Wo gibt es noch Lücken?
Wir haben zum Beispiel an einigen Autobahnen noch Lücken, die wir schließen wollen. Und wir gehen auch noch stärker über Partnerschaften mit Retailern in die Städte rein, aber auch mit dem Bau von City-Hubs. Aber grundsätzlich muss man sagen, dass die drei Prozent des Pkw-Bestandes mit einem Elektroantrieb mit den vorhandenen Ladesäulen sehr, sehr gut versorgt sind.
Die insgesamt 200.000 Ladepunkte in Deutschland waren nach einer Analyse des BDEW 2025 im Schnitt nur zu zwölf Prozent ausgelastet. Allerdings wurden da auch die mit Wechselstrom betriebenen Schnarchlader mitgezählt.
Ja, AC-Infrastruktur ist relativ platzintensiv und ist betriebswirtschaftlich eine große Herausforderung. Ich habe da relativ wenig Umsatz.
„Die Aufenthaltsqualität ist wichtig, wenn man den Kunden halten will.“
Weil die Autos stundenlang dort stehen, relativ wenig Strom aufnehmen, einen Ladeplatz blockieren.
Genau. Und dann gibt es von den Kunden die Forderung, dass über Nacht keine Blockiergebühren erhoben werden. Was für den Betreiber wiederum bedeutet, dass über viele Stunden hinweg kein Umsatz gemacht werden kann. Ich bin deshalb überzeugt, dass unsere Strategie richtig ist, auf das Schnellladen zu setzen, entlang der Autobahnen, auch in den Städten und bei den Retailern. Mit der wachsenden Zahl der Elektroautos kommen wir jetzt in die spannende nächste Phase der Entwicklung.
Nämlich?
Wir müssen nun genauer auf die Entwicklung der Ladezeiten schauen. Landen wir bei drei Minuten, bei zwei Minuten oder bei fünf Minuten? Also steigen die maximalen Ladeleistungen der Elektroautos auf 800 kW oder gar ein Megawatt oder bleiben sie bei 600 kW? Das sind aktuell die Fragen, die wir uns stellen. Grundsätzlich bin ich aber der festen Überzeugung, dass mittelfristig die DC-Infrastruktur deutlich wirtschaftlicher sein wird als eine AC-Infrastruktur. Sie bietet einfach eine bessere Ausgangsbasis, um unseren Kunden wirklich gute Preise anbieten zu können.

Der Schnellladepark in unmittelbarer Nachbarschaft der „EnBW City“ in Stuttgart ist nicht nur zur Mittagszeit gut besucht. Die hohen Auslastung der Hypercharger macht die Anlage hochgradig rentabel.
Bevor wir auf die Preise eingehen, würde ich gerne noch einen Blick auf das qualitative Angebot werfen. Wir haben hier einen Ladepark mit 14 Schnellladepunkten, mit einem Solardach, Mülleimer und sogar Sitzgelegenheiten. Wann sehen wir das überall?
Ich sehe die EnBW mobility+ nicht als technischen Anbieter, sondern als Marke mit einem Gesamtangebot. Komfort gehört dazu, was die Ausstattung anbetrifft wie auch eine einfache Bedienung. Unsere Anlagen sind nicht überall überdacht, so etwas kostet Geld und ist auch nicht überall erlaubt. Aber die Ausstattung ist für mich schon ein Teil der Markenprägung. Und inzwischen fahren nicht nur Early Adopter Elektroautos, sondern der Mainstream. Da ist es extrem wichtig, als Marke wiedererkennbar zu sein. Und der Kunde soll sich bei uns wohlfühlen.
Solche Investionen in den Komfort rechnen sich also?
Wir investieren. Es ist extrem schwierig, eine Überdachung zu rechnen oder eine Sitzbank. Aber das wäre für mich auch der falsche Ansatz. Die Aufenthaltsqualität ist wichtig, wenn man den Kunden halten will.
Wie viele Ladepunkte betreibt EnBW aktuell?
In Deutschland mehr als 8000 an über 1750 Standorten.
„Unser Ziel ist ein Marktanteil von 20 Prozent“
Und wie sieht die Zielgröße aus?
Unser Ziel ist ein Marktanteil von 20 Prozent. Wir haben mal eine bestimmte Anzahl von Ladepunkten genannt, haben uns davon aber jetzt verabschiedet.
Angepeilt waren von Ihrem Vorgänger einmal 30.000 Ladepunkte im Jahr 2030.
Die weitere Prognose für den Hochlauf Ladeinfrastruktur ist abhängig von äußeren Faktoren – etwa von Förderpolitik, Preisentwicklungen, Fahrzeugverfügbarkeit und der technischen Entwicklung. Deshalb setzen wir beim Ladenetzausbau auf Flexibilität statt auf feste Zielzahlen und orientieren uns konsequent am Bedarf. Unser Ziel bleibt klar: die Marktführerschaft mit rund 20 Prozent Anteil zu behaupten.
Kommen Sie nicht längst auf einen Marktanteil von 20 Prozent?
Ja, und den Anteil wollen wir halten. Wir haben konkrete Pläne bis 2030 erstellt und auch die Investitionen bis 2030 gesichert. Nun werden wir das Thema Lückenschluss treiben, sodass der Kunde ein durchgängiges Angebot von uns bekommt und es in den Städten und bei den Retailern weiter ausrollen.
(Im dritten Teil geht es um E-Lkw und Kabelklau)