Die Idee ist uralt. Schon Thomas Alva Edison wollte seine Elektroautos, die er zusammen mit seinem damaligen Mitarbeiter Henry Ford entwickelt hatte, im Taxiverkehr in New York einsetzen. Damit den Droschkenkutschern nicht zu viel Zeit beim Laden des Akkus verloren ging, sollten sie die leeren Stromspeicher an speziellen Stationen kurzerhand gegen frisch geladene austauschen können. Das Konzept setzte sich damals ebenso wenig durch wie der Elektroantrieb. Unter anderem, weil das Handling der schweren Bleibatterien zu schwierig war und der Aktionsradius der Elektroautos mit 50 Kilometern recht bescheiden war.

Gut 100 Jahre später griff der israelische Unternehmer Shai Agassi die Idee noch einmal auf. „Better Place“ nannte er seine Company, die 2007 mit der Unterstützung von Renault und internationalen Investoren damit begann, in Israel, Dänemark und Australien ein Netz von Akku-Wechselstationen aufzubauen. Dort sollten Elektroautos aller möglichen Hersteller ihren Stromspeicher in fünf Minuten wechseln können, ohne aus dem Auto auszusteigen. Aber auch das Projekt scheiterte: Aufgrund der geringen Speicherkapazität hätten die Akkus damals zu häufig gewechselt werden müssen. Die Wechselstationen hätten zu viele der teuren Akkus vorhalten – und sich die Autohersteller auf eine Standard-Batterie einigen müssen. Pustekuchen, 2013 ging das Unternehmen spektakulär pleite. Auch Tesla hatte sich 2013 mit dem Thema beschäftigt, die Idee aber 2015 wieder aufgegeben, weil hohe Ladeleistungen den Ladevorgang deutlich reduziert hatten.

312 Akkuwechsel am Tag
Der Autohersteller NIO hat in China bereits die zweite Generation seiner Batterie-Wechselstation im Einsatz. Betrieben werden sie dort in Kooperation mit dem Mineralölkonzern und Tankstellen-Betreiber Sinopec. Foto: NIO

Doch die Idee des Akkutauschs geistert bis heute weiter durch die Autoindustrie. Der chinesische Newcomer NIO hat sie vor drei Jahren wiederbelebt, eine Reihe der „Better Place“-Patente erworben und in seinem Heimatland auch bereits über 500 so genannte „Power Swap Stations“ aufgebaut. In den garagenähnlichen Anlagen werden jeweils 13 Akkus bevorratet und von einem Roboter vollautomatisch in dreieinhalb Minuten gewechselt, wenn ein NIO ES8 mit leerem Stromspeicher hineinfährt.

Der neue ES 6 ist bereits das zweite Großserienmodell der chinesischen Marke. Es glänzt nicht nur mit einem günstigen Preis und einer luxuriösen Ausstattung, sondern auch mit pfiffigen Ladelösungen Elektroauto

Wie NIO kürzlich meldete, haben an den Stationen in China bereits mehr als vier Millionen Batterietauschvorgänge stattgefunden. Und NIO hat ehrgeizige Pläne: Bis 2025 habe man sich zum Ziel gesetzt, weltweit mehr als 4.000 Batteriewechselstationen zu errichten, davon 1.000 außerhalb Chinas. Auch für Europa plant NIO den Aufbau eines Netzes von Wechselstationen. Der Clou dabei: NIO-Kunden, die sich für das System entscheiden, leasen die Akkus ihrer Elektroautos nur, was die Anschaffungskosten für das Elektroauto deutlich senkt.

Wechsel der Batterie in 30 Minuten

Und auch in Deutschland lebt die Idee des Akkutauschs wieder auf. Der Aachener Elektroauto-Hersteller Next Ego Mobile kündigte an, im städtischen Raum mit dem System „e.Pit“ eine eigene Batterie-Tauschlösung für seine Kunden einzuführen. Fahrer eines „e.GO Life“ sollen ihre leere Antriebsbatterie an den e.Pit-Stopps in 30 Minuten gegen einen vollen Stromspeicher tauschen können. Einen Monat Zeit haben die Kunden anschließend Zeit, an der Wechselstation den geliehenen wieder gegen den eigenen einzutauschen.

Untergrundbewegung
Der Prototyp der Batteriewechsel-Station von Better Place, der 2007 in Japan präsentiert wurde, sah vor, dass Roboter den Autos die Akkus von unten entnehmen und in wenigen Minuten gegen einen vollen Stromspeicher austauschen. Foto: Better Place

Zwei Tauschstationen am Firmenstandort in Aachen und in Zülpich sind bereits in Betrieb, weitere Station in Düsseldorf und Hamburg werden gerade gebaut. Dort dauert der Batterietausch aktuell noch eine knappe Stunde. Künftig soll der Wechsel aber in einer halben Stunde durchgeführt werden – die Prozesse sollen noch optimiert werden.

Rückgabe des Leih-Akkus spätestens nach einem Monat

Nutzen sollen die Stationen Kunden, die mit dem Stadtmobil e.Go Life – Reichweite zwischen 100 und 125 Kilometer – mal auf eine Überlandfahrt gehen wollen. Sie können am „e.Pit“-Stopp den Akku wechseln und auf dem Rückweg (oder spätestens nach einem Monat) ihren eigenen vollgeladen wieder einsetzen lassen. Der Service steht allen e.GO-Kunden im Rahmen ihres jährlichen Tauschkontingents kostenlos zur Verfügung.

„Bei e.GO ist der Batterietausch nicht nur ein neues Feature oder ein weiterer Geschäftszweig“, erklärte Ali Vezvaei, der Vorstandsvorsitzende der Next.e.GO Mobile SE das Engagement. Durch den Einsatz von innovativen Technologien wollen man seinen Kunden „unsere Dankbarkeit zeigen“ für ein verantwortungsvolles Streben nach einem möglichst kleinen CO2-Fußabdruck im Verkehr – „mit unserer Batterietauschlösung bieten wir den entsprechenden Komfort dafür.“

Batteriewechsel bei e.Go Life
Hoch hinaus
An den e.Pit-Stützpunkten von e.Go Mobile werden die Akkus den Elektroautos derzeit noch per Hand eingesetzt. Derzeit dauert das noch eine Stunde, schon bald soll die Wechselzeit auf 30 Minuten reduziert werden. Foto: e.Go Mobile
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