieser Fahrzeuggattung bislang nicht gewährt.


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