Das meistverkaufte Elektroauto in Deutschland ist derzeit nicht das Model 3 von Tesla, auch nicht der ID.3 von Volkswagen, sondern der Renault Zoe. Mit 5014 Neuzulassungen in Deutschland schob sich der kompakte Stromer im Oktober auf Platz 7 der Bestenliste. Renault baute darüber seinen Marktanteil 4,7 Prozent aus. Und das nächste Elektroauto von Renault geht in diesen Tagen an den Start: Der Twingo ist ab sofort auch als Stromer verfügbar, mit einem 60 kW (82 PS) starken Elektromotor an der Hinterachse und einer neuen, von Renault entwickelten wassergekühlten Lithium-Ionen-Batterie mit einer Speicherkapazität von 21 Kilowattstunden für bis zu 270 Kilometer Reichweite im Stadtverkehr. Kurzum: Renault steht mächtig unter Strom.

Es gibt also einiges zu bereden mit Uwe Hochgeschurtz. Der 56-jährige steht seit Juni 2016 als Vorstandsvorsitzender an der Spitze von Renault Deutschland. Seine Karriere begann der Rheinländer bei Ford und Volkswagen Nutzfahrzeuge.

Herr Hochgeschurtz, seit Anfang November ist Deutschland wegen Corona wieder im Lockdown. Das ist sicher ein Schlag ins Kontor aller Renault-Händler im Land, oder?

Na ja, es ist ein nicht so umfassender Lockdown wie im Frühjahr. Die Werkstätten und Händlerbetriebe bleiben geöffnet. Das bringt nur wenige, fast gar keine Einschränkungen für das Tagesgeschäft mit sich.  Das war im Frühjahr anders. Insofern erwarte ich keine großen Rückgänge. Und ich bin überzeugt, dass die individuelle Mobilität immer wichtiger wird.

Sie spielen darauf an, dass das Auto wieder an Bedeutung gewinnt, weil die Menschen sich in öffentlichen Verkehrsmitteln wegen der Ansteckungsgefahr nicht mehr wohl fühlen?

Es ist nun einmal so: Wenn sich viele Menschen an einem Ort aufhalten, ist die Ansteckungsgefahr größer als wenn man in einem abgeschlossenen Raum allein oder mit einigen wenigen anderen reist – also im Automobil. Unsere Händler hören aus vielen Gesprächen mit Kunden heraus, dass diese Überlegung viele Menschen darüber nachdenken lässt, sich ein neues Auto zu kaufen.

Der Marktanteil von Renault in Deutschland ist seit Jahresbeginn bereits deutlich gestiegen. Sie erwarten also weitere Zuwächse?

Geplant war der Elektroantrieb für das Stadtauto schon länger. Aber erst mit einer neuen Batterie - und dem kräftigen Preisnachlass durch die Umweltprämie sehen die Franzosen nun gute Marktchancen. Auch gegen das Schwestermodell aus dem Daimler-Konzern. Elektroauto

Die Entwicklung des Marktanteils war in der Tat bislang gut. Wir haben ja auch einige interessante Modellneuheiten zu bieten. Mit dem neuen Clio und dem neuen Captur haben wir  zwei Bestseller neu aufgelegt. Und mittlerweile ist der elektrische Zoe das dritte schlagkräftige Musketier. Hier legen wir kräftig zu.

Der kleine Stromer scheint derzeit die stärksten Muskeln zu haben: Das Modell rangiert in der Zulassungsstatistik derzeit ganz weit oben.

Der Zoe ist in der Tat das Modell mit den höchsten Zuwächsen aktuell, derzeit wie schon in den letzten drei Jahren die Nummer 1 unter den Elektroautos in Deutschland. Allein im Oktober haben wir mehr als 5000 Zoe verkauft. Immer mehr Kunden suchen eine ökologisch sinnvollere Variante für die individuelle Fortbewegung. Sie entscheiden sich für ein kleineres Auto, legen mehr Wert auf Umweltverträglichkeit als Image.

Und landen dann beim Zoe.  

Nicht nur dort. Den Clio gibt es inzwischen mit Hybridantrieb, den Captur als wiederaufladbaren Plug-in Hybrid. Auch hier findet eine Elektrifizierung statt, auch wenn sie nicht so prägnant ausfällt wie beim Zoe. Aber bei dem Auto stimmt im Moment alles. Die Umweltprämie, die wir auf 10.000 Euro aufstocken, beeindruckt den Markt schon. Und der Zoe bietet seit der Modellpflege eine Reichweite von bis zu 395 Kilometern und vielfältige Möglichkeiten zum Laden. Die Kundenzufriedenheit mit dem Auto ist sehr groß. Und ich denke, daran wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern.   

„Höherwertige Ausstattungen sind gefragt“
Das 100 kW starke Sondermodell „Riviera“ des Renault Zoe kostet inklusive einer 50 kWh großen Batterie immerhin 37.812 Euro. Bild: Renault

Kriegen Sie aus Frankreich alle Autos, die Sie brauchen – oder gibt es bereits Lieferprobleme bei der großen Nachfrage aktuell?

Wir bekommen jedes Auto, das wir brauchen. Das hängt aber auch damit zusammen, dass wir für dieses Jahr mit großen Kontingenten geplant haben.

Sie waren von Anfang an optimistisch?

Wir haben die Diskussionen in der Politik intensiv verfolgt und waren uns sicher, dass die Umweltprämie verlängert werden würde. Zumindest bis zum Ende des Jahres 2021. Wir haben uns deshalb große Mengen von Autos aus der Produktion gesichert und auch vorsorglich einen Bestand von einigen Tausend Autos aufgebaut. Wer ein Bestandsfahrzeug wählt, kann innerhalb von drei bis vier Wochen im neuen Auto sitzen und so nicht nur den Elektrobonus einstreichen, sondern auch noch von der bis Jahresende auf 16 Prozent reduzierten Mehrwertsteuer profitieren. Wer sich sein Auto frei konfigurieren möchte, muss aber auch nicht länger als zwei bis drei Monate auf seinen neuen Zoe warten.

Im nächsten Teil erzählt der Renault-Manager, warum sich das Unternehmen bei Elektroautos von der Batteriemiete verabschiedet.

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1 Kommentar

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    Nettes Werbe-Interview,

    was der Vorstandschef von Renault Deutschland hier aber scheinbar außen vor lässt ist die Tatsache, dass die Bestellungen der jetzigen Neuzulassungen ca. 3-4 Monate zurück liegen.

    Als ich im Frühjahr unseren ZOE bestellte war die Liste der Anbieter für Elektrofahrzeuge noch sehr überschaubar. Mittlerweile sind auch die dt. Hersteller nachgezogen und auch aus Fernost sind echt attraktive Angebote dabei.

    Hier wird sich Renault künftig schwer(er) tun. Nicht nur weil die Franzosen keine Autos bauen Können sondern vor allem weil der ZOE einfach unglaublich überteuert ist. Ohne Batterie haben wir 31T€ für ein Auto ohne Batterie bezahlt. Da gibt es JETZT auch richtig gute Autos dafür!
    Beinahe hätten wir einen Gerichtsstreit mit meinen Händler begonnen, weil nicht nur wir der Meinung waren, ein Unfallauto erhalten zu haben, dabei ist das Renault-Qualität!
    Abgesehen von den über 10 Lackfehlern legt man bei Renault überhaupt keinen Wert auf z.B. Spaltmaße. Die Innenausstattung, gerade im Kofferraum erinnert an einen DACIA, wobei ich solch ein Statussymbol noch nie näher als auf 20m gesehen habe.
    Die Arroganz zumindest des Verkäufers, scheinbar aufgrund der aktuellen hohen Nachfrage, ist einfach unglaublich. Geringe Wertschätzung wäre hier völlig falsch ausgedrückt, da das Wort ‚Wert‘ hier mit vorhanden ist.
    Auch war ich im Frühjahr noch bereit, mir einen weiteren Renault zuzulegen aber aufgrund der bisherigen 6 monatigen Erfahrungen hatte ich mich am vergangenen Freitag für den Skoda Enyaq iV80 entschieden.

    Ich kann nur hoffen, dass mein Kommentar den ein oder anderen Leser von der Entscheidung abhielten wird, sich für einen Renault, gleich welchen Medells zu entscheiden.

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