Deutschland ist mit Ladesäulen für Elektroautos auf den ersten Blick im internationalen Vergleich schon ganz gut versorgt. Nach Angaben der Bundesnetzagentur liegt die Zahl der Ladepunkte in Deutschland aktuell bei knapp über 100.000, nach den Erhebungen von Cirrantic und TheonData für den „Charging Radar“ von EDISON waren es Ende September sogar exakt 115.888. Demgegenüber steht allerdings eine schneller wachsende Zahl von Autos mit Stecker – vollelektrische Fahrzeuge und Plug-in Hybride. Der Bestand zählt mittlerweile rund 2,3 Millionen Stromer. Rein rechnerisch müssen sich also hierzulande etwa 21 Elektroautos einen öffentlichen Ladeplatz teilen.
Zudem fließt an den weitaus meisten Ladepunkten (93.168) lediglich Wechselstrom mit maximal 22 Kilowatt (kW). Die sogenannten „Schnarchlader“ – gedacht für das Laden des E-Autos über Nacht – sind für den Reiseverkehr durch Deutschland nahezu unbrauchbar. Nur an gut 14.000 Ladepunkten hierzulande fließt Gleichstrom mit Ladeleistungen jenseits von 50 kW, was einem Anteil von rund 13 Prozent entspricht. Hinzu kommen etwa 7200 Ladepunkte mit einer Ladeleistung von 50 kW – vor Jahren galten sie noch als Schnellladestionen.

EnBW zählt zu den Treibern der Elektromobilität in Deutschland. Der Energieversorger setzt auf große Ladepark wie der in Kamen mit einer Vielzahl von Highpower-Chargern. Auf der grünen Wiese und auf dem Gelände von Bau- und Supermärkten. Foto: Endre Dulic für EnBW
Die gute Nachricht ist: Große Anbieter von Ladeparks wie EnBW, Ionity oder Fastned haben in den zurückliegenden zwei Jahren entlang der Autobahnen eine Vielzahl von Hyperchargern installiert, mit denen sich Fahrzeuge theoretisch mit bis zu 350 kW oder bei doppelter Belegung immerhin mit jeweils 200 kW kW nachladen lassen.
In Norwegen kommen 31 Stromer auf einen Ladeplatz
Nicht viel besser sieht die Ladesituation in Teilen Skandinaviens aus – dabei ist Norwegen so etwas wie das Traumland vieler Elektromobilisten. Von den knapp 25.102 Ladepunkten in Norwegen sind zwar knapp 22 Prozent Schnelllader und knapp zehn Prozent Hypercharger mit mehr als 150 Kilowatt. Auch kommen die Stromer dort bereits auf einen Anteil von 80 Prozent bei den Neuzulassungen und auf 26 Prozent am Pkw-Gesamtbestand. Dafür ist die Relation zwischen der Anzahl der Elektroautos (rund 800.000 Fahrzeuge) und der Zahl der öffentlichen Ladepunkte in einer noch größeren Schieflage: Rein rechnerisch teilen sich in Norwegen etwa 31 Stromer einen öffentlichen Ladeplatz.

Die Zahl der Elektroautos ist auch in Norwegen deutlich höher als die Zahl der Ladestationen. Der finnische Energieversorger baut mit Ladeparks einen Schnelllade-Korridor durch Skandinavien auf.
In Frankreich gibt es aktuell mehr als 10.000 Ladeparks mit mehr als 84.000 öffentlichen Ladesteckern für rund 606.000 Batterieautos und rund 300.000 Plug-in Hybride. Das entspricht einer Relation von 11 Stromern pro Ladepunkt. Doch wer sein Elektroauto schnell laden will, hat hier schlechte Karten: Über 70.000 Ladepunkte bieten nur maximal 22 Kilowatt, die meisten von diesen schaffen sogar nur sieben bis elf Kilowatt. Die Zahl der Hypercharger mit mehr als 150 Kilowatt beträgt gerade einmal 3,4 Prozent. Und auch die DC-Lader mit Ladeleistungen zwischen 50 und 150 kW sind mit einem Anteil von gut vier Prozent kaum zahlreicher. In den Niederlanden wiederum gibt es europaweit nominell das größte Ladenetz: Zwischen Den Helder und Amsterdam stehen knapp 129.000 öffentliche Ladepunkte zur Verfügung. Doch nicht einmal 4.000 von ihnen sind Schnelllader für die kurze Ladepause unterwegs.
Großbritannien hinkt hinterher
Auch das Vereinigte Königreich hinkt beim Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos außerhalb von London hinterher – obwohl auch hier die Neuzulassungen rasant wachsen: Aktuell sind auf der Insel fast eine Million Stromer unterwegs. Denen stehen aktuell nicht einmal 1.700 öffentliche Ladestationen mit knapp 4.000 Säulen zur Verfügung. Der Anteil der DC-Schnelllader in Großbritannien ist mit knapp 20 Prozent stattlich, während die Hypercharger mit über 150 Kilowatt Ladeleistung kaum über zwei Prozent kommen.

Elektroautos werden auch in Japan überwiegend an privaten Stationen geladen. Der Ladestandard CHAdeMO erlaubt es hier, den im Akku des Batterieautos – oder Plug-in Hybriden – gespeicherten Strom ins Hausnetz einzuspeisen. Foto: Ulrich Schaarschmidt für Mitsubishi Motors
Wer denkt, dass es in anderen Wirtschaftsregionen der Welt deutlich besser aussieht, irrt zumeist gewaltig. Bestes Beispiel ist das technikaffine Japan: Selbst in der Millionenmetropole Tokio gibt es aktuell keine flächendeckende Lade-Infrastruktur. Und die existierenden Ladesäulen geben den Strom nur langsam ab. Über die Hälfte der öffentlichen Ladepunkte liefert weniger als 50 Kilowatt. Aktuell gibt es landesweit gerade einmal 30.000 Ladesäulen – für insgesamt rund 350.000 Steckerautos. Die Regierung will die Zahl der Ladepunkte in den kommenden sechs Jahren verzehnfachen, damit die Japaner langsam mehr Lust auf den Stecker bekommen und nicht allein auf Fahrzeuge mit Hybridantrieb setzen: Teilelektrifizert, aber ohne Stecker fahren in Japan derzeit über 13 Millionen Autos.
Staus vor Ladesäulen in den USA
Ähnlich ambitionierte Pläne gibt es auch in den Vereinigten Staaten von Amerika. Eine solide, mehr oder minder intakte Ladeinfrastruktur existiert bisher insbesondere an der Ost- und Westküste sowie entlang der großen Interstates – dank der Strafzahlungen des Volkswagen-Konzerns nach dem Dieselskandal konnte „Electrify America“ seit 2017 kräftig investieren und fast 1000 Stationen mit zusammen rund 3500 Ladepunkten errichten. Größter (freier) Anbieter ist allerdings ChargePoint mit über 31.000 Standorten und 56.000 Ladepunkten. Dahinter liegt Tesla mit dem Supercharger-Netz, das derzeit rund 22.000 Ladepunkte der insgesamt rund 140.000 Ladeplätze in den USA betreibt – mit in der Regel über 200 kW.

Mit knapp 2000 Ladeparks und knapp 22.000 Ladepunkten ist Tesla einer der größten Anbieter von Ladeinfrastruktur in den Vereinigten Staaten. Viele davon sind inzwischen auch für Elektroautos anders Marken zugänglich. Foto: Tesla
Über 80 Prozent der anderen Ladesäulen haben Ladeleistungen unter 50 Kilowatt. Und außer Tesla, Electrify America und Charge Point bemühen sich nur wenige Betreiber, das Hypercharger-Netz für Überlandfahrten auszubauen. Zudem befindet sich rund jede dritte Ladesäule im betont „grünen“ Bundesstaat Kalifornien. In den Ballungsräumen Los Angeles, Chicago, New York, Miami oder Dallas ist die Zahl der Elektroautos obendrein so stark gestiegen, dass es an den Wochenenden an den Ladesäulen vor Einkaufszentren oft zu langen Wartezeiten kommt.
China führt vor Südkorea
Und in China? Dort existieren aktuell über 1,8 Millionen öffentliche Ladepunkte – also etwa drei Viertel aller weltweit verfügbaren. Für die 3,4 Millionen Batterieautos, die im Reiche der Mitte unterwegs sind, ist das eine kommode Situation. Zumal 800.000 davon Ladeleistungen von mehr als 22 Kilowatt. Schnelllader mit 150 kW Ladeleistung sind allerdings eher selten. Da ist Südkorea weiter: Dort stehen derzeit rund 210.000 öffentliche Ladesäulen. Immerhin jede zehnte ist ein Powercharger.