Es brodelt im B-Segment. Volkswagen hat mit dem lange angekündigten ID. Polo den Fehdehandschuh geworfen, der mit digitalem Retrocharme, wiedergefundener Qualität und einem Einstiegspreis ab 25.000 Euro die Kunden locken soll. Ebenso wie der neue ID.Cross, Cupra Raval oder der Skoda Epiq. Doch nicht nur der Konzern aus Wolfsburg drängt mit Macht ins Segment der elektrischen Kleinwagen, in dem Renault mit dem R5 und dem R4 und Opel mit dem Mokka-e erfolgreich unterwegs ist.

Auch der Hyundai-Konzern skaliert seine E-GMP-Plattform nun eine Nummer kompakter. Hyundais Antwort auf den elektrischen Polo ist der Ioniq 3, der jetzt seine Weltpremiere während der Designweek in Mailand erlebte. Mit einem Startpreis von knapp unter 30.000 Euro zielt er treffsicher auf das Preisniveau des ID.Cross. Und nicht nur das: Mit einer Außenlänge von 4,15 Metern ist der „Aero Hatch“ exakt gleich groß wie der SUV von Volkswagen. Optisch führt der Ioniq 3 die progressive Formensprache der Marke fort. Grundsätzlich wirkt die Silhouette sehr modern und erfrischend kompakt, wie eine geschrumpfte Version des Ioniq 6 oder des Genesis GV60.

Hohe Kante 
In der N-Version ziert das Heck des Ioniq 3 ein großer Heckspoiler. Aber ein Sportwagen ist der kleine Koreaner sicher nicht: Die maximale Antriebsleistung beträgt 108 Kilowatt oder 147 PS. Das weckt die "Kriegsbemalung" Erwartungen, die nicht erfüllt werden.
Hohe Kante
In der N-Version ziert das Heck des Ioniq 3 ein großer Heckspoiler. Aber ein Sportwagen ist der kleine Koreaner sicher nicht: Die maximale Antriebsleistung beträgt 108 Kilowatt oder 147 PS. Das weckt die „Kriegsbemalung“ Erwartungen, die nicht erfüllt werden.

Es gibt den Crossover, der in einem Hyundai-Werk im türkischen Izmet produziert wird, auch in einer sportlichen N-Line-Ausführung. Aber eines ist der Hyundai Ioniq 3 sicher nicht: Ein Sportwagen. Unter dem Blech regiert die kühle Strenge der Buchhalter. Um den Startpreis von unter 30.000 Euro zu realisieren, nutzt der Ioniq 3 die E-GMP-Plattform mit 400-Volt anstelle des teuren 800-Volt-Systems der größeren Hyundai-Stromer. Das bedeutet: Das Laden von 10 auf 80 Prozent am Schnelllader dauert mit maximal 118 kW knapp 30 Minuten statt nur etwas mehr als eine Viertelstunde als beim Ioniq 6.

Zwei Batteriegrößen,

Doch in dieser Klasse ist das Schnellladen eher zweitranging. Denn das Einsatzgebiet des frontgetriebenen Ioniq 3 dürfte in der erster Linie der Stadt- und Regionalverkehr sein. Er ist der heimischen Wallbox und der öffentlichen Supermarkt-Ladesäule hier meist näher als einem Hypercharger. Gegen Aufpreis nimmt er immerhin Wechselstrom mit bis zu 22 kW auf. Standard sind 11 kW.

Bei den Akkus bedient man sich im Konzernregal: Zur Wahl stehen wie beim Kia EV2 Kapazitäten von 42 und 61 kWh. Die kleinere Batterie greift auf preiswerte wie robuste Lithium-Eisenphosphat (LFP)-Zellen zurück, während das Topmodell die leistungsfähigeren Nickel-Kobalt-Mangan (NMC)-Zellen spendiert bekommt. Bei der Motorleistung gibt es ein Kuriosum: Die kleine Batterie ist – ebenfalls wie beim Kia – mit einem 108 kW oder 147 PS starken Elektromotor gekoppelt, während sich das Long Range-Modell mit knapp 100 kW und 135 PS Antriebsleistung begnügen muss.

Vom Winde geformt 
Dank eines sehr guten cW-Wertes von 0,26 kommt der Hyundai unter idealen Bedingungen bis zu 490 Kilometer weit. Fotos: Hyundai
Vom Winde geformt
Dank eines sehr guten cW-Wertes von 0,26 kommt der Hyundai unter idealen Bedingungen bis zu 490 Kilometer weit. Fotos: Hyundai

Dank seiner aerodynamischeren Fließheck-Form mit einem cW-Wert um 0,26 holt der Hyundai mehr Reichweite aus den Zellen als der boxige Kia EV2. Mit dem großen Akku sollen über 490 Kilometer möglich sein, mit dem kleinen gerade noch 335 Kilometer. Damit schlägt er auch die vorläufigen Werte des ID. Cross (316 und 436 Kilometer) um einen Tick, die älteren Konkurrenten aus dem Stellantis-Lager wie etwa den elektrische Opel Mokka mit 51 kWh-Akku (403 Kilometer) deutlich.

Blitzschnelles Pleos-Connect-System

Der wirkliche Trumpf des Ioniq 3 offenbart sich jedoch erst, wenn man hinter dem Lenkrad Platz nimmt. Hier feiert das neue Pleos Connect-System, basierend auf Android Automotive OS, seine Premiere. Auf wahlweise 12,9 oder 14,6 Zoll großen Bildschirmen macht Hyundai in Sachen Bedienbarkeit, Reaktionsschnelligkeit und Menüführung einen großen Sprung. Das digitale Cockpit wirkt modern, logisch strukturiert und aufgeräumt. Interessanterweise bleibt die neue Infotainment-Architektur dem Schwestermodell von Kia, dem EV2, verwehrt.

Ein Hauch von Sportlichkeit
Für einen Kleinwagen ist der Hyundai Ioniq 3 sehr gut ausgestattet. Gegen Aufpreis gibt es den Stromer auch im sportlichen N-Style.
Ein Hauch von Sportlichkeit
Für einen Kleinwagen ist der Hyundai Ioniq 3 sehr gut ausgestattet. Gegen Aufpreis gibt es den Stromer auch im sportlichen N-Style.

Dank der reinen Elektro-Plattform E-GMP und eines Radstandes von 2,65 Metern glänzt der kleine Hyundai mit einem ordentlichen Platzangebot. Die Bewegungsfreiheit vorne und die Kniefreiheit im Fond sind für ein Fahrzeug von nur 4,15 Metern Länge exzellent. Doch es gibt auch Raum für Kritik: Die aerodynamisch abfallende Dachlinie fordert ihren Tribut: In der zweiten Sitzreihe müssen großgewachsene Menschen den Kopf einziehen. Auf aufgrund der ansteigenden Fensterlinien könnte sich der eine oder andere zu sehr umschlossen fühlen.

Doch die Aero Hatch-Form bringt auch Vorteile. Das relativ lange und steil abfallende Heck birgt Platz für einen Kofferraum mit insgesamt 441 Litern Volumen. Dieser Wert setzt sich zusammen aus 322 Litern regulärem Ladeabteil und cleveren 119 Litern in der sogenannten Megabox im Unterboden. Das reicht locker für den großen Familien-Wocheneinkauf. In dem Punkt muss sich der Koreaner allerdings dem ID.Cross von VW geschlagen geben: Der SUV aus Pamplona, der im Herbst zeitgleich auf den Markt kommt, fasst bei voller Bestuhlung sogar 475 Liter. Zwischen den beiden Modellen könnte es ein spannendes Rennen werden.

(Mit Ergänzungen und Einordnungen von Franz Rother)

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