Elektrische Kleinwagen wollen bei ihren potenziellen Kunden in erster Linie mit drei Aspekten punkten: einem günstigen Preis, hohem Alltagsnutzen und großer Effizienz. Darauf pfeift der Cupra Raval VZ. Okay – das Platzangebot in dem 4,05 Meter langen E-Spanier passt, die Sitze sind mehr als ordentlich und die beiden Displays mit Diagonalen von 10,25 und 12,9 Zoll zeitgemäß. Doch das war es auch schon, denn für mindestens 43.525 Euro gibt es deutlich größere Elektromodelle für die Familie. Und wer mit dem Raval VZ artgerecht unterwegs ist, kann von den knapp 400 Kilometern Reichweite, die der Prospekt verspricht, nur träumen.
Doch der technische Zwillingsbruder von VW ID. Polo und Skoda Epiq will so rebellisch wie sein Name sein – unterstrichen von einem Äußeren, die man es von den Cupra-Modellen bereist bestens kennt. Abgesehen vom säuselnden Elektroantrieb ist er alles andere als ein Leisetreter. Doch wo gibt es sonst schon eine gefällige Symbiose aus Kanten, Fugen und Proportionen, die sich wohltuend vom bisweilen müden Wettbewerb abheben?

Der Raval trägt das typische Cupra-Gesicht. Die Verwandtschaft zu Born und Tavascan, den großen E-Brüdern ist nicht zu übersehen.
Klar, auch der Einsteiger-Raval mit 85 kW oder 116 PS Spitzenleistung für mindestens 25.950 Euro kann sich ebenfalls sehen lassen. Doch wenn schon, denn schon. Und um das kleine 37-kWh-Batteriepajet sollte man ohnehin einen Bogen machen. Denn sonst sackt die Reichweite nicht allein an kalten Wintertagen schnell auf unter 250 Kilometer.
166 kW sorgen für ordentlich Schub
Bei der Weltpremiere Anfang April konnten wir in dem Raval schon einmal probesitzen. Nun hatten wir Gelegenheit zu einer ersten Ausfahrt mit dem kleinen Stromer. Und das gleich auch noch mit der schärfsten Version VZ. In der will der Raval speziell die Innenstädte erobern, doch auch auf Landstraßen, so unser erster Eindruck, kann er mit seinem straffen Sportfahrwerk, breiterer Spur und 235er Pneus glänzen. Der Anzug des Fronttrieblers ist bissig – der Schub ist im Lenkrad spürbar, weil der Volkswagen Konzern dem einst so gefeierten Elektrokonzept mit dem Antrieb an der Hinterachse wieder den Rücken kehrte. Eine elektronische Sperre sorgt aber dafür, dass sich die Störungen abgesehen von ambitionierter Gangart in Grenzen halten.

In unter sieben Sekunden beschleunigt der kleine Raval VZ auf Tempo 100. Und das ganz ohne Krawall. fotos: Cupra
Doch so sehr die Spitzenleistung des VZ von 166 kW für gute Laune beim Ampelstart sorgen – auf der Autobahn und beim Nachladen wird es zäher als erwartet. Für eine ausgewiesene Sportversion sind abgeregelte 175 km/h als Maximaltempo schwer akzeptabel, solange es auf deutschen Autobahnen kein Tempolimit. Bereits der erste 110 PS starke VW Golf GTI schaffte in den 1970ern bis auf 182 km/h.
Laden mit maximal 105 kW
Auch das Tempo an der Ladestation ist könnte schneller sein. An einem Schnelllader zieht der Cupra Raval den Gleichstrom mit maximal 105 kW in seine 52 kWh fassende Batterie. Das ist immerhin mehr als die schwächeren Versionen vermögen, deren Ladekurve auf maximal 88 kW steigt. Dafür ist die Ladeperformance ganz ordentlich: Maximal 23 Minuten soll es dauern, um den Akku wieder auf 80 Prozent zu befüllen.

Das Platzangebot in dem 4,05 Meter langen E-Spanier passt, die Sitze sind mehr als ordentlich und die Displays mit Diagonalen von 10,25 und 12,9 Zoll zeitgemäß. Schalensitze sind im VZ ebenso serienmäßig wie die Sitzbezüge aus 3D-Strick mit Akzenten in „Sulfur“.
Freude machen die präzise Lenkung des Spaniers, ein gut abgestimmtes Fahrwerk, dass sich in ein unterschiedlichsten Modi justieren lässt und wohl konturierte Sportsitze, die auch groß gewachsenen Insassen exzellenten Seitenhalt bieten. Bei flotter Gangart gehen die Mundwinkel schnell nach oben und die Pupillen weiten sich. Leider nur lässt ein solches Fahrverhalten die digital angezeigte Restreichweite rasch sinken. Aus den vom Hersteller in Aussicht gestellten 380 Kilometern werden dann schnell weniger als 300. Kein Gedanke, wie das bei der klein dimensionierten 37-kWh-Version aussehen würde.
Flott durch die City, die Lieblingsmusik aus dem 475-Watt-System wummernd, immer wieder diese etwas zu leichte, aber ungemein präzise Lenkung genießend und das stramme Gesamtpaket nutzend, ist der Raval VZ einer der vieles anders macht im Segment der Elektrokleinwagen. Fahrverhalten und ein gefälliges Design müssen einem aber auch 43.525 Euro wert sein. Das Basismodell des VW ID.Polo gibt es bereits für knapp 25.000 Euro. Und für den neuen Citroën ë-C3 in Urban Range-Ausführung sind wenig mehr als 20.000 Euro aufgerufen. Da kann man bei aller Begeisterung schon ins Grübeln kommen.