Wegen der Geldentwertung. Und wie geht es weiter?
Wir sehen am Verhalten unserer Kunden, dass die Produkte, so wie wir sie jetzt geschnitten haben, funktionieren und dass die Kunden das nutzen. Ich kann mir grundsätzlich vorstellen, dass wir in Zukunft auch flexiblere Produkte entwickeln und anbieten. Die spannende Frage ist nur, wie groß die Nische dafür ist? Tesla hat ein integriertes System und kann diese variablen Preise auch im Auto kommunizieren. Der Kunde sieht also, was der Strom gerade kostet. Für die Kunden wird es aber erst einmal weniger berechenbar und etwas komplizierter.
Was an der Ladestation hier nicht sofort erkennbar ist, weil Anzeigetafeln wie an der Tankstelle fehlen.
Das Letzte, was ich möchte, ist, dass Kunden am Ende an der Ladesäule verärgert sind, weil der Preis, den man da sieht, nicht der ist, der erwartet wurde. Variable Tarife erhöhen beim Kunden den Informations- und Planungsaufwand, bringen noch mehr Komplexität. Und deshalb bereiten wir uns IT-technisch auf sowas vor. Wir haben aber noch kein Datum festgelegt, wann wir solche Produkte in den Markt bringen.
„Der Wettbewerb funktioniert wahrscheinlich in wenigen Industrien so gut wie bei uns.“
Eine Flatrate für Strom wäre auch ein attraktives Angebot.
So etwas gab es sogar schon einmal. Das ist für mich das Spannende in dieser neuen Lade-Welt, dass wir uns viele neue Produkte einfallen lassen können. Technisch geht das alles. Deshalb sollte man auch nicht immer nur die Ad-hoc-Ladepreise diskutieren und die Möglichkeit, den Strom mit der Kreditkarte zu zahlen. Dann rutsche ich im Grunde in der Geschichte zurück in das Tankstellenmodell. Wenn das einzige Produkt die Kilowattstunde ist, die den Preis X hat, dann verwehre ich mir als Industrie die Innovationskraft.
Wer ist eigentlich Ihr Hauptwettbewerber? Ionity, Fastned oder die Ladedienste der Mineralölindustrie?
Also im Moment ist das EnBW-Ladenetz deutlich größer als bei unseren Wettbewerbern. Ich tue mich bei der Frage sehr schwer, weil die Produktangebote unterschiedlich sind. Es gibt Wettbewerber, die sich auf die Langstrecke konzentriert haben…
…wie etwa Ionity…
Und es gibt Wettbewerber, die sich auf die Bestandsinfrastruktur an Tankstellen konzentrieren. Es gibt auch einen Wettbewerber aus London, der sich auch auf die Infrastruktur konzentriert. Ich glaube, dass wir uns von all diesen Wettbewerbern durch die Flächendeckung unterscheiden und dass wir es aktuell im Wettbewerb sehr gut schaffen, dieses integrierte Angebot aus EMP und CPO zu platzieren. Damit sind wir nicht an den reinen Ad-Hoc-Preis gebunden, sondern können verschiedenen Kundengruppen entsprechend ihrem Mobilitätsprofil spezifische Angebote machen.
Wiewohl Tankstellenbetreiber einen Vorteil haben: Sie haben Standorte, auf denen man leicht Ladesäulen platzieren kann.
Das sieht leichter aus als es tatsächlich ist. Der Wettbewerb funktioniert wahrscheinlich in wenigen Industrien so gut wie bei uns. Wir haben vom Stadtwerk bis zum Öl-Multi alles dabei, was um Kunden kämpft und für verschiedene Use-Cases Angebote macht. In meiner Heimat Braunschweig etwa sind die Stadtwerke Hauptwettbewerber zu unserem EnBW-Netz. Wenn ich auf der Autobahn fahre, ist es vielleicht eher der Öl-Multi, der im Wettbewerb zu unserem Netz steht. In jedem meiner Cases trete ich gegen andere Wettbewerber an. Und jeder versucht den Kunden preislich, aber auch produkt- und leistungsseitig ein besseres Angebot zu machen. Ich glaube, dass wir uns diesem Wettbewerb mit viel Selbstvertrauen stellen können.

„Wir werden in Zukunft kein sinnvolles Gespräch mehr in einer Ladepause hinbekommen.“
Apropos Selbstvertrauen: Der Ladestand unserer Autos nähert sich gerade der 80-Prozent-Marke. Daher noch schnell die letzten Fragen.
Bitte.
Angenommen, Sie hätten die Möglichkeit, die Elektromobilität mit einem Fingerschnipsen einen großen Schritt voranzubringen. Was würden Sie sich von der Fee wünschen?
Das wäre der alte Wunsch, schnell Reichweite zu gewinnen. 400 Kilometer statt in 10 Minuten nun vielleicht in 7 oder 6 Minuten. Wir haben eben über die fantastischen Ladegeschwindigkeiten neuer Elektroautos gesprochen, die in China präsentiert wurden. Wenn sich das durchsetzt, können wir bald Elektroautos anbieten, die leichter und billiger sind.
Weil die Ladepausen so kurz werden, dass große und teure Akku nicht länger nötig sind.
Genau. Die Produktmanager der Autohersteller, aber auch die Kunden werden bald erkennen, dass eine riesige Reichweite nicht das einzig Seligmachende bei einem Elektroauto ist.
Für Ladetalks wie heute bleibt also bald keine Zeit mehr?
Wir werden jedenfalls kein sinnvolles Gespräch mehr in einer Ladepause hinbekommen. Dazu müssten wir uns dann an anderer Stelle treffen.
Vielen Dank für das Gespräch.