In Morris Garages werden schon lange keine Autos mehr gebaut. Die traditionsreiche britische Marke MG, 1923/1924 von Cecil Kimber in Oxford als Sportwagenabteilung von Morris Cars gegründet und später ein Teil der BMW Group, befindet sich seit 2005 in chinesischer Hand. Unter dem Dach der Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) werden seit 2007 zwar wieder Autos der Marke MG produziert und seit 2021 auch mit wachsendem Erfolg wieder in der EU verkauft. Mit den Erfolgsmodellen von MG in den 1950 und 1960er-Jahre – kleinen, wendigen wie bezahlbaren Roadstern – haben die Fahrzeuge allerdings nichts mehr gemein.

Ja, mit dem Cyberster hat die Marke zwar noch einen Roadster im Lieferprogramm. Aber der ist weder leicht noch mit einem Basispreis von knapp 65.000 Euro noch erschwinglich. Was daran liegt, dass „Roadster der Generation E“ von einem Elektromotor angetrieben wird, der von einer 77 kWh großen und entsprechend schweren Batterie mit Strom versorgt wird. Ein Verkaufsschlager ist der Cyberster deshalb nicht: 2025 wurden von dem Modell gerade einmal 442 Fahrzeuge neu zugelassen.

Damit kann man sich sehen lassen
Die Heckpartie des MG S6 erinnert ein wenig an den (etwas kantigeren, aber ähnlich großen) Mercedes EQB. Foto: MG
Damit kann man sich sehen lassen
Die Heckpartie des MG S6 erinnert ein wenig an den (etwas kantigeren, aber ähnlich großen) Mercedes EQB. Foto: MG

Nein, Volumen machen die 180 MG-Händler im Land mit ganz anderen Modellen. Mit dem elektrischen Hatchback MG4, von dem seit der Markteinführung 2021 bislang rund 33.000 Exemplare in den Verkehr gebracht wurden – fast 5.600 davon in 2025. Mit dem Plug-in-Hybrid HS6 sowie dem MG3 und MG ZS mit Hybridantrieb.

Die Diversität der Antriebskonzepte hat MG im abgelaufenen Jahr nicht nur in Deutschland ordentlich Rückenwind verschafft und SAIC Motor zum erfolgreichsten chinesischen Autobauer in Europa (inklusive Großbritannien) gemacht. Mit 305.717 Neuzulassungen, einem Plus von knapp 25 Prozent und einem Marktanteil von 2,3 Prozent hat der Konzern BYD (1,4 Prozent) deutlich überflügelt. Von Xpeng, Great Wall Motor (GWM), Leapmotor und NIO – die in den Zulassungsstatistiken des europäischen Herstellerverbandes ACEA noch nicht mal aufgeführt sind – ganz zu schweigen.

Angriff auf Skoda Enyaq und VW ID.4

Aber auch etablierte Fahrzeughersteller dürften die Erfolge von MG auf dem europäischen Markt für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben allmählich nervös machen. Der MG4 hat ohne Zweifel den VW ID.3 und dem Cupra Born ohne Zweifel schon den einen oder anderen Kunden der Generation E gekostet. Mit dem im vergangenen Jahr eingeführten, vollelektrischen Kompakt-SUV MG S5 schicken sich die Chinesen an, unter anderem dem Škoda Elroq, dem  und Hyundai Kona in die Parade zu fahren.

Kontrastprogramm 
Im Unterschied zu der modernen Architektur, mit der portugiesische Weingüter auf sich aufmerksam machen, bietet die 4,71 Meter lange Karosserie des MG S6 keine großen Angriffspunkte. Foto: Rother
Kontrastprogramm
Im Unterschied zu der modernen Architektur, mit der portugiesische Weingüter auf sich aufmerksam machen, bietet die 4,71 Meter lange Karosserie des MG S6 keine großen Angriffspunkte. Foto: Rother

Und in der zweiten Jahreshälfte folgt mit dem MG S6 die Attacke in der nächsthöheren Fahrzeugkategorie – unter anderem auf den Skoda Enyaq und den VW ID.4. Wir konnten mit dem neuen Vollstromer in Portugal bereits eine Runde drehen – und waren nicht nur von den Fahreigenschaften durchaus angetan.

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Technische Daten MG S6 „Luxury“

Heckantrieb mit Synchronmotor, Antriebsleistung: 188 kW (244 PS);
Beschleunigung 0-100 km/h: 7,3 Sekunden; Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h;
Batteriekapazität: 77 kWh brutto, 74,3 kWh netto;
Stromverbrauch (WLTP-Norm): 16,6 kWh/100 km; Max. Reichweite: 530 Km;
Max. Ladeleistung: 144 kW (DC), 11 kW (AC); Ladezeit 10-80% SoC: 38 Minuten;
Länge x Breite x Höhe (mm): 4708/1912/1664;
Kofferraum: 674 – 1.910 Liter + 124 Liter Frunk
Basispreis: 49.990 Euro

MG Motor hat sich für sein neues C-SUV im 4,76-Meter-Format viel vorgenommen. Er soll nicht nur schick aussehen – was er mit seiner klaren Linienführung und einem cw-Wert von 0,27 zweifellos tut –, sondern vor allem im Alltag extrem praktisch sein. Das Platzangebot ist eine der größten Überraschungen. Dank der speziellen Elektro-Plattform (MSP) und einem üppigen Radstand von 2,85 Metern reist man im S6 EV extrem entspannt. Hinten gibt es dank fehlendem Kardantunnel auch in der Mitte keine Platzangst. Zumal das Fahrzeug serienmäßig mit einem riesigen Panorama-Glasdach ausgestattet ist, das die Passagiere im Fond dem Himmel nahe bringt.

Innenraum: „Basisversion“ ist für MG ein Fremdwort

Und der Kofferraum? Der schluckt standardmäßig stattliche 674 Liter und lässt sich auf bis zu 1.910 Liter erweitern. Das Highlight für Elektro-Fans wartet aber unter der vorderen Haube: Ein 124 Liter großer Frunk bietet massig Platz für Ladekabel, die Sporttasche und allerlei Kleinkram. So großzügig wünscht man sich das auch bei einigen deutschen Konkurrenten. Der populäre und auch von uns sehr geschätzte Skoda Enyaq etwa kennt wie der ID.4 keinen Frunk und kann im Kofferraum lediglich 585 Liter verstauen.

Alles im Blick
MG hat den neuen Elektro-SUV erstmals serienmäßig mit einem Head-up-Display ausgestattet. Zusätzlich gibt es für den ein 10,25 Zoll großes Info-Display hinter dem Lenkrad und einen 12,8 Zoll großen Touchscreen über der Mittelkonsole. Foto: Marcus Werner
Information Overkill
MG hat den neuen Elektro-SUV erstmals serienmäßig mit einem Head-up-Display ausgestattet. Zusätzlich gibt es für den ein 10,25 Zoll großes Info-Display hinter dem Lenkrad und einen 12,8 Zoll großen Touchscreen über der Mittelkonsole. Foto: Marcus Werner

Während man bei anderen Herstellern mitunter stundenlang Häkchen im Internet-Konfigurator setzt, macht MG es den Käufern beim S6 in Deutschland leicht. Es gibt keine nackte Basisversion, sondern hierzulande nur zwei „Luxury“-Ausführungen. Die eine mit Heck-, die andere mit Allradantrieb. Aufpreis kosten nur die sechs Sonderlackierungen (Serie ist ein freundliches „Piccadilly Blue“-Metallic) sowie ein helles Interieur.

Wärmepumpe und vieles andere mehr ohne Aufpreis

Das 1,96 Quadratmeter große Panorama-Glasdach ist immer serienmäßig an Bord, ebenso wie Sitzheizung und -belüftung vorne, beheizte Rücksitze – und erstmals auch ein Head-up-Display. Auch für die 20 Assistenzsysteme, die 20 Zoll großen Leichtmetallräder, die LED-Scheinwerfer oder gar die Wärmepumpe muss hier niemand Aufpreis zahlen. Apple CarPlay und Android Auto laufen serienmäßig kabellos. Ein echtes Lob gibt es für das neue MG-Pilot-System: Statt nach jedem Start alle nervigen Assistenzsysteme einzeln deaktivieren zu müssen, lassen sich beim MG S6 EV persönliche Präferenzen speichern und mit wenigen Handgriffen wieder abrufen. Ein wahrer Segen im Verkehrs-Alltag!

Kurze Ladepause 
Mit bis zu 144 kW zieht der MG den Strom aus einem mit Gleichstrom betriebenen Schnelllader. An der mit Wechselstrom betriebenen Wallbox sind maximal 11 kW drin. Die Positionierung der Ladeklappe hinten links ist in Ländern mit Rechtsverkehr suboptimal.
Kurze Ladepause
Mit bis zu 144 kW zieht der MG den Strom aus einem mit Gleichstrom betriebenen Schnelllader. An der mit Wechselstrom betriebenen Wallbox sind maximal 11 kW drin. Die Positionierung der Ladeklappe hinten links ist in Ländern mit Rechtsverkehr suboptimal.

MG schickt den S6 immer mit einer brutto 77 kWh großen Batterie (NCM) ins Rennen – 74,3 kWh davon lassen sich für den Fahrbetrieb nutzen. Bei der Antriebsleistung hat man hingegen die Wahl. Der Hecktriebler mobilisiert bis zu 180 kW oder 244 PS, das allradgetriebene Topmodell satte 266 kW oder 361 PS.

Fahrdynamik: Souveräner Cruiser mit Punch

Auf den Straßen Portugals zeigte sich vor allem der MG S6 von seiner dynamischen Seite. Mit 540 Nm Drehmoment geht es mit Allradantrieb in sportlichen 5,1 Sekunden auf Tempo 100. Der Hecktriebler braucht zwar 2,2 Sekunden länger für die Beschleunigung. Für den Alltagsverkehr sollte das aber mehr als ausreichen. Dafür biete der Hecktriebler mit bis zu 530 Kilometern eine etwas höhere (Norm-)Reichweite. Der Allradler kommt im besten Fall maximal 485 Kilometer weit. Bei unsere Testfahrt mit dem Zweitonner über kamen wir laut Bordcomputer auf einen Durchschnittsverbrauch von 17,3 kWh/100 km – fast 430 Kilometer weit wären wir damit gekommen.

Ein Platz an der Sonne
Fast zwei Quadratmeter groß ist das serienmäßige Panorama-Glasdach, das sich mit einer Jalousie verschatten lässt. Zusammen mit den feinen Sitzbezügen aus Kunstleder und Kunstfasern in Alcantara-Art sorgt das auch im Fond für eine hohe Aufenthaltsqualität.

Beim Laden gibt sich der MG bodenständig. Am Schnelllader zieht er maximal 144 kW, womit der Akku in rund 38 Minuten von 10 auf 80 Prozent gefüllt ist. Das ist im Wettbewerbsumfeld zwar nicht die absolute Spitze, aber für ein Fahrzeug mit 400-Volt-Architektur grundsolide.

Fazit und Preis: Ein echtes Schnäppchen?

Jetzt zum schlagkräftigsten Argument: Der MG S6 EV „Luxury“ startet bei uns bei 49.990 Euro. Wer den Allradler will, zahlt 53.990 Euro. Bedenkt man, dass hier absolute Vollausstattung vom Head-up-Display bis zur Wärmepumpe an Bord ist, wird die Luft für die Konkurrenz dünn. Zumal die Verarbeitung gut, die Güte der im Innenraum verarbeiteten Materialien hoch ist und auch das Fahrverhalten keinen Grund für größere Klagen liefert. Das zusammen mit Continental entwickelte Bremssystem reagiert schnell und wirksam, die Lenkung für ein Auto aus China erfreulich direkt.

Volkswagen, Skoda und Kia müssen sich warm anziehen – dieser Chinese ist nicht nur ein Papiertiger, sondern ein richtig gutes Elektroauto für den Alltag.

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