Im Tarnkleid war das Tesla Model S „Plaid“ in den vergangenen Monaten schon mehrfach gesichtet worden. Und Tesla-Chef Elon Musk hatte die Gerüchte um den „Super-Tesla“ mit Tweets und Andeutungen auf dem „Battery Day“ mehrfach befeuert. Aber nun ist die Zeit der Geheimniskrämerei vorbei: Zusammen mit dem Investoren-Brief über den insgesamt recht positiven Verlauf des Geschäftsjahres 2020 veröffentlichte Tesla auch Details über die umfassende Modellpflege, die das kalifornische Startup den Modellen S und X knapp neun bzw. fünf Jahre nach der Markteinführung spendiert hat. Die Neuerungen fließen sofort ins Lieferprogramm ein – auch in Deutschland ist der Car-Konfigurator inzwischen umgestellt.

Tesla Model S mit Neuerungen im Innenraum

Was hat sich getan? Nun, auf den ersten schnellen Blick nicht viel. Die Karosserien der beiden Elektroautos wurden dezent überarbeitet, es gibt neue Front- und Heckschürzen, hinten etwas breiter ausgestellte Radhäuser sowie schwarze statt chromglänzende Türgriffe und Fensterrahmen. Bedeutsamere Neuerungen finden sich hingegen im Innenraum von Model S und Model X: Der „Media Control Unit“ genannte, iPad-ähnliche und 17 Zoll große Zentralbildschirm sitzt nun wie im Model 3 quer statt wie bisher hochkant. Es gibt einen weiteren Touchscreen in der Mittelkonsole für die Fondpassagiere, weitere Lademöglichkeiten für Smartphones – und Anschlüsse für Gamecontroller auf der Rücksitzbank.

Blick in den Innenraum des neuen Tesla Model S: Das Lenkrad ist nicht mehr rund, sondern rechteckig und die Media Control Unit liegt nun quer anstatt hochkant auf dem Armaturenbrett.
Aufräumaktion
Blick ins Innere des neuen Model S von Tesla: Das Lenkrad ist nicht mehr rund. Und die Media Control Unit liegt nun quer auf dem Armaturenbrett. Foto: Tesla

Vorne ist das Lenkrad des Model S und X nicht mehr rund, sondern rechteckig und ähnelt nun dem Bedienteil einer Spielkonsole – oder dem Steuerknüppel eines Sportflugzeugs. Tesla spricht von einer „Yoke“-Lenkung. Das klingt nach Witz, meint aber einen Bügel – und ist ein Vorgriff auf das Zeitalter des autonomen Fahrens auf Level 4: Ein Lenkrad wird da bekanntlich nur noch ganz selten gebraucht.

Tesla schneller als Bugatti?

Für noch mehr Aufsehen in der Branche aber dürften die Veränderungen sorgen, die Tesla beim Antrieb vorgenommen hat. Die neue, Plaid plus genannte Topausführung des Model S kommt mit einer Spitzenleistung von über 1100 PS /810 kW daher und soll mit einer Akkuladung nun bis zu 840 Kilometer weit kommen. Für die Höchstgeschwindigkeit von 320 Km/h und eine Beschleunigung auf Tempo 100 in unter zwei Sekunden sorgen bei dem Model insgesamt drei Hochleistungs-Elektromotoren. Eine ähnliche Antriebskonstellation hat derzeit nur der Audi e-tron S.

In der Weltraumkomödie „Spaceballs“ von Mel Brooks aus dem Jahre 1987 glänzte das gleichnamige Raumschiff mit ähnlich aberwitzigen Geschwindigkeiten – mit einer karierten Picknick-Decke hat dieser „Plaid“ nun wirklich nichts gemein.

Neuer Batterietyp im Tesla Model S Plaid plus

Für die Mega-Reichweite des Tesla Model S Plaid plus sorgt vermutlich die neue Generation von Batteriezellen mit der Bezeichnung 4680, die Musk auf dem „Battery Day“ im vergangenen Herbst vorgestellt hatte. Über die Details des neuen Zelltyps schweigt sich Tesla derzeit noch ebenso aus wie die Speicherkapazität des Akku-Packs im neuen Topmodel. Umso genüsslicher präsentiert das Unternehmen im Investoren-Brief eine Aufstellung mit den Beschleunigungswerten anderer Supersportwagen: Die Plaid-Version des neuen Tesla Model S lässt demnach jeden Porsche und sogar Bugatti hinter sich.

Vergleich der Beschleunigungswerte von Supersportwagen - mit Elektroantrieb und konventionellen Verbrennungsmotoren. Bild: Tesla
Kräftemessen unter Spitzensportlern
Vergleich der Beschleunigungswerte von Supersportwagen – mit Elektroantrieb und konventionellen Verbrennungsmotoren. Bild: Tesla

Die Plaid plus-Version ist vorerst auch nur dem Model S vorbehalten. Das Tesla Model X muss sich mit dem einfachen Plaid-Antrieb begnügen, kommt damit „nur“ auf eine Spitzenleistung von 1020 PS/750 kW, eine Höchstgeschwindigkeit von 262 km/h und eine Reichweite von 547 Kilometer: Hier dürften im Fahrzeugboden noch die alten Zellen arbeiten. Im Tesla Model S reicht die gleiche Konstellation für eine Reichweite von 628 Kilometer und eine Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h. Erhalten bleiben hier wie da die Versionen „Long Range“, die mit zwei Elektromotoren auskommen müssen. Entsprechend preiswerter sind sie.

Tesla erhöht die Preise

Apropos Preise: Preiswert waren die Topmodelle von Tesla noch nie. Und mit der Modellpflege wird es nun noch teurer. Die Plaid plus-Version des Tesla Model S, die nach Stand heute ab Jahresende ausgeliefert wird, schlägt mit 139.900 Euro zu Buche – ohne „Autopilot“ 7500 Euro) und nur mit Rädern im 19-Zoll-format. Die einfache Plaid-Version gibt es ab 116.990 Euro und die „Long Range“-Version mit 86.990 Euro: Die Autos verteuern sich also mit dem Facelift noch einmal.

Blick durch das Panorama-Glasdach aus der Vogelperspektive in den neugestalteten Innenraum des Tesla Model S.
Vogelperspektive
Blick durch das Panorama-Glasdach in den neugestalteten Innenraum des Tesla Model S. Die ersten Exemplare des Modells sollen im September in Deutschland eintreffen. Foto: Tesla
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1 Kommentar

  1. Avatar

    Nettes Spielzeug für die Reichen und Schönen. Wo bleiben von Tesla alltagstaugliche Autos?
    Wie viele LKW könnte man mit 1100 PS ausstatten?
    Der Irrsinn lässt grüßen!

    Antworten

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